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musik

Female Jazzpower und ein exklusives Trio

2007-04-02 00:12:02

Rebekka Bakken, Roisin Murphy und Trio Exklusiv beim "Pop-Freitag" des 29. Jazzfest in Wiesen

Jazz ist ja mittlerweile ein sehr dehnbarer Begriff geworden. Natürlich gibt es noch puren, „echten“ Jazz, "Dschaess", wie die Connaisseure zu sagen pflegen, doch hat in den letzten Jahren eine immer mehr ineinander greifende Verschmelzung von Elektronik, Pop und Jazz stattgefunden. So ist auch in der Programmbeschreibung des 29. Jazzfest Wiesen vom "Pop-Freitag" die Rede, dessen Abend - im Gegensatz zu den meist männlich dominierten Rockfestivals - von zwei kraftvollen weiblichen Performances geprägt war, ergänzt durch das Wiener Quartett Trio Exklusiv .
 
 
 Rebekka kriegt den Jazzpop geBakken             
 Foto: (c) Stephan Brückler
 
Das grölende Publikum der Vorwoche ist erwachsen und zu einem Sitzpublikum geworden. Erst sechs Tage vorher rockten hier u.a. die Schweden Mando Diao und The Hives. Ebenfalls aus Skandinavien, genauer gesagt aus Norwegen, stammt die mittlerweile in Wien lebende Sängerin Rebekka Bakken, deren Auftritt sich als Berg- und Talfahrt entpuppte. Die ersten paar Nummern waren sehr nach konventionellem Adult Contemporary-Muster gestrickt und schleppten sich etwas einschläfernd dahin. Gerade als man sich wieder in einer dieser einlullenden Stimmungen befand, drosch überraschend eine verzerrte E-Gitarre hervor. Die Stücke wurden mit einem Male experimenteller und mitreißender. „Some Norwegian Stuff", kündigte Frau Bakken an, und es folgte etwas, das wie eine Mischung aus keltischer Folklore und indianischen Gesängen klang. Ihre in ruhigen Passagen etwas an, ähm,  Celine Dion erinnernde Stimme erwachte plötzlich zu Leben, kletterte in ungeahnte Tiefen herab, um sich anschließend in Tori Amos´sche Höhen zu hieven. Dazu heulten Hammond-Orgel und E-Gitarre ihrer fleißigen Mitmusiker, die sich allesamt nach jedem gelungenen Solopart ein Küsschen ihrer hübschen Chefin erhaschten.
 
 
 Roisin Murphy  vor ihrer Transformation zum Fischwesen                                      
 Foto: (c) Stephan Brückler
 
Sie lockte wohl den Großteil des jüngeren Publikums herbei, das – zuvor noch im hinteren Wiesenbereich ausgebreitet – in Scharen in Richtung Bühne strömte. Roisin Murphy, deren Hauptprojekt Moloko (zwischenzeitlich) auf Eis gelegt ist, präsentierte Songhighlights aus ihrem Debütalbum „Ruby Blue“, ein Sammelsurium aus Pop, Elektronik, und Dance, garniert mit jazzigen Bläsersätzen. Eine furiose Mischung, die sie mit unbändiger Energie und ihrer 7-köpfigen Band, inklusive Bläsertruppe und Laptop-Controller, live bravurös umsetzte. Die rothaarige Irin ging ganz in ihrem Element als Sängerin, Tänzerin und Entertainerin auf, besonders als sie in der zweiten Spielhälfte ungeniert mit einem bauchbetonenden, spacigen Fischkostüm über die Bühne huschte. Eine wahrlich beeindruckende Power-Performance, die das Sitz- zum tanzenden Stehpublikum mutieren ließ und Begeisterungsstürme hervorrief. Oder, um es mit den Worten des angegrauten Herren neben mir zu sagen, der nach der Show zu seiner Begleitung meinte: „No die woar ned schlampert“.
 
Richard Klammer - Trompete exklusiv                                                                 
Foto: (c) Stephan Brückler
 
Das Wiener Trio Exklusiv hatte es nach dieser Powershow natürlich nicht leicht, konnten aber mit ihrem ganz eigenen Stil gut Schritt halten. Das Trio, das in Wirklichkeit ein Quartett ist, faszinierte mit seiner eigenwilligen Melange aus Wah-Wah-Funk, mariachi-style Jazz und Instrumentalnummern, die an 70er Jahre TV-Serien oder Filmthemes erinnerten. Zu alldem gesellte sich der primatenartige Tanz des Trompeters, der selbst Roisin Murphy neidisch werden ließ.

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