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Schwerpunkt: FM4 Frequency Festival 2012

FM4 Frequency Festival 2012

2012-08-19 23:29:53

  • Ed Festival frequency Fm4 2012 Sheeran
  • Festival Black frequency Keys Fm4 2012
  • The Festival frequency Fm4 2012 Cribs
  • Festival high frequency Fm4 birds Flying 2012
  • Festival frequency Fm4 2012
  • The Festival frequency Fm4 Subways 2012
  • beatsteaks Festival frequency Fm4 2012
  • Festival frequency Fm4 2012 Dispatch
  • Festival frequency Fm4 2012 Frittenbude
  • Festival blood frequency shoes Fm4 Red 2012
  • hot Festival frequency Fm4 Chip 2012
  • Festival frequency Fm4 2012 Milow
  • Festival frequency Fm4 2012 Sportis
  • Festival frequency Dandy Fm4 2012 Warholes
  • The Festival frequency Fm4 XX 2012
  • The frequency cure 2012

Eine kleine Sensation ereignete sich am heurigen Frequency: Das Wetter hielt ganze vier Tage. Dass die meisten Bands sensationell waren, ist eigentlich nichts Besonderes - was anderes hätten wir von diesem Festival ja auch nicht erwartet.

Alles begann an einem drückend heißen Tag. Der Andrang auf die Tickets und Bänder war enorm, doch die langen Wartezeiten vor den Kassen haben sich rückblickend mehr als nur ausgezahlt. Das diesjährige FM4 Frequency Festival lockte wie so oft mit einem Überangebot an herausragenden Bands, aufgeteilt auf vier Tage, an denen nicht ein Regentropfen fiel. Eigentlich eine kleine Sensation, die Sache mit dem Wetter.

Koffer voller Gitarren und schränkeweise Anzüge

Der deutsche Überflieger Cro hatte bereits im Vorfeld des Frequency Festivals das Vergnügen in Österreich eine Warm-Up Tour zu bestreiten. Sein Finale fand er als Opener am ersten Festivaltag, wo die Fans aus allen Teilen des Landes ihm ein weiteres Mal bestätigten, wieso der deutsche Rapper mit der Pandamaske einer der begehrtesten jungen Großmäuler im deutschsprachigen Raum ist.
Ed Sheeran unterzog im Anschluss die Anlage einem ersten Härtetest. Beim ersten Anblick seiner Gitarre konnte man sich ein Bild davon machen, wie sorgsam er mit seinem Equipment umgeht, doch so lange es seinen Dienst erweist, wird Ed Sheeran auch weiterhin mit seiner Musik ins Herz seines Publikums treffen.
Einen ganzen Schrank voller Gitarren muss dagegen Dan Auerbach von The Black Keys auf seiner Tour mit haben, die er sich nach und nach von seinen in Anzügen gekleideten Rowdies aushändigen ließ. The Black Keys spielten im Großen und Ganzen ein phänomenales Set, das keine Wünsche offen ließ. Blusige Rhythmen in der untergehenden Sonne bildeten somit das erste Highlight am frühen Abend.
Aber eines galt es noch zu auszukosten: The Killers. Ein Stück Las Vegas Showflair trug die Band rund um Brandon Flowers auf die Bühne nach St. Pölten. Beeindruckende Lichteffekte paarten sich mit den Ohrwurmsongs der vier US-Amerikaner; dass dabei mehr oder weniger auf die Kommunikation mit dem Publikum verzichtet wurde, ist verzeihbar. Dafür ließ die Band lieber ihre Musik für sie sprechen.

Viel Spiel, Spaß und "Große Scheisse"

Mit dem zweiten Festivaltag erweiterte sich das Venue um eine zweite große (Green Stage) und eine kleine Bühne (UK Weekender Stage), was zwar dem Veranstalter erlaubte noch mehr Bands zur gleichen Zeit spielen zu lassen, alle genreübergreifenden Musikliebhaber jedoch in eine missliche Lage brachte. Was sehe ich mir wann und wo an? Letztendlich endet es wie so oft: Man bleibt an einer Bühne viel zu lange (ungewollt) hängen und verpasst so manche Acts auf den anderen Stages. Nicht aus Faulheit oder Trunkenheit (bis auf manche Ausnahmen), sondern weil man sich von der Show einfach fesseln lässt. Ein Beispiel: Eigentlich galt das eigene Interesse nicht sonderlich Jan Delay, aber hat man erst einmal begonnen seine Hüften zum Sound zu schwingen, gab es kein Halten mehr. Die Stimmung auf und vor der Bühne war gleichermaßen so ausgelassen und energetisch, dass man gerne Kettcar einen Laufzettel verpasste.
Die absoluten Pflichtpunkte durften dagegen nicht gänzlich vernachlässigt werden. Bei Miike Snow war der Andrang so groß, dass leider nicht alle in den Genuss dieser phänomenalen Show kommen konnten. Dem Publikum wurde in der relativ kleinen Halle mit Synthie-Sounds, wummernden Beats und Lichteffekten eingeheizt. Stillstehen war wieder einmal ausgeschlossen.
Und dann stand wie so oft bei diesem Festival eine Zweiteilung auf dem Plan. Noel Gallagher und seine High Flying Birds waren ein Genuss für jeden Oasis Fan, fesselten jedoch nicht in dem Maße wie erwartet und daher war der Gang zu Lykke Li ein leichter. Die Schwedin bezauberte mit einer Mischung aus langsamen, melancholischen Melodien und beschwingten Songs, und Altbewährtes wie "Little Bit" oder "I’m Good, I’m Gone" riss das pärchenreiche Publikum wieder aus seinem leicht dösenden Zustand.
Spätestens beim Gedanken an seine Jugendhelden Placebo mobilisierten sich die Kräfte wie von selbst. Lange ist es her, dass Brian Molko und Band das letzte Mal das Frequency Festival beehrt haben. Dass die Brit-Rocker von Placebo fast zwei Stunden lang ihr Publikum mit einer Bombast-Show in Extase versetzten, hätte man gerne selbst so formuliert. Überlässt es dann aber lieber anderen, denn so weit kam es im Endeffekt nicht. Ein Song – Unterbrechung – ein Statement zum Abbruch der Show – ein weiteres Statement auf Deutsch: „Es ist große Scheisse“. Somit war alles gesagt und der Rest Geschichte, die bereits alle kennen.

Wenn Rocker weich werden

Der Freitag gestaltete sich als Liebhabertag für alle Freunde der härteren Töne. Aber auch die Hartgesottenen lassen sich hin und wieder ihr Herz schmelzen. Die Rede ist von Dry the River – fünf Briten mit hardrockgmäßigem Äußeren und einer hohen Sensibilität für ergreifend schöne Melodien, die es zustande brachten die Augen von so manchen Rockern anzufeuchten. Ein ähnliches Bild zeigte sich fast zeitgleich bei der noch eher unbekannten Band Ewert And The Two Dragons auf der UK Weekender Stage. Dabei hatte der Tag mit We Were Promised Jetpacks und anschließend Casper so laut und fetzig begonnen.
Körperflüssigkeit floss auch bei The Subways, jedoch kam diese vermehrt aus allen Poren. Dieses Bild änderte sich bis zum letzten Act auf der Space Stage nicht: Von The Hives, bis über Bush, den Beatsteaks und Korn – schweißtreibende Rhythmen und teils ohrenbetäubenden Lärm gab es zu Hauf. Während die Beatsteaks für eine tolle Unterhaltungsshow sorgten und den fast restlos ausgefüllten Platz vor der Bühne zum Mitmachen animieren konnten, blieben die meisten Zuseher beim anschließenden Hardrock Headliner wie versteinert stehen. Dieses Bild ließe sich am besten mit den Worten "fassungslose Anteilnahme" beschreiben.
Wer sich nach Abwechslung sehnte, konnte diese auf der gegenüber liegenden Green Stage erst am späten Abend bei Patrice und phasenweise bei Mia. finden. Denn davor gab es von Bands wie Frittenbude oder Enter Shikari kein Erbarmen für Bewegungsmuffel.

Überlänge macht ultra müde

Man konnte es vielen Festivalbesuchern bereits ansehen, dass der bis dahin dreitägige Konzertmarathon vielen tief in den Knochen lag. Hinzu kamen die nächtlichen Ausflüge in den Nightpark, der in den frühen Morgenstunden eher einem zweiten Schlaflager ähnelte.
Zeit und Grund zum Ausruhen gab es aber nicht. The Jezabels entpuppten sich als waschechte Rampensäue, so ganz auf das Publikum überspringen wollte der Funke aber dann doch nicht. Erst mit den Blood Red Shoes stiegen wieder Staubwolken in die Luft, ganz klar, dass bei Nummern wie "It’s Getting Boring At The Sea" oder "Light It Up" gesprungen und wild die Mähne geschüttelt wurde. Mit dem beschwingten Elektrosound von Hot Chip verebbte der aufgewirbelte Staub wieder, was man nicht im Geringsten als schade bezeichnen kann, denn was darauf folgte, war ein Kraftakt sondergleichen.
Warum eine Band wie Bloc Party vor den Sportfreunden Stiller auftritt und von deren internationalen Bekanntheit her betrachtet nicht umgekehrt, begreift man erst im Nachhinein. Die Sportis haben einfach einen Stein im österreichischen Brett liegen. Noch während des äußerst sympathischen und mitreißenden Konzerts von Bloc Party kam der Gedanke auf, dass im Anschluss nichts Besseres kommen konnte. Und so war es auch. Es kamen nur noch mehr Leute. Warum ausgerechnet den Sportfreunden dieses Privileg zuteil wurde, bleibt unkommentiert.

Nichtsdestotrotz konnte man sich zur Green Stage flüchten, wo Österreichs musikalisches Aushängeschild Parov Stelar die Gemüter wieder erhellte, die gleich daraufhin wieder in Melancholie versunken. The XX schufen mit ihrem elektronischen Soundgewitter und den Nebelschwaden auf der Bühne eine ganz eigene Sphäre, in die man hinein rutschte und tief darin versank, oder auch nicht. Im zweiten Fall muss der Besuch dieses Konzerts wahrscheinlich äußerst langweilig verlaufen sein. Zum Glück konnte Maximo Park das verbliebene Publikum aus seinem Wachkoma reißen und scheinbar auch vor der Bühne halten, denn von massenhaften Zusehern beim finalen Headliner The Cure kann nicht die Rede sein.
Für die meisten Liebhaber dieser Band, die zum Großteil eher „schon älter“ sind, störte das nicht im Geringsten. Immerhin gab es dadurch mehr Platz zum hinsetzen. Während Robert Smith selbst nach einem zweieinhalbstündigen Set kaum Anzeichen von Müdigkeit zeigte, gingen viele Zuseher bereits nach der ersten Hälfte in die Knie. Viele bekannte Hits zu Beginn wie "Love Song", "Pictures of You" oder "Lullaby" ließen die Aufmerksamkeit auf die Band gerichtet, doch mit der Zeit wurde es immer eintöniger. Die Folge war eintretende Müdigkeit. Ein letztes Aufbäumen kam noch bei der Zugabe auf ("Close to Me" und ganz wie zu erwarten "Boys Don’t Cry"), doch schlussendlich musste man sich eingestehen, dass eine übertriebene Länge auch ein Stimmungskiller sein kann.

Es wird schwer werden ein derart gelungenes Festival im nächsten Jahr zu toppen, für Überraschungen sind wir aber auf alle Fälle gerne zu haben.



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AutorInnen

Linda Schürer-Waldheim

Linda Schürer-Waldheim

VerhaltensUNgestörtes Einzelkind, Belegerin diverser Massenstudien mit großem Faible für Alltagseskapismus mittels Ton und Schrift.

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