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Flaschenpost - brutal

2008-05-19 23:15:23

Südafrika nennt sich selbst die Regenbogen-Nation, wegen der vielen Hautfarben und Kulturen im Land. Bilder der Gewalt prägen seit Wochen die Nachrichten, Gewalt gegen Ausländer.

Ich schaue kaum Nachrichten im Fernsehen. Es ist für mich eine Art der Unterhaltung, die ich nicht schätze. Mich interessieren Dinge und Geschehnisse in meiner unmittelbaren Umgebung, auf dich ich Einfluss habe. Der Konsum von CNN oder BBC zählen für mich nicht zur Allgemeinbildung - ich weiß trotzdem was Hamas bedeutet und wofür die Tibeter kämpfen.

Eigentlich sollte es in diesem Artikel um Geld gehen, der Text war schon fertig. Doch nun sind es die Bilder der Nachrichtensender die mich beschäftigen. Bilder, die in Europa so fern erscheinen, wie die aus dem Irak, oder irgendeiner anderen Krisenregion der Welt. Diese Bilder stammen aus dem Land in dem ich lebe: Südafrika.

Ich hörte von den Gewalttaten schon vor Wochen, als alles anfing. Doch es spiele in einem anderen Teil des Landes. Ein Teil den ich nicht kenne und der so weit entfernt ist wie Istanbul von Wien. Wer täglich Nachrichten sieht, wird in solche Krisen vorsichtig eingeführt: Es gibt kleinere Randale, dann Ausschreitungen, es folgt der erste Tote, dann werden es mehr und immer so weiter.

Die Realität sieht anders aus. Für mich begann es vor nur 24 Stunden: Es waren Arbeitskollegen die in der näheren Umgebung eines Townships wohnen, einem Armutsviertel nahe Kapstadt. Sie hörten Schüsse und Sirenen von Einsatzkräften. Im laufe des Tages sagten Freunde ein geplantes Abendessen ab. Sie müssen die Familie ihrer Putzfrau evakuieren. Diese verbrachte die letzte Nacht aus Angst in einer Kirche. Wenige Stunden danach kam eine E-Mail: Es wird um Spenden gebeten, Geld, Essen, Decken, Kleidung, Helfer. Es wird protestiert, um 17 Uhr vor dem Parlament.

Die Regierung wird zur Verantwortung gezogen, langfristige Fehler gemacht zu haben. Zum einen, weil noch immer nicht anerkannt wird, dass das Nachbarland Zimbabwe eine Krisenregion ist. Dadurch gibt es offiziell keine Flüchtlinge und keine Notwendigkeit von Regierungsseite zu intervenieren. Wo keine Krise, da kein Problem und keine Hilfe. Jetzt ist die Krise im eigenen Land.

Die Gewalt richtet sich nur gegen afrikanische Ausländer in Südafrika. Es sind die Armen, welche von den Armen gejagt werden. Der Aufstand kommt aus einer Schicht im Volk, die den Sturz der Apartheid schaffte. Menschen die in den 90er Jahren Hoffnung hatten, auf ein angemessenes Leben mit medizinischer Versorgung, Kanalisation und fliesendem Wasser im eigenen Haus. Kein Reichtum, aber Wohlstand durch Gerechtigkeit waren die Zukunftsaussichten. Jetzt, fast 20 Jahre später, ist diese Zukunft noch immer nicht Realität. Gerechtigkeit existiert am Papier, das sich viele nicht leisten können.

Es ist eine Wut die sich hier entlädt, gegen die Regierung, Ausländer, Flüchtlinge. Die Regierung muss und wird gegen den Aufstand vorgehen, mit Panzern, die zuletzt zur Apartheid durch die Townships rollten. Damals wie heute wird man dadurch die Kontrolle gewinnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, für wie lange, damals wie heute.

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AutorInnen

Christian Nekowitsch

Christian Nekowitsch

"Wenn es möglich ist, ein Wort zu streichen - streiche es." George Orwell

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