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musik

FIB 2005 - Sabado y Domingo

2007-04-02 00:11:18

Der zweite Teil des Rückblickes auf das Festival Internacional de Benicàssim. Es waren die Tage der zahlreichen Springginkerl und Poser.

Die Sonne, das Licht, die wunderbaren Menschen und die besondere Atmosphäre, die Spanien auszeichnet ist schon etwas Einzigartiges. Hinzu kommt die ausgesprochene Freundlichkeit der Spanier und Spanierinnen, die einem hier entgegengebracht wird – natürlich gibt es immer Ausnahmen. Für Menschen – zu denen ich mich zähle –  die die blöde Angewohnheit besitzen, ständig irgendwelche Sachen unbewusst liegen zu lassen oder zu verlieren, ist Spanien ein Paradies. Dort wirkt sich diese lästige Angewohnheit nicht in einem Verlust eines Gegenstandes aus, weil einem ein Spanier oder eine Spanierin sofort darauf hinweist, wenn man wieder einmal etwas liegen gelassen hat. Also in Österreich ist mir wegen einer Packung Zigarretten noch nie jemand nachgelaufen. Nehmt euch ein Beispiel! Viva la Espana!

Herz-Schmerz am Nachmittag


Wo hat denn Erlend Oye seine nerdige Hornbrille gelassen?!

Die Kings Of Convenience eröffneten meinen perönlichen Festivalabend am Samstag so gegen 18.40 Uhr. Das Zelt war gerammelt voll und fungierte während des laufenden Konzerts als großer Schattenspender. Die beiden Norweger Erlend Oye und Eirik Glambek Boe zupften und schrammelten auf der Klampfe à la Simon & Garfunkel herum, hauchten gewohnt traurige Texte ins Mikrofon und brachten damit die nötige Kühle unter die Leute, die sich mit einem Bier bewaffnet in der Sonne räkelten. 


Ricky Wilson lässt seiner Leidenschaft für Sprünge auf der Bühen freien Lauf.

Die aus Leeds stammenden Kaiser Chiefs genossen wie alle englischen Bands so etwas wie einen Heimvorteil, da die Anzahl der englischen Festivalbesucher sehr groß war. Mit Gesangseinlagen wie Na-Na-Na oder Oh-Oh-Oh werden sie wohl keine literarische Auzeichnung erhalten, aber das ist auch nicht der Sinn der ganzen Sache. Die Chiefs sind eine absolute Live Band. Druckvoll und energetisch werden die Songs dargebracht, der in den Liedern vorhanden Mitgröll-Faktor erledigt den Rest. Die Menge tobte bei "Everyday I Love You Less And Less" oder "Oh My God". Ja, es war eines der Highlights des Festivals!


Nic Offer von !!!

Bei !!! oder Chik Chik Chik wurde dann der Funk und Postpunk ausgepackt. Der in einer blauen Badehose und irgendwelchen Schlapfen herumspringende Sänger Nic Offer erinnerte mich in seiner Art wie er sich auf der Bühen bewegt, an den Sänger der Liars. Er beanspruchte dabei zur Gänze die Bühne für sich alleine. Die musikalische Unterstützung bekam er von der eher im Hintergrund agierenden Band, die mit Splittergitarren und treibenden Bassläufen dem Pulikum den Arsch versohlte.


Die gebürtige Bulgarierin Mira Aroyo ist die selbsternannte Cleopatra des 21.Jahrhunderts.

Im Gegensatz zum !!!-Konzert herrschte bei Ladytron so etwas wie stoische Ruhe. Bei dem Liverpool-Vierer stehen die Frontgirls Mira Aroyo und Helena Marnie im Mittelpunkt.  Diese drückten ohne jemals mit einer Wimper zu zucken die Tasten des Korgs sanft durch. Gespielt wurden dreckige Synthiepop-Songs aus dem aktuellen Album Light & Magic sowie der alte Kracher "Playgirl".


Anthony Roman von Radio4

Mit Percussions habe ich ein großes Problem, vor allem wenn Bands versuchen, durch irgendwelche Instrumente Live  ihre leeren Songs zu füllen. Die Resultate solcher  Aktionen enden meistens mit einer peinlichen Samba-Performance – aber eben nur meistens. Bei Radio4 waren an diesem Abend die Percussions ein essentieller Bestandteil ihrer Musik.  Der Platz vor der Hauptbühne wurde kuzerhand zu einer Tanzfläche, auf der Tausende in den Underground tanzten - und ich in den Schlafsack.

Der vierte und somit letzte Tag begann mit den aus Newcastle stammenden Maximo Park. 


Paul Smiths, der Sänger von Maximo Park, versuchte mit einem Bänderzerschmetternden Krätschsprung seinem Kollegen von den Kaiser Chiefs um Nichts nachzustehen.

Schönheit muss leiden. Die vier Jungs betraten mit schwarzen Hemden und Hosen die Bühne im Hellomoto. Dazu trug man natürlich die passende Krawatte. Egal, ob es im Zelt 30 Grad Celsius hatte.

Musikalisch stand Maximo Park im Vergleich zu den Kaiser Chiefs als klarer Verlierer fest, denn sie schafften es nicht einmal ansatzweise,  das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Da halfen nicht einmal mehr die von Indie-Clubs in Dauerrotation gespielten Hits "Apply Some Pressure" oder "Graffiti". 


Dieser Lockenkopf gehört dem Sänger von Hot Hot Heat.

Mit weitem Ausfallschritt und Mikro in der Hand, spielte er gekonnt am Synthesizer die partiell eingesetzten Melodien. Diese Band hat Charme und überzeugt mit einer perfekten Live-Performance –  und oh wie ich diese Textzeile liebe: "You are my only girl, but you're not my owner girl". (Talk to me, dance with me)

"Are you ready for love" 

Künstliche Nebelschwaden zogen auf, als Nick Cave mit seiner Band The Bad Seeds, die einem Orchester gleicht, die Hauptbühne betrat.  Der australische Fürst der Finsternis, erzeugt mit seiner Stimme und seinem Charisma so viel Emotionen, dass einem oft die Spucke wegbleibt. Es ist wie nach einem guten Film, nach man einfach kein Wort reden will. Das ist ein Zeichen dafür, dass einem das Vorangegene ziemlich Nahe gegangen ist und nicht wie vieles im Leben bereits an der Oberfläche wie ein Gummiball an einer Betonwand abprallt. Ein Nick Cave Konzert geht jedem unter die Haut.

 
Nick Cave zeigte sich von seiner besten Seite.

Mit drogenverseuchten Gitarren, gegen den Abgrund gedeutete Streicher und Backgroundsängerinnen, die einem Engelschor glichen, wurde mit der Seele Ping-Pong  gespielt. Nick Cave ist ein ganz Großer, ein Mann dem zugehört wird, weil er der zum Thema Leben viel erzählen kann. Der absolute Höhepunkt dieses Festivals!

Das richtige Posen braucht man den Gallagher Brüdern, allen voran Liam, nicht mehr zu lernen. Liam betrat, als Tourist verkleidet, im gelben T-Shirt und 3/4-Schlabberhose den Ort, an dem er seinen Narzissmus wohl am Besten befriedigen kann – nämlich die Bühne. Einige fielen in Ohnmacht oder vergossen Freudentränen ...

... andere wollten einfach nur Liams Tambourin, ...

 

... aber ...

 

... Liam behielt sein Tambourin für sich.

Dass eine Show aber nicht nur allein vom richtigen Posen funktioniert, dürfte Oasis noch niemand gesagt haben, denn dieses trockene und ohne jegliche Anstregung oder Regung vorgetragene Set glich einer Verhöhnung.

Kasabian nahm hingegen die Sache etwas ernster und spielten Oasis in Grund und Boden.


Tom Meighan von Kasabian.

Die aus Leicester stammenden Kasabian machen Musik deren eigentlicher Ursprung und Name in Manchester begraben liegt –  nämlich Manchester Rave. Live präsentierten sie ihre Songs in einer energetischen Art & Weise, dass es eine Freude war, ihnen beim Musizieren zu zusehen. Die vier Briten überraschten mich mit ausgefeilten elektronischen Momenten und einem gefühlvollen Gesang des sympathisch wirkenden Tom Meighan, der ordentlich viel Emphase mit sich beförderte. 

 
ADIOS BENICÀSSIM!

Tag 1 und 2

Fotos: Florian Wieser, Marco und Olivia Weise

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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