2007-04-02 00:11:22
Zwei Jahre nachdem die amerikanische Songwriterin Fiona Apple ihr drittes Album „Extraordinary Machine“ fertig gestellt hatte, wurde dies nun endlich auch veröffentlicht.
"Diese Welt ist ein Stück Scheiße!". Dieses Zitat stammt nicht aus dem Mund eines ewigen Miesepeters oder verärgerten Revoluzzers. Genau genommen wäre die Liste der Leute, die zu solchen Aussagen fähig sind, unendlich lang. Gesagt hat das im konkreten Fall aber die dazumal 20jährige Fiona Apple, als ihr bewusst wurde, dass nicht ihre Musik, sondern ihre im Video enthaltenen, halbnackten Posen in der Badewanne beim MTV Musik Award ausgezeichnet wurden. Diesen Ausdruck der Enttäuschung verlautbarte sie vor den dort versammelten Plattenbossen. Nach diesem Statement rutschte einigen aus Schock das Herz in die Hose, während die anderen ein zufriedenes Gesicht aufsetzten und sich dachten: Na bitte, endlich wieder einmal ein aufmüpfiges Mädchen, das sich nicht so einfach den Mund verbieten lässt.
Fiona Apple vs. Plattenfirma
Mit ihrem Debüt „Tidal“, welches bislang weltweit über drei Millionen Abnehmer gefunden hat, gelang Fiona der weltweite Durchbruch. Danach musste sie feststellen, dass Musiker bei der Vermarktung ihrer Musik wenig bis gar nichts mitzureden haben: Bei ihrem zweiten Album kämpfte sie mit der Plattenfirma um die Betitelung. Geeinigt hat man sich schlussendlich auf den Namen „When The Pawn…“. Daraufhin zog sich Fiona zurück, schrieb weitere Songs und hatte bereits 2003 ihr drittes Album „Extraordinary Machine“ fertig gestellt. Veröffentlicht wurde es aber nicht.
Der Grund dafür war, dass sich die Plattenfirma von Fiona – mit der Begründung die Songs wären zu unkommerziell – weigerte, das Album herauszugeben. Ein harter Brocken, den sie und ihre Fans nicht so einfach verdauen konnten/wollten. Folglich wurden im Internet die neuen Songs von „Extraordinary Machine“ zum Download angeboten. Fionas Fans nutzten natürlich diese Möglichkeit, um an ihre neuen Lieder zu gelangen. Dass diese Aktion aber nicht mit Sony abgesprochen und somit rechtlich nicht legitim war, liegt auf der Hand und löste bei beiden Seiten eine gewisse Einsicht aus. Zu guter Letzt entschloss sich Sony rund zwei Jahre nach der Fertigstellung dann doch, „Extraordinary Machine“ zu veröffentlichen. Blöd wären sie gewesen, hätten sie es nicht getan

Fiona Apple: Das Schneewittchen und der vergiftete Apfel im Jahr 2005.
Hass, Wut und Liebe
"Extraordinary Machine“ ist voll gepumpt mit Emotionen, die Fiona am besten auf dem Piano abarbeitet. Wenn sie mit minimalistischem Geklimper und einer, in der Melodieführung einmaligen Stimme ihr bisheriges Leben Revue passieren lässt. Dabei wird der Wut und dem Hass freien Lauf gewährt. Beeindruckend gelingt ihr das bei dem Song „Parting Gift“, wenn sie vor dem Refrain die Piano-Tasten streichelt, in sich geht, tief Luft holt und „Oh you silly, stupid pasttime of mine / You were always good for a rhyme…“ in die Welt hinausposaunt.
Gerade deshalb weil der aktuelle Longplayer nicht durch den Druck der Plattenfirma verkommerzialisiert wurde, besticht es durch seine Freiheit, welche der Songwriterin den nötigen Spielraum gewährt, um ihr enormes Potential ausschöpfen zu können.
Das Album setzt sich aus 12 Songs zusammen, die allesamt Geschichten erzählen, in denen es um Liebe und die damit verbundene Gefahr des Scheiterns geht – Liebeslieder mit Mehrwert sozusagen. Mit „Extraordinary Machine“ gelingt der nun 28jährigen Amerikanerin ein durch und durch gelungenes Meisterwerk, von dem Alanis Morissette noch immer träumt.
"Extraordinary Machine" ist bereits bei Sony/BMG erschienen.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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