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Flug 93 - Terroranschlag in Echtzeit im Kino

2007-04-02 00:13:35

Am 11.September 2001 wurden in Amerika vier Flugzeuge entführt. Zwei dieser Flugzeuge flogen in das World Trade Center und eines in das Pentagon. Das Schicksal des vierten entführten Flugzeuges wurde nun von britischen Regisseur Paul Greengrass verfilmt. Flug 93 ist ein außergewöhnlicher Tatsachenbericht über die Ereignisse des 11. September.

Mit Sicherheit kann man sich darüber streiten, ob es ethisch korrekt ist, die großen Tragödien der Menschheit zu verfilmen, für die internationale Filmindustrie ist dies jedenfalls ein sicherer Kassenerfolg. Immer wieder zogen Filme wie Schindlers Liste, der Soldat James Rayen, München oder Tsunami Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ins Kino. Die meisten dieser Verfilmungen bestachen mit außergewöhnlich Special Effects, die Handlung blieb dadurch, dass meist nur Einzelschicksale aufgegriffen und zu Liebesgeschichten degradiert wurden, eher seicht und berechnend, wie zum Beispiel bei Pearl Habor oder Titanic.
Nun, Anfang Juni, kommt eine weitere verfilmte Tragödie der Menschheit in die österreichischen Kinos: Flug 93, die lang angekündigte Verfilmung der Terroranschläge von 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon.


Fakten statt Spekulation


Autor, Regisseur und Produzent Paul Greengrass ( Bloody Sunday, The Bourne Supremacy) versucht, in Echtzeit, die Ereignisse des 11. September 2001 objektiv zu rekonstruieren ohne sich dabei in Details oder Spekulationen zu verlieren. Geschildert werden lediglich die belegten Tatsachen: Die Abläufe in der Civil Air Traffic Control (CATC) und der Military Command Center sowie die Geschehnisse des Fluges United 93 von Newark International Airport, in Newark, New Jersey nach San Francisco International Airport – das einzige entführte Flugzeug, das sein Ziel an diesem Tag nicht erreichte.
Der Regisseur verzichtete auf altbekannte Darsteller und Special Effects à la Hollywood und konzentrierte sich darauf, Fakten wieder zu geben: Gezeigt wird, wie spät die CATC von den entführten Flugzeugen erfuhr, nämlich kurz bevor sie vom Radar verschwanden. Das Ausmaß der Tragödie erfahren sie erst über CNN, wobei Greengrass auf die uns allen bekannten CNN-Bilder zurückgreift. Auch die Entführung des Fluges United 93 bleibt bis zu seinem Absturz unbekannt.


Grausamer als jeder Horrorfilm


Die Rekonstruktion der Ereignisse beruht einerseits auf Notfallprotokollen der Luftüberwachung, den Flugschreiber der Boing 757-222 sowie den Telefongesprächen der Passagiere. Vom Check-In am Flughafen Newark International über den routinemäßigen Ablauf an Board bis hin zur zögerlichen Übernahme durch die Terroristen werden die Ereignisse auf diesem Flug geschildert. Zum Absturz des Fluges kommt es, als die Passagiere versuchen, den vermeidlichen Wahnsinn der Attentäter zu verhindern, obgleich sie ahnen, dass sie dabei sterben werden. Die ausbrechende Verzweiflung an Bord und die Telefonante der Passagiere lassen den Film, vor seinem wahren Hintergrund, schrecklicher erscheinen als so manchen Horrorfilm.

Eine Trendwende?


Durch die nüchterne objektive Darstellung der Ereignisse bekommt der Film einen dokumentarischen Charakter und versetzt den Zuseher fünf Jahre zurück. Durch die gezeigte Hilflosigkeit und Fassungslosigkeit der Mitarbeiter der CATC wird jedem klar, wie sehr dieser Anschlag die Amerikaner in ihr Herz getroffen hat. Überraschend ist lediglich, dass Regisseur Greengrass eventuellen Spekulationen keinen Platz einräumt und auch zum amerikanischen Heldentum und Patriotismus Abstand nimmt und somit die Verletzlichkeit einer arrogant gewordenen Weltmacht zeigt. Greengrass zeigte hervorragend dass die eigentlichen Opfer derartiger Terroranschläge immer Zivilisten sind, die Familie und Freunde hinterlassen.
Flug 93 ist mit Sicherheit ein außergewöhnlicher Tatsachenbericht der Ereignisse vom 11. September 2001, der nicht durch aufwendige Special Effects sondern alleine durch ausgezeichnete Recherche, schauspielerische Leistung und eine hervorragende Regie besticht.

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