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FIB 2005 - Faszinierendes abseits der Musik

2007-04-02 00:11:18

"Tambièn" schien das Zauberwort für Benicàssim zu sein. Neben wunderbarer Musik gab es auch Mode, Kunst, Lifestyle, Design und viele schöne Menschen.

Unter dem Shopping-Himmel Benicàssims

Dem Kaufrausch im Shopping-Paradies Barcelona mit ACH! und OH! und mindestens 3kg mehr Gepäck und einer dementsprechend leichteren Geldbörse entkommen, machten wir uns am Donnerstag auf nach Benicàssim zum Festival der Superlative.

Stolz, meinen Shopping-Wahn in halbwegs vernünftigen Ausmaßen – in Hinblick auf ein ohnehin schon sehr strapaziertes Konto – gehalten zu haben, war ich mir sicher, das schlimmste Hoch meiner überdimensionalen Kauflust überstanden zu haben, fühlten sich Portemonnaie und ich sicher, die nächsten Tage halbwegs unbeschädigt  zu überstehen. Haben wir uns doch in erster Linie auf das XI FIB begeben, um uns den musikalischen Genüssen hinzugeben. Dass dort auch vieles um die Themen Mode, Design, Kunst und Theater geboten wurde, war mir zwar klar, aber nicht in welchen Dimensionen und Qualitäten. Doch wie meist im Leben kommt es 1. anders und 2. als man denkt... .

Schönheit kommt nicht nur von innen...

Schon beim Aufbauen meiner Behausung für die nächsten Tage, wurde mir bewusst, dass – vor allem – die hier anwesenden Frauen zum Großteil sehr großen Wert auf ihr Äußeres, sprich Mode, Haarstyling und das ganze Rundherum legten und dieses auch gekonnt und äußerst ansprechend – und zum Leidwesen so mancher Männer – in Szene setzten. Es schien nahezu als könne jede für sich mit ihrem individuellen Styling soeben einem Style-Mag abhanden gekommen sein, und das trotz immenser Hitze und Staub – muy bien!

Reges Treiben auf dem FIB Market

Auf dem Festival-Gelände bestätigte sich erstens dieser Verdacht und mir wurde dann auch schnell bewusst, dass weder Börse noch Begierde meinerseits befriedigt waren. Was sich mir bot, war der gigantische Shopping-Himmel Barcelonas komprimiert auf die Bereiche FIB Market und FIB Shop. Dort konnte man in rund 32 Ständen nach Herzenslust in allem Möglichen und Unmöglichen betreffend Kleidung, Kleinod, Schuhe, Magazine, u.ä. stöbern.

In diesen Buden wurden unter anderem Waren von Mushroom Pillow, Go-Mag, Converse, Mustang, Enmarte, Runway/Balears Sona, Popland, Motorola, London Calling, Moo Clothes und Alter Ego feil geboten. Und sogar den nötigen Friseur-Besuch brauchte man nicht bis nach dem Urlaub verschieben. Weitere sechs Stände waren für Organisationen wie beispielsweise Greenpeace, Amnesty International  oder War Child reserviert.

Bei so einer großen Auswahl an T-Shirts kann einem schon einmal ganz schön schwindelig werden...

Mode und Musik – zwei Leidenschaften im Einklang

Dem noch nicht genug, war gegenüber sozusagen Modehimmel Nr. 2 errichtet worden. Dies tat er in Erscheinung eines Zeltes, in dem das Mustang Fashion Weekend stattfand. Sinn und Zweck war es, jungen spanischen Designern die Möglichkeit zu bieten, einem interessierten, internationalen Publikum ihre Kreationen zu zeigen.

So, und wer jetzt glaubt, dass das alles ist und noch dazu ganz einfach, dem darf ich  mein äußerst begrenztes Spanisch-Vokabular nachwerfen – idiota!

Da ist auf der einen Seite ein Line-up, das einen auch ohne Sonne ins Schwitzen und von Bühne zu Bühne hetzen lässt, gleichzeitig werden Fashion-Shows gezeigt, das Stöbern im FIB Market nicht zu vergessen, Spaß mit Fremden und Freunden und ein bisschen die Festival-Stimmung genießen sollte man auch einplanen. Andererseits werden da aber noch Kurzfilme, Kunstwerke, Theaterstücke und Was-weiß-ich-noch-alles angeboten. Da bleiben meiner Meinung nach nur noch zwei mögliche Optionen – entweder versucht man, alles in sich aufzusaugen, um daran kläglich zu scheitern oder man beginnt zu streichen, einzugrenzen und zu versuchen halbwegs stressfrei über die Runden zu kommen.

Buenos Díez Díez

So passierte es mir am Samstag sozusagen in einem der wenigen Zeitfenster auf dem Marsch von Escenario Verde nach Hellomoto, der für den Genuss eines Wodka Lemon eingeplant war, dass ich eher zufällig bei der Show von Carlos Díez Díez hängenblieb.

Zufällig deswegen, weil ich erstens ein wenig Zeit übrig hatte und zweitens gab es da auch noch Shows von César González De Las Heras, The Avant, Nylle Mille, Laurin 13, EBP. und Mustang.

Ghost-Freak-Show. Mein erster Eindruck lässt sich in etwa so beschreiben: In wallende schwarze Fetzen gekleidete Fürstinnen der Finsternis, die einen Schminkkurs bei Marylin-Manson besucht hatten, stapften in einer eher unsexy wirkenden Gangart in Military-Boots über den Laufsteg.


 

Bei den Worten „Frühjahr" und „Sommer" sehe ich vor meinem geistigen Auge eher leichte, farbenfrohe, elfenhaft fragile Geschöpfe, die nahezu über den Laufsteg schweben. Nicht so bei der Frühjahr-Sommer Kollektion 2005 von Carlos Díez Díez.

King of Darkness

Dieser kreierte eine Kollektion, deren Schwerpunkte eher in den Bereichen Punk und Heavy-Metal liegen. Die hauptsächlich in Schwarz gehaltene Schöpfung wirkt finster und unheilvoll. Der Designer zeigte zerschnittene und zerfetzte Kleidungsstücke mit vielen Taschen und Reißverschlüssen, Tunikas und Anzüge in straighten, aggressiven Formen, bei denen er irgendwo zwischen Futurismus und straffem Military-Look herumgeistert. Dies verdeutlicht sich weiters in seinen auffälligsten Modellen wie Baggy-Pants, weiten Overalls, Faltenröcken und -hosen, so wie Kleider in einer sehr maskulin wirkenden Form- und Farbgebung.

Díez mischt breite Steifen mit den Haarlinien von Nadelstreif-Stoffen, kombiniert unterschiedlichst bedruckte Stoffe, experimentiert mit Kontrasten, verwendet metallisch wirkende Materialien und das, obwohl seine Werke trotzdem eher der dunklen Seite zuzuschreiben sind. Hie und da blitzte es dann doch noch ein wenig Gelb hervor in der verwegenen und eindrucksvollen Kollektion des aus Bilbao stammenden Designers.

Kurz und schmerzlos war das Ganze dann vorüber, der Wodka Lemon geleert und die Angst, Ladytron versäumt zu haben, unbegründet. Zwar habe ich diese nicht mehr ganz gesehen, aber für die letzten paar Songs hat es immerhin gereicht – und die Schöpfung des Herrn Díez ist mir nun auch bekannt.

Text: Olivia Weise
Fotos: Olivia und Marco Weise

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Marco Weise

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