2007-04-02 00:11:29
Nicht nur wegen der Musik ist die Reise zum Festival Internacional de Benicàssim an der Costa Azahar über einen Abstecher nach Barcelona jedes Mal wieder seinen Trip wert. Hier der Bericht einer latent Süchtigen.
Barcelona war shoppingtechnisch heuer eher enttäuschend.
– AUSVERKAUF –
Für viele der Himmel auf Erden. Für mich als quasi Schwerverdiener (haha), der prinzipiell nicht weiß, was tun mit dem Haufen an Kohle, den ich monatlich in schweren Säcken aus der Agentur schleppe, will ich zumindest bei meinen Hamsterkäufen erstens aus dem Vollen schöpfen können und zweitens dementsprechend viel von dem verdienten Zaster loswerden!
… Von Enttäuschungen …
Am Donnerstag, dem 20. Juli und somit Festival-Tag Nummer eins war deshalb die Vorfreude auf ausgiebige Shopping-Orgien im FIB Market schier grenzenlos. Denkste. Auf der Flucht vor unerträglichen Gospel Songs, dargeboten von Howe Gelb und seinen 'Sno Angels, bahnte ich mir den Weg zu den Ständen des FIB Market. Doch welch Schreck! Ich stand vor den sprichwörtlich verschlossenen Toren. Nach drei Songs der an ein ABBA-Musical mit Uwe Kröger in der Hauptrolle erinnernden Scissor Sisters war der Abend dann – zumindest für mich – gelaufen.
Am zweiten Tag war ich nicht mehr zu halten und auch meine Geldbörse brannte nahezu unerträglich in meinen Händen. Vorbei an den Futureheads auf der Escenario Verde stand ich wenige Minuten später zufrieden auf dem Areal des FIB Market und ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken. Wesentlich gelöster als am Tag davor, hielt ich kurz inne und sog beruhigt die Luft tief in meine beiden Lungenflügel – Endlich!
… Orgien …
Wenige Meter vor mir befand sich der geöffnete FIB Market mit all seinen unzähligen Besuchern und rund 35 Ständen, an denen tausende Sachen feilgeboten wurden: CD’s, Platten, Buttons, T-Shirts, Röcke, Kleider, Hemden, Schuhe, Taschen, Kappen, Hosen, Sonnenbrillen und Schmuck und was weiß ich noch alles. Bei den NGO-Ständen (u.a. Green Peace und Amnesty International) gab es neben haufenweise Infomaterialien auch: Geschenke! Geschenke! Und auch an den übrigen Ständen erhaschte man hie und da kleine Präsente wie Magazine, Aufkleber oder Buttons.
Bedächtig und mit hellwachen, glänzenden Augen schritt ich durch die ehrwürdigen Gassen des Marktes vorbei an den Ständen von Naranjas De La China, Elefant Records, Acuarela, Green Ufos und Mustang über La Meme, Otto Home, Freek Magazine, Alter Ego, Go Magazine, Vueling, London Calling, Popland, Citadel, Runaway und Encuestas wieder zurück, dann einmal rechts um die Kurve zu Mi Hermana Pequeña, Heineken, Spiral, Smash, Enmarte und vielen, vielen mehr.
Dabei war ich umringt von der faszinierenden Farbenpracht der angebotenen Kleidungsstücke und hunderten wühlenden, suchenden und auch findenden Gleichgesinnten. Die Verkäufer waren bestens gelaunt (im Gegensatz zur knurrenden Verkäuferin, wie jeder Wiener Supermarkt zumindest eine an der Kassa hat) und fast hatte man das Gefühl, die machen das echt gerne und sehen ihren Job eher als locker, lässige Party. Yeah!
Noch zwei, drei Mal schlenderte ich so durch die Gassen, ohne auch nur ein einziges Kleidungsstück oder dergleichen zu berühren. Es war die ausgelassene, turbulent und doch relaxte Stimmung, die mich so in ihren Bann zog. Beim vierten Mal drang ich dann doch etwas tiefer in die Materie ein und plötzlich lief alles wie von selbst: irgend etwas fiel mir in die Arme, wurde kurz begutachtet, für perfekt empfunden, die Geldbörse gezückt und innerhalb weniger Minuten wanderte auch schon ein Säckchen mit der heiß begehrten Ware über den Tresen.
Schwer bepackt und überglücklich stieß ich bei den letzten Songs der Pixies wieder zu meinen amigos vor der Escenario Verde. Bei Echo & The Bunnymen, The Strokes und Tiga waren mir die erstandenen Einkaufstüten samt wertvollem Inhalt zwar ein wenig im eigentlich zu betanzenden Weg und auch der Heimweg war lang und beschwerlich. Aber das war er auch an den darauf folgenden Tagen!
… und sonstigen Eskapaden.
Diese gestalteten sich wie folgt: Am Tag meist chillen auf der Terrasse unseres angemieteten Apartments und so gegen 16:00 Uhr zum Strand die Sonne genießen (zu einer früheren Tageszeit wär’s einfach zu heiß gewesen), ein wenig zu Plantschen, Frisbee oder Volleyball zu spielen. Auch empfehlenswert: wer trotz allem auf dem FIB Market nicht das Passende finden sollte (meiner Meinung nach schier unmöglich), sollte einen kleinen Einkaufsbummel entlang der Straßenstände auf dem letzten Stück der Torre Sant Vicent riskieren.
Abends zum Festival, die ausgewählten Konzerte ansehen (alle geht einfach nicht bei der angebotenen Menge) und in den Pausen dazwischen immer einen kleinen Sprung in das Getümmel am Market.
FAZIT: Mein heimatlicher Kasten ist nun wieder um etwas voller, mein Koffer war rund 5 kg schwerer, mein Konto um einiges leichter, die Schuhe löchrig vom vielen Gehen und ich wesentlich brauner und entspannter. Und auch das Glück lässt sich hier im schönen Spanien wohl dosiert in kleinen, handlichen Päckchen zu EUR 2,30 erstehen. Herz, was willst du mehr?!
Text und Fotos: meineschwester
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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