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musik

Forestglade Festival

2007-04-02 00:11:17

Der erste Tag des Forestglade Festivals in Wiesen stand ganz unter dem Zeichen: Schmusepop vs. Rock!

Das Festivalgelände im burgenländischen Erdbeerland hat gegenüber den zahlreichen Festivals, die in diesem Jahr bislang allesamt in Schlammschlachten geendet haben, einen essenziellen Vorteil: Ein nahezu völlig überdachtes Areal. Dieses diente am ersten Tag des Forestglade Festivals jedoch nicht als Regen-,  sondern als Sonnenschutz.

Das Forestglade erfreut sich bereits seit nunmehr 10 Jahren einem regen Publikumsandrang. Nicht nur einmal wurden an den Kassen die "Ausverkauft" Schilder ausgehängt. In diesem Jahr wurde dies durch die Veränderung des Veranstalterteams, die zahlreichen Konkurrenzveranstaltungen und folglich dem eher – nun ja – durchschnittlichem Line-up bei weitem nicht erreicht.


Schmusepop und Bayernrock

Steigen wir nun bei den Indie-Popern von Virginia Jetzt! ins Geschehen ein. Die vier Kuschelrocker schleppten ihre Körper nach einem düsteren Air-Intro auf die Bühne und entschlossen sich zum Auftakt einen Beatles Klassiker („Come Together“) ins Mikro zu hauchen, bevor sie ungeniert zu „Das ganz normale Leben“ übergingen. Was sie sich dabei gedacht oder erhofft hatten, bleibt ein Rätsel. Da half ihnen nicht einmal mehr die Liebe zum Österreichischen Dialekt!


Nino von Virginia Jetzt!

Slut waren an diesem Tag auf einer österreichischen Konzert-Ralley unterwegs, denn sie legten innerhalb von nur vier Stunden zwei Sonderprüfungen ab. Den Anfang machten sie am Forestglade, und da zeigten sie ihren Landsleuten von Virginia Jetzt!, wo der Bartl den Most herholt. Die charmanten Jungs aus Ingolstadt überzeugten – wie fast immer – mit beherztem und druckvollem Gitarrenspiel. Dabei kamen die Melodien jedoch nicht zu kurz. Das Publikum sah dies auch als Anlass, sich von ihrem Allerwertesten zu heben und sich in die Nähe der Bühne zu begeben. Sichtlich hat es allen gefallen,  denn Slut und das Publikum beklatschten sich zum Schluss gegenseitig. Das nenne ich Eintracht!


Chris von Slut.

Nun wechseln wir kurz das Genre:

Mit einem schrillen Lockruf wurde der Auftritt von Fettes Brot eingeläutet. Diesem folgte auch so mancher Festivalbesucher. Als dann noch die VIPs am Rasen und die vor sich hinträumenden Menschen in den Hängematten zur Bühne gebeten wurden, kam zum ersten Mal an diesem Abend, so etwas wie ausgelassene Stimmung auf. Los gelegt wurde mit einer Coverversion von den Ska-Größen Madness – nämlich "One Step Beyond".  Zu diesem beutelten Doktor Renz, Schiffmeister und König Boris die Rapps aus ihren T-Shirts. Zur Seite stand ihnen dabei DJ Pauli und ein dreiköpfiger Chor. Nach fulminantem Beginn, ging es jedoch bis zur Hälfte ihres Auftrittes kontinuierlich bergab. Bei „Schwule Mädchen“ schafften sie jedoch wieder den Turnaround. Beendet wurde die energetische Show der drei Hamburger mit dem Ghostbusters-Theme, über das ein frecher Sprechgesang gelegt wurde. Ein Auftritt, welcher nicht nur die Ö3-Hörerschaft überzeugen konnte.


Fettes Brot lässt grüssen

Kommen wir nun wieder zum Rock – und somit zu New Model Army

Diese Band gibt es sage und schreibe bereits seit mehr als 20 Jahren. Wer nun auf die Idee kommen könnte, dass die Bandmitglieder allesamt bald in den wohlverdienten Ruhestand gehen werden, irrt gewaltig. Denn was New Model Army an diesem Abend boten, war grandios und mit solch einem jugendlichem Esprit, Elan vorgetragen, als würde eine Newcomerband zum ersten Mal vor mehr als 200 Leuten spielen.


Justin Sullivan schreit sich die Zähne, sorry, Seele aus dem Leib

Justin Sullivan, der Frontman von New Model Army, tauschte stets die Akustische mit einer E-Gitarre und vice versa. Egal, was er an diesem Abend auch immer anfasste, er machte es beherzt.  Dazu erhob er seine prägnante Stimme und setzte sie in den Mittelpunkt des Geschehens. Dabei malte er mit seinen Händen das ein oder andere Bild in die sternenklare Nacht von Wiesen. Schön, wenn man von solch alten Hasen noch so eine Show zu sehen bekommt. Respekt!


Der ebenso süsse wie zugedröhnte Herr Green

Adam Green hat wohl für den diesjährigen Festivalsommer in Österreich eine Saisonkarte geschenkt bekommen. Von wem wohl? Bei nahezu jeder Großveranstaltung kann man seinen Namen dem Line-up entnehmen. Beim ersten Tag am Forestglade durfte er sich sogar als Headliner auf die Bühne schleppen. Zuvor vernichte er wohl noch schnell eine ganze Marihuana-Plantage. Ohne Begrüßungsworte ging es in den ersten Song „Bluebirds“. Dann stolperte er von Lied zu Lied, die allesamt die Drei-Minuten-Grenze nie überschritten haben. Seine eher gelangweilte Rhythmusabteilung vermochte nur schwer den Takt ihres exzentrischen Meisters zu folgen. Der mühte sich auch sichtlich ab und bewegte sich wie ein Greis, der beim Alltersheim-Clubbing noch einmal das Tanzbein zu schwingen versucht – und das trotz zwei Hüftoperationen. Als Adam Green im Song „I Wanna Die“ beschloss zu sterben, entschloss ich mich für die Heimfahrt.

Alle Fotos: (c) Stephan Brückler

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AutorInnen

Marco Weise

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