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musik

Florian Horwath - We Are All Gold

2007-04-02 00:11:59

Florian Horwath pfeift auf jegliche Konventionen, Moden und Hypes und produziert im Jahr 2005 ein waschechtes 70er-Jahre Popalbum.

Florian Horwath – We Are All Gold
 
„Florian Horwath ist ein fast unbeschriebenes Blatt, das aus der österreichischen Provinz über Wien nach Berlin aufgebrochen ist, um die Vergangenheit und Unbedeutsamkeit hinter sich zu lassen“, steht in der Presseinfo. Nun, so ganz unbeschrieben ist das Horwath´sche Blatt gar nicht, war bzw. ist er doch Teil des Elektropop-Duos Grom und hat sich darüber hinaus als (FM4)-DJ Tschamba Fii etabliert. Mit seinem Soloprojekt schlägt Horwath nun einen komplett anderen Weg ein, weit abseits von DJ-Culture und Elektronik. Florian Horwath pfeift auf jegliche Konventionen, Moden und Hypes und produziert im Jahr 2005 ein waschechtes 70er-Jahre Popalbum.
 
Retro, Flower-Power, Lagerfeuerromantik, das Musical Hair und ähnliche Begriffe tauchen auf, wenn man „We Are All Gold“ lauscht. Musikalisch orientiert sich Horwath großteils an Singer/Songwriter-Klassikern wie Cat Stevens oder Neil Young und erinnert nur ansatzweise an aktuellere Acts wie Belle & Sebastian und Flaming Lips.
Auch sound- und produktionstechnisch klingt „We Are All Gold“ wie ein Überbleibsel aus den 70ern, wie ein vor mehr als 30 Jahren schock gefrorenes Musikstück, das nun wieder in Erscheinung tritt. Um das zu erreichen, hat sich Horwath mit Freunden und Mitmusikern in Schweden, zum Teil in Scheunen, zurückgezogen, um dort möglichst analoge Aufnahmen zu generieren, „hin zum möglichen freien Popsong – so als gäbe es kein Radio und keine diesbezüglichen Vorgaben in Sound und Struktur“ (Presseinfo).
 
„I was so afraid of life, I wanted to cut it off with a knife“, singt Horwath im für das Album eher untypischen Song „Codeine“, wobei er die anfänglich depressive Stimmung mit der kontrastierenden Textzeile „We all sing along, we all carry on“ wieder ins Hoffnungsvolle kehrt. Mit Song Nummer Zwei „Golden Teeth“ landet Horwath seinen größten Treffer. Hier treffen Blues-Gitarren auf gospelartige Chöre und äußerst charmanten Text.
 
„You start to be old when your teeth turn golden,
You start to be old when your colors fade,
You start to be old when you take walks in the sunshine
You start to be old when you concentrate”
(Golden Teeth)    
 
„Not Half Awake“ kommt ganz ohne Instrumente aus und offenbart sich als reine Gospelgesangsnummer, die lediglich durch Fingerschnippen und Handclaps untermauert wird. Der eingängige Song „When The Light Came Around“ kommt wiederum mit Orgel und Klavier daher und klingt beschwingt im Walzertakt aus.
Das bisher gehörte klingt sehr intim und verträumt und zeigt im Wesentlichen bereits das Schaffensspektrum des Herrn Horwath. Abgesehen von einem letzten Highlight, der schönen Pianoballade „Inner Boy Love Song II”, beginnt das Album ab dieser Stelle leider abzuflachen.
 
Dass Florian Horwath nicht der begnadetste Sänger unter der Sonne ist, konnte man ihm bisher verzeihen und ist vermutlich auch Teil des Konzepts. Horwath verfügt zwar über eine sanfte und angenehme Stimme, trifft aber nicht selten mal einen Ton daneben. Dieses (vermutliche) Eingestehen und Nichtkorrigieren von Fehlern verleiht dem Album durchaus Charme und Sympathie.
Allerdings wird bei einigen Nummern doch die Schmerzgrenze überschritten, wenn der missgestimmte Gesang über den Charme siegt („I Feel You So“, „This Is All I Need To Know“). Darüber hinaus sind es auch die Songs, die nicht durchgängig überzeugen, wie etwa das einschläfernd dahin kriechende „Johnny“.
 
Horwath wirkt im Zeitalter von Castingbands fast wie ein Alien, und ich bewundere seinen Mut, sich inmitten hochglanzpolierter Popproduktionen um keinerlei Konventionen zu scheren. „We Are All Gold“ ist das perfekte Album für Alt- und Neohippies, wenngleich es mich nicht wundern würde, wenn es sich auch der toughe Businessman nach Büroschluss reinzieht, da er sich insgeheim nach dieser unverblümten Natürlichkeit und Ursprünglichkeit sehnt.

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