2007-04-02 00:10:19
864.000 Tonnen Müll werden jährlich in den Werken Spittelau, Simmeringe Haide und Flötzersteig in Wärme umgewandelt und sorgen auch dafür, dass nicht nur in den Wintermonaten die Temperaturen vieler Wiener Wohnungen wohlig warm bleiben. Doch was haben Müll, Wärme und Kultur gemeinsam? Mehr als man erwarten dürfte, wie wir aus dem Gespräch mit Johannes Angerer, von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, der Fernwärme Wien erfahren haben. Im Folgenden eine Reportage aus den im Gespräch gewonnen Informationen.
Wie die Fernwärme zur Kultur kam
Im Prinzip hat alles mit einem Großbrand der Spittelau 1987 begonnen und so könnte man letztlich sagen, es war ein Unfall, der den Stein ins rollen gebracht hat: Im Zuge des Neubaus wurden nicht nur für damalige Verhältnisse hochwertige Filteranlagen eingebaut, auch das seelische Wohlbefinden und die Kultur kamen nicht zu kurz. Aus der Müllverbrennungsanlage sollte ein Kunstwerk entstehen – und Friedensreich Hundertwasser hat man dabei um Hilfe gebeten. Hundertwasser soll dies anfangs abgelehnt haben und so mussten Zilk und Co viel Überzeugungsarbeit und Aufklärungsarbeit leisten, worüber sich noch heute manche Anekdote rankt. Bekanntlich brachte Hundertwasser große und kleine goldene Kugel an, bemalte die Außenwände in der ihm eigenen Art und legte Dachgärten an. Das 1992 fertig gestellte Kunstobjekt gleicht einem Fantasieschloss aus einem orientalischen Märchen. Was zunächst als „Behübschung“ abgetan wurde, wird heute allgemein als gelungenes Kunstwerk anerkannt, zumindest Scharen von Japan-Touristen knipsen jährlich mit ihren Fotoapparaten bewaffnet tausende Fotos von einer Müllverbrennungsanlage. Ob ihnen das bewusst ist, darf manchmal bezweifelt werden und das obwohl in Japan, genauer in Osaka, die Zwillingsschwester von dieser Anlage, ebenfalls von Hundertwasser verziert, in Betrieb ist. Seitens des Marketings und PR lag die symbiotische Darstellung von Technik und Kunst nahe und seither ist die Fernwärme Wien in diesem Bereich sehr aktiv.
Kultursponsoring muss auch einen Vorteil für das Unternehmen bringen. Dieser muss nicht monetär sein. Primär gibt es innerhalb der Fernwärme Wien im Prinzip zwei verschiedene Zielgruppen: Auf der einen Seite die so genannten Business Kunden auf der anderen die Privatkunden. Bei Großkunden kann Kultur dazu eingesetzt werden, um das richtige Ambiente für Konversation zu schaffen und vor allem um Entscheidungsträger die Entscheidung zu Veranstaltungen zu gehen erleichtern. Kultur genießen in einer netten Umgebung und dabei Gespräche führen: Kultur kann zur Anbahnung von Geschäften von Vorteil sein, gerade in informellen Situationen. Kontakte werden gepflegt und geknüpft.
Im Bereich der Privatkunden wird darauf geachtet, dass ein möglichst großer Nutzen der Unterstützung seitens Wien Energie auch an den Kunden weiter gegeben wird. Die Fernwärme Wien hat diesbezüglich eine einzigartige Kundenkarte entwickelt. Mit dieser Karte können Fernwärmekunden diverse Kulturprogramme bis zu 70 Prozent günstiger besucht werden. Das Unternehmen bringt auch ein eigenes Kulturmagazin namens „Stadtvorteile“ heraus, wo über eben diese Veranstaltungen informiert wird. Ob Stadtvorteile ein kreativer Name für ein Kulturmagazin ist, darüber kann diskutiert werden, zumindest kann man sich über das vielschichtige Spektrum der Angebote einen Überblick verschaffen. Vom Kabarett bis zur Lesung findet sich hier alles. Ein Manko allerdings ist, dass es verhältnismäßig wenig Angebote für „Junge“ gibt. Studenten beispielsweise die nach Wien zuziehen, Wiener werden, quasi eingebürgert werden, haben oftmals vermutlich gewisse Probleme ein entsprechendes Angebot zu finden. Doch daran wird gearbeitet, wie man aus dem Hause im Zuge des Interviews entnehmen konnte. "Ein Jugendangebot ist unser sehr wichtig - und wir haben hier auch in der Vergangenheit immer wieder Akzente gesetzt", so Angerer.
Die Fernwärme Wien engagiert sich seit Jahren im Bereich Kunst- und Kulturförderung und hilft dabei zum Wohle der Stadt Wien Projekte umzusetzen bzw. zu realisieren. Das geht eindrucksvoll aus der Arbeit der Fernwärme Wien hervor. Die Kooperation mit Wien Energie hat nicht nur dem Orpheum wichtige Impulse gegeben. „Doch manchmal ist es einfach hart. Wir fördern Kultur nicht nur deswegen, weil sie gut ist. Sie muss auch einen Mehrwert für unser Unternehmen und unsere Kunden haben. Natürlich ist dieses Spannungsverhältnis manchmal nicht einfach“, so Angerer.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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