Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Flaschenpost - dünne Kondome

2008-04-29 08:26:25

Das HI-Virus in Südafrika. In keinem anderen Land liegen Fortschritt und Fehlplanung so nah beieinander. Wie ist die aktuelle Situation und welche Unterschiede gibt es bei der Verhütung?

Wenn in den Medien berichtet wird, dass Südafrika die höchste Aidsrate hat, ist das falsch! Gemeint ist immer das Südliche Afrika mit Swasiland, Botswana, Lesotho und Simbabwe. Südafrika kommt erst an fünfter Stelle bei den HIV-Infektionen im Verhältnis zur gesamten Bevölkerung.

Dennoch geht es in diesem Artikel nur um Südafrika als Staat. Denn die Zahl der Infizierten (und der Todesopfer) ist höher als in allen vier Nachbar-Staaten zusammen. Zudem ist Südafrika das fortschrittlichste Land des gesamten Kontinents, mit dem größten Wirtschaftswachstum und einer funktionierenden medizinischen Infrastruktur.

Das Hauptproblem liegt, oder besser gesagt, lag in der Aufklärung. In Europa wurde nach der Entdeckung des Virus (in den 80er Jahren) sofort auf die Gefahren und den Schutz hingewiesen. Während es in Südafrika fast 20 Jahre länger dauerte. Aktuelle Statistiken belegen, dass die Zahl der neu infizierten jungen Frauen sinkt. In den letzten zehn Jahren von 21% auf fast 15%. Ein Schwerpunkt bei der Aufklärung ist das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern: Nach wie vor werden viele Frauen zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Ein weiters Problem sind die hohen Kosten für Medikamente. In Europa kann man dank der medizinischen Versorgung, trotz HIV im Blut, ein relativ hohes Lebensalter erwarten. In Afrika kommt die Infektion einem Todesurteil gleich. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist kaum vorhanden, Betroffene werden sehr schnell ausgeschlossen. Dadurch sinkt wiederum das Interesse sich überhaupt testen zu lassen.

Aufklärung bringt wenig, wenn es nicht auch die Möglichkeit der Verhütung gibt. Es gibt Kondome. Sogar nach europäischen Standards von Marken wie durex. Doch leider auch zu europäischen Preisen. Eine Packung mit 12 Stück kostet umgerechnet etwa 7. Was hier viel Geld ist und für die meisten Menschen bedeutet es Nahrung für drei Tage.

Zum Glück gibt es staatliche Kondome, kostenlos und an vielen öffentlichen Toiletten zum mitnehmen. Eine vorbildliche Lösung, auch für Europa, gäbe es nicht gewisse Probleme: Letztes Jahr mussten 20 Millionen dieser Kondome wieder zurückgenommen werden. Bei der Herstellung wurden Qualitätsprüfungen umgangen - tausende Kondome waren zu dünn.

Der Kampf gegen Aids in Südafrika zeigt Wirkung, doch von europäischen Standards ist das Land noch weit entfernt. Verantwortlich dafür ist die Regierung. Damals in der Apartheid, wie heute in der Demokratie. Laut Regierung ist die häufigste Todesursache, und somit das eigentliche Problem, Tuberkulose. Dass diese Erkrankung fast immer folge der HIV-Infektion ist, spielt kaum eine Rolle.

Links


Printer Icon Creative Commons by-nc-nd - Some rights reserved



AutorInnen

Christian Nekowitsch

Christian Nekowitsch

"Wenn es möglich ist, ein Wort zu streichen - streiche es." George Orwell

Newsfeed Icon Newsfeed von Christian Nekowitsch abonnieren



Effi | 05.04. | Chaya Fuera

Shout out louds | 23.03. | WUK


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop