2009-07-25 15:18:39
Mit Hangover darf man endlich wieder bei einem Comedy-Film lachen. Todd Phillips inszeniert einen humorvollen Filmriss und die Suche nach der Erinnerung an die vergangene Nacht.
Noch zwei Tage bis zur Hochzeit! Alle Einladungen sind verschickt, der Sitzplan steht, die Ringe vom Juwelier geholt. Höchste Zeit für die Braut nervös zu werden und höchste Zeit für den Bräutigam, seinen Abschied vom Junggesellen-Dasein mit gebührendem Exzess zu begießen. Natürlich in Vegas.
Simply: Vegas!
Selten glänzten die Fassaden des Ceasars Palace, des Bellagios und der Nobellimousinen edler als in diesem Film. Wenn die vier Kompagnons staunend in Las Vegas einfahren, erfasst einen das Gefühl, als würde man seine Helden in den Sonnenuntergang reiten sehen, auf der Suche nach neuen Abenteuern. Welche sie auch finden, ohne sich dummerweise am nächsten Morgen daran zu erinnern. Im Bad wartet ein Tiger, im Schrank ein Baby, vor dem Casino ein gestohlener Streifenwagen, anstatt des geborgten Mercedes und der Bräutigam ist unauffindbar. Eine konfuse Jagd nach der gemeinsamen Erinnerung beginnt.
Hangover von Todd Phillips (Old School, Starsky & Hutch) bedient dabei alle erdenklichen Klischees: Schwiegerpapas alter Mercedes, der nur unter dem Schwur auf unbeschadete Rückgabe abgegeben wird. Ebenso werden die obligatorische Las Vegas-Hochzeit und diverse Irrungen und Wirrungen zelebriert. Alles unter dem Leitsatz der Trinker und Spieler: „What happens in Vegas, stays in Vegas“. Jedem abgehalftertem Klischee wird aber ein so trotziger i-Punkt aufgesetzt, dass man den Autoren unter Lachkrämpfen verzeihen kann.
Ein Seiterl und Medium Popcorn, bitte!
Zuviel Tiefgang sollte man nicht erwarten. Eher könnte Hangover als Grund für das Bierangebot an der Popcornkassa gelten. Wenn man im abgedunkelten Kinosaal sitzt, kann man sich Jon Lucas und Scott Moore, die beiden Drehbuchautoren, gut vorstellen: Nachts, bei spärlichem Licht mit eine Sixpack vor dem Mac, lauthals lachend. Der Film spielt schlicht in einer Welt, in der Frauen entweder Models, Mütter oder Furien sind und vier Männer Spaß haben.
Die Figuren sind nach den vier unterschiedlichsten Typen von Männern modelliert, zu denen einen das Leben machen kann. Phil, der frustrierte Volksschullehrer, der überglücklich ist, aus seinem Trott fliehen zu dürfen. Stu: Zahnarzt, und von seiner Frau zum Spießer erzogen. Der bärtige Alan ist ein skurriles Kind, gefangen im Körper eines Mittdreißigers. Zu guter Letzt Doug, der verloren gegangene, liebevolle Bräutigam.
So findet man schnell eine Figur, mit der man sich identifizieren kann.
Epochaler Filmriss
Die Gags wirken zur Mitte des Films etwas aufgefädelt. Trotzdem verlieren sie dank guter Ideen und der Pointen-Dichte nicht an Atmosphäre. Las Vegas spiegelt perfekt den Zustand der Protagonisten wieder: Nachts die neonfarbene Sonne mitten in der Wüste Nevadas, tagsüber eine Stadt mit Migräne und dem Flair einer öffentlichen Toilette. Wunderbar mitanzusehen.
Durch und durch ist Hangover eine typisch amerikanische Komödie. Wen aber das glorifizierte Trinkertum, ein Quäntchen Sexismus und nackte Männerärsche nicht abschrecken, darf sich auf viele herzhafte Lacher freuen.
chronisch unentschlossen und der Uhrzeit nachlaufend
filmverliebt
studiert Deutsch-Geschichte-Lehramt
aber eigentlich wäre alles andere ja auch so interessant
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