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Für die künstlerische Integrität

Lindsay Lohan wird Anfang August im Remake von „Herbie“ die Hauptrolle spielen, doch ihre Brüste wurden von Disney retouchiert. Zensur! empört sich das jugendliche Publikum und rüstet auf - ohne die Wirkung ihres Protestes realistisch abschätzen zu können.

Es wird der vierte August sein, an dem das mit geschätzten 70 Millionen Dollar recht teuer produzierte Remake – oder doch späte Fortsetzung? – des sechziger Jahre Kultklassikers Herbie – im Original „The Love Bug“ – über die Leinwände zischt. Im neuen Kostüm eines Hip-Hoppeligen Wagens tritt der VW-Käfer auf und wirkt dabei wie ein nicht fertig gestellter Kandidat aus „Pimp My Ride“.

Die Wiederbelebung des bekannten Disney-Vehikels dringt durch Marketing-politische Umstände in den Hintergrund. Schließlich ereigneten sich während der Nach-Produktion (Post-Production, Anmerkung der Redaktion) einige einzigartige Vorgänge. Obschon einzigartig im Filmgeschäft ein viel verwendeter Terminus ist.

Nichts desto trotz wird Haupt-Darstellerin Lindsay Lohan („Freaky Friday“) diesen Familienfilm mit ganz besonderen Gefühlen betrachten. Das um ihren Körper kämpfende, zur Frau heranwachsende Kind musste digitale Retouchier-Arbeit über sich ergehen lassen. Der Gehaltsscheck wird ihre Sorgen wieder vertreiben. Die dadurch ausgelösten Debatten konnten nicht so schnell beruhigt werden.

Weniger Brust ist oft mehr …

Auslöser für die internationale Aufregung – schließlich wird dieser Film ja auch weltweit vertrieben – waren einige Test-Vorführungen, die im Herzen der USA durchgeführt wurden. Den anwesenden Eltern missfiel dabei vor allem ein Umstand: Der recht umfangreiche Brustumfang der Haupt-Darstellerin. Da konnten sich Michael Keaton („Batman“) und Matt Dillon (demnächst als Charles Bukowskis Alter Ego in „Faktotum“ zu sehen) noch so sehr bemühen und die Kollegen der jüngeren Garde vom automobilen Titelhelden an die Wand spielen lassen. Es half nichts. 

Das Test-Publikum befand, die Brüste sind zu auffällig. Was Eltern als zu anstößig empfanden, wurde von Jugendlichen rund um den Globus zur Dämonisierung des produzierenden Disney-Studios und ihres Chefs Michael Eisner genutzt.

Eine Petition für die künstlerische Integrität

Was mit der Nachbearbeitung am Computer begann, hat eine regelrechte Protest-Bewegung auf die Beine gestellt, die logischerweise nicht das Geringste gegen die Firmen-Politik ausrichten konnte und doch vehement im Internet gegen das Retouchieren protestierte.

Denn schließlich geht es hier nicht nur um die Betrachtung nackten Fleisches, sondern auch um Meinungs-Freiheit und Zensur und künstlerische Integrität.

Schlagworte wie sie auch in „South Park: Bigger, Longer und Uncut“ fielen und im Schwall sinnlosen romantisierenden Schwulstes untergingen. Was die Macher der mittlerweile ebenso legendären Serie – Trey Park und Matt Stone – so wunderbar konterkarikierten, zeichnet auch den Konflikt rund um die Brüste Lindsay Lohans aus: Heuchelei, etwas Zynismus und viel Wehmut.

Früher war alles besser

Als es noch nicht die Möglichkeit gab, per Computer die Beine einer Mariah Carey künstlich zu verlängern oder die Taille einer Kate Winslet zu verschmälern, da waren Frauen – und natürlich auch Männer – noch wirklich hübsche Kreaturen und konnten ohne jeden Schnickschnack dem Zuseher gegenüber treten.

Es war die Welt, in der Marilyn Monroe keine operierten Brüste hatte und Rock Hudson und James Dean selbstverständlich heterosexuell waren.

Die Wahrheit hat viele Zuseher von Hollywood-Filmen heute noch nicht erreicht, ansonsten wäre die Diskussion rund um die Oberweite der volljährigen Haupt-Darstellerin nicht möglich.

Am Ende zerplatzt die Seifenblase

Im Endeffekt ist es Heuchelei, die sich im Namen des Profits breit macht. Disney kann die Publicity nur Recht sein, schließlich sichert sie den größtmöglichen Bekanntheitsgrad und mögliche Einnahmen, die dieser harm- und humorlose Streifen aus eigener Kraft wohl nie geschafft hätte.

So schaffen es die Gegner der Konzern-Politik, dieser zu einem Erfolg zu verhelfen, indem sie das Objekt der Kritik auf ein Öffentlichkeits-Podest stellen, von dem sie vor allem die internationale Bericht-Erstattung nicht herunter holen wird. Viel mehr wird sie das Augenmerk von der augenscheinlich unterdurchschnittlichen Qualität des Filmes „Herbie: Fully Loaded“ ablenken. Doch was macht dieser Bericht eigentlich? Irgendwie fügen sich alle ins Zahnrad der Öffentlichkeits-Arbeit ein, gewollt oder ungewollt.

P.S.: Wie eine Notiz am Rande wirkt dann die Feststellung: "Alles wurde im natürlichen Zustand belassen." Michael Eisner muss sehr zufrieden sein.

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AutorIn(nen)

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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