2007-04-02 00:15:35
Die Besucherströme des ImPulsFestivals, aber auch boomende TV-Sendungen wie „Dancing Stars“ oder „Let´s Dance!“ sind nur einige von vielen Beispielen die zeigen, dass Tanzen - ob aktiv oder passiv erlebt - ein hohes Faszinationspotential aufweist. Doch warum tanzen wir und was fasziniert uns am Tanz?
Am Puls der Zeit bewegt sich Wien auch dieses Jahr wieder mit dem internationalen Dance Festival ImPulsTanz. Neben 44 Tanzproduktionen von 41 Compagnien bietet das Tanzereignis 150 verschiedene Workshops, angefangen von Ballett und Modern Dance bis hin zu Wellness. Das Spektakel mit Tanzperformern aus aller Welt läuft noch bis 13. August.
Doch warum tanzen wir und was fasziniert uns am Tanz?
Tanzen allgemein ist ein Sammelbegriff für rhythmische Körperbewegungen, die meist durch Musik begleitet werden. Der Begriff Tanz wurde aus dem altfranzösischen „danse" entlehnt und dürfte germanischen Ursprungs sein. Vermutlich eine Ableitung von „zu tun" mit der eigentlichen Bedeutung „herumtun", „sich verrückt aufführen". Der Ausdruck „danse" könnte sich jedoch auch vom italienischen „danza" ableiten, welches wiederum vom althochdeutschen „danson" - „ziehen“, „dehnen“ - stammt und mit dem mittelhochdeutschen „dinsen" - „schleppen", „tragen“ - verwandt zu sein scheint. Obwohl der Ursprung des Begriffs nicht vollständig geklärt ist, ist die Tatsache, dass schon immer getanzt wurde, fast unumstritten. Bereits prähistorische Skulpturen und Felsmalereien zeigen Menschen in Bewegungen, die an Tanzen erinnern und beweisen, dass Tanz schon in frühesten Kulturen eine tragende Rolle gespielt hat. Waren es in frühen Zeiten jedoch vor allem religiöse und rituelle Motive, so wird heute und in unseren Breitengraden in erster Linie der Unterhaltung wegen getanzt.
Die Beweggründe zu tanzen sind vielfältig.
Ein Grund ist sicher jener, dass durch die Kombination aus Bewegung und Emotionen auslösender Musik die Ausschüttung von Endorphinen (körpereigene Glückshormone) angekurbelt wird. Das erlebte Hochgefühl kann soweit gehen, dass der/die Tanzende in eine Art Trance oder Ekstase gerät. Tanzen kann aber auch ein Ausdruck für Gefühle sein, denn schon kleine Kinder machen tanzartige Bewegungen, um Freude und Seligkeit zu zeigen. Liebespaare bekunden ihre Zuneigung durch eng umschlungenes Tanzen. Und Tanz ist sicherlich auch ein Balzritual, bei dem sich Menschen als bewegliche, einfühlsame und begabte Sexualpartner darstellen und die eigene körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vorführen können.
Einen anderen Grund nennt der Ethnologe Hermann Mückler der Universität Wien in einem Pressetext-Interview: „Tanz bringt die Menschen aus dem üblichen Tagesablauf heraus“ und verweist ebenfalls auf die Annäherung der Geschlechter.
Tanz wird aber auch als therapeutisches Mittel eingesetzt, wie etwa in der Tanztherapie. Hier wird die Aufmerksamkeit nicht auf das gesprochene Wort gerichtet, sondern orientiert sich an der Sprache des Körpers. Deshalb ist Tanztherapie auch besonders für Kinder und Menschen, die verbal schwer zugänglich sind, eine geeignete Behandlungsmethode.
Tanz hat sich mittlerweile unaufhörlich als eigene Kunstform etabliert und kennt dabei verschiedene Stile. Neben klassischem Ballett, Modern Dance, Jazz-Tanz und Gesellschaftstanz und dergleichen, gibt es auch ethnologische Tanzformen wie zum Beispiel Afro- und Bauchtanz, bei denen der emotionale Ausdruck und Lebensfreude im Vordergrund stehen.
Was macht nun den Tanz für so viele Menschen attraktiv und faszinierend?
Vermutlich ist es die erlebte Einheit zwischen Musik und Bewegung, zwischen Körper, Gefühlen und Geist, die durch das Tanzen erfahren wird oder durch das Betrachten von Tanzenden auf einer Bühne greifbar und faszinierend wird. Natürlich spielt dabei auch die ansteckende Begeisterung für den Tanz ebenso eine Rolle wie die treibende Kraft der rhythmischen Klänge sowie die Anmut und Übereinstimmung von Bewegung und Musik. Erst durch den Tanz wird die Tonkunst überhaupt sowohl visuell als auch am eigenen Körper erlebbar gemacht. Das Schöne am Tanz ist auch, dass er nicht nur einer trainierten Elite vorbehalten ist, sondern jeder kann tanzen - sich zur Musik frei bewegen!
Das Geheimnis der Faszination des Tanzes liegt bei jedem selbst, bei seinen Empfindungen und kann vermutlich nie vollständig gelüftet werden.
Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)
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