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musik

Forestglade Festival: Der Tag der Schweden.

2007-04-02 00:11:17

Am zweiten Tag des Forestglade Festivals in Wiesen wehte großteils die Schwedische Flagge über dem Festivalgelände. Da hatte es das gegnerische Team mit Therapy?, Starsailor und Garbage nicht leicht.

Am zweiten Tag des Forestglade Festivals in Wiesen wehte großteils die Schwedische Flagge über dem Festivalgelände. Der Anlass dafür war der hohe Besuch aus dem Königreich.
Das Areal war bereits am Nachmittag gut gefüllt. Dafür waren wohl Mando Diao verantwortlich, denn der Auftritt der vier Everybody`s Darlings (zumindest trifft das für den Großteil der Frauen zu) war bereits am Nachmittag angesetzt worden. Somit war es auch selbstverständlich, dass der Frauenanteil vor der Bühne sehr, sehr hoch war. Ob davon einige in Ohnmacht gefallen sind oder ihre Brüste gezeigt haben, als Björn oder Noren oder Carl usw. von der Bühne gezwinkert haben, kann ich an dieser Stelle nicht sagen – vermuten aber schon.

Therapy? beanspruchten danach die Bühne für sich und schoben den Lautstärkenregler einmal kräftig in Richtung Anschlag, denn die Musik der vier Bösewichte funktioniert laut einfach am besten. Das zwischen Metal und Rock angesiedelte Quartett schrammelte und zupfte gekonnt an den Klampfen herum. Dass Therapy? das Songmaterial nicht ausgehen kann, ist bei 11 Alben klar. Zu hören waren unter anderem Nowhere und Isolation aus dem sensationellen – meiner Meinung nach besten Album von Therapy? – nämlich Troublegum. Natürlich durfte das Hüsker Dü-Cover "Diane" auch nicht im Programm fehlen. Live wurde dieser Song jedoch rockig performt, was diesem leider vieles an seiner Kraft entzog. Der Rest war allerdings erstklassig, und somit verlief die Therapie erfolgreich.


Andy Cairns von Therapy?

Pelle Almqvist, seines Zeichen Sänger der Hives, schluckte vermutlich vor dem Auftritt Pillen, deren Beipackzettel unter Anwendung folgendes zu entnehmen ist: Die Einnahme dieses Arzneimittels verwandelt sie in ein wildes Tier. Sie werden danach alles um sich herum vergessen. Ruhe und Müdigkeit wird für eine Zeit lang aus ihrem Gedankengut gelöscht. Stattdessen werden sie wie verrückt herumzappeln und pitzeln. Aus Sicherheitsgründen empfehlen wir ihnen, nicht mehr als eine Pille pro Tag zu schlucken. Ihr Körper und ihre Mitmenschen werden es ihnen danken.
Ja, und was machte Pelle Almqvist, dieser Teufelskerl? Richtig, er warf sich gleich die ganze Packung in den Rachen uns spülte diese noch mit einem Bier hinunter – sicher ist sicher! Was danach passierte war unglaublich energiegeladen und großkotzig.


Arrgghh! Pelle Almqvist zischte von einem Bühnenrand zum anderen.

Starsailor betraten danach das von den Anzugrockern hinterlassene Schlachtfeld, beruhigten wieder die Lage und kehrten in melancholischer Haltung die Hives-Arroganz von der Bühne. Danach strickten sie große Gefühle mittels Moll-Gitarren zu einschmiegsamen Melodien zusammen, die darauf mit einer Leichtigkeit in die Freiheit entlassen wurden, dass die Gänsehaut nicht weit entfernt war. Die vier Briten holten an diesem Abend die Sterne vom Himmel und spielten rund eineinhalb Stunden ein beachtliches Set, bei dem auch Hits wie "Silence Is Easy" und "Alcoholic" nicht ausblieben. Romantik pur.


James Walsh, der Sänger von Starsailor, wirkte ein wenig niedergeschlagen.

Schöner Müll vom Headliner Garbage
 
Kann man als Schlussact eines solchen Klasse-Lineups überhaupt noch was drauflegen? Garbage konnten es und fegten zu mitternächtlicher Stunde wie ein Wirbelwind durch´s Wiesener Publikum.
 
Drei Männer und eine Schottin
Gemäß dem deutlich erhöhten Rockfaktor ihres aktuellen Albums „Bleed Like Me“ wurde balladeskes Liedgut weitgehend ausgespart. Stattdessen setzten Shirley Manson und ihre drei nicht mehr ganz taufrischen männlichen Instrumentalisten auf rockige Gitarrenbretter und knallige Beats. Dabei ertönten sowohl neuere Stücke wie „Bad Boyfriend“, „Why Do You Love Me“ und „Run Baby Run“ als auch Garbage-Klassiker wie „Only Happy When It Rains“, „Queer“ oder “When I Grow Up”.
 
 
Shirley Manson räkelt sich im Rampenlicht 
 
Die aus Schottland stammende Frontfrau gab sich wie immer supersexy, mit Netzstrümpfen und ultrakurzem Minikleidchen und wirkte mit ihrer blassen Haut wie ein Porzellanpüppchen, allerdings wie eines, das man nicht so schnell zerbricht. Gesanglich in Topform fegte sie mal hyperaktiv über die Bühne, mal verharrte sie in gewohnt lasziver Pose. Damit bildete sie innerhalb des männlich dominierten Line-ups des Forestglade Festivals – aber sicherlich nicht nur dort – in ihrer Rolle als Frontfrau eine Minoritat.
 
 
Wahrlich kein "Stupid Girl": Shirley Manson
 
Auch wenn Garbage als Technikfreaks und Studioperfektionisten gelten, bewiesen sie in Wiesen ihren Status als erstklassige Liveband – auch wenn die ständig präsenten Percussion- und Elektronikloops wenig Platz für Freiräume bieten. Kurze, diesem engen Korsett entrissene Momente gaben Shirley Manson die Gelegenheit, um – nebst nobler Worte zur Gleichwertigkeit aller Menschen – solo ein folkloristisches Lied anzustimmen. Die Heimkehrensfreude war ihr dabei in Gesicht und Stimme geschrieben, denn das Wiesener Konzert bildete den Abschluß einer ausgedehnten Tournee.
 
Mit dem wuchtigen Finalsong „Right Between The Eyes“ und Shirley´s Worten „I wish you a fucking good live, be a good person and find someone equally good“ entlassen uns Garbage in die von Starsailor kreierte sternenklare Nacht. 

Alle Fotos: (c) Stephan Brückler 

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AutorInnen

Marco Weise

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