2007-09-29 18:55:42
Was die Volksdroge Nr. 1 und Adam Green gemeinsam haben. Beides lässt unaufhörlich nach mehr verlangen, das steht schon mal fest.
Selten, dass man mich auf Konzerten findet, wo es nicht holterdipoltermäßig zugeht, wo nicht gehüpft, gestoßen und gepogt wird. Doch am Dienstag, den 18.09.07, ist genau das geschehen. Adam Green hat mich an diesem Tag im Flex, pünktlich um 21:00, von meiner strengen Punk-Alternative-Konzertphilosophie abgebracht und mir ganz neue Möglichkeiten der Livemusik-Erlebnisse aufgezeigt. Ich bin verliebt und in Flammen!
Blickte man in die einen umgebenden Gesichter, schien es den anderen KonzertbesucherInnen nicht anders zu gehen. Und spätestens als Adam Friends of Mine anstimmte, waren wir alle eine große, zusammengepferchte Familie, die gemeinsam berauscht und glücklich in Richtung Bühne ekstasierte.
Kein Adam, aber immerhin Alkohol
Wenn man sein Leben jedoch nicht als ein ganzjährig-Adam-Green-hinterher-hechelndes Groupie verbringen will, wird es schwierig, den Mann und seine Musik regelmäßig zu konsumieren. Da muss zu billigem Ersatz gegriffen werden. Ich spreche von Bier bzw. generell von Alkohol. Natürlich darf dieser von der Gesellschaft nicht gen Himmel gepriesen werden, aber unter uns: Was gibt’s Herrlicheres? Deswegen - anstatt den Alkohol stets medial zu verpönen - sollen hier auch mal seine positiven Seiten hervorgehoben werden. Stets muss verteidigt und gerechtfertigt werden, was einfach nur gut ist. Immer noch der Meinung, es gäbe hier nichts zu beschönigen, habe ich mir dennoch für jeden noch so von Zweifel erfüllten Alkoholdenunzierer eine Mark erschütternde Legitimationserklärung für den alkoholisierten Hochgenuss zurechtgelegt: „Es gibt keine Liebe mehr! Die guten Zeiten sind vorbei.“
Spätestens mit diesen kunstvoll nachdenklichen, fast philosophisch anmutenden, konstruierten Worten bewaffnet, weiß jeder Entsagender und jede Entsagende nicht mehr, warum er oder sie nicht zum (Hopfen-)Tropfen greift. Soviel steht fest. Man stelle sich nun vor, nicht ich, sondern ein großartiger und berühmter Künstler mit entsprechender Fangemeinde würde dies von sich geben. Ein alter Hase im Showgeschäft wie zum Beispiel dieser sagenhafte Adam Green (auch wenn ihn die Heute fälschlicherweise als neuen Shootingstar bezeichnet) würde auf die Bühne kommen, möglichst mit einer Flasche Bier seiner Wahl in der Hand und folgende Worte an das geifernde Publikum richten: „Well, I guess we have to drink, 'cause there’s no love, my friends. The good times are over.“
Die musikbegeisterte Meute - zumindest der beziehungsgeschädigte Teil davon - würde vor lauter Glückseligkeit und Übermut vermutlich unentwegt wegsterben und beflügelt von Adams Worten das ein oder andere Gläschen zusätzlich kippen, um sich am nächsten Tag winselnd windend, höchstwahrscheinlich im eigenen Bett wieder zu finden und dabei einem der hartnäckigsten Kater ever direkt in die fiese Fratze zu starren.
Exzesse für jedermann!
Ein ordentlicher "B'suff" gehört sicherlich in die Kategorie "Exzesse leicht gemacht", die sogar Max Mustermann längst abgehakt haben dürfte. Ein Kaliber wie Adam Green hat da schon ganz andere Sachen hinter sich. Da ist sicher das ein oder andere dabei, wovon so mancher und so manche sagen würde, dass er oder sie dies niemals machen, trinken, rauchen oder begehren würde. Doch zu behaupten, gewisse Dinge würden niemals nie und nimmer für einen selbst in Frage kommen, kann nur bis zu einem bestimmten Grad sinnvoll sein. Sinnvoll ist es sicher, Sektenbeitritte, Mord und Totschlag sowie Grey’s Anatomy von vornherein für sich auszuschließen. Anderes jedoch mit dem Prädikat "No-go" zu versehen, scheint mir etwas voreilig. Viele meiner Taten der letzten Monate hätte ich niemals von mir erwartet, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Auch wenn die lieben Leser und Leserinnen bereits begeistert in die Hände klatschen, werden private Eskapaden meinerseits hier ausgespart bleiben. Nur soviel: Ich weiß jetzt, dass ich in Zukunft noch viel Unerwartetes von mir geben und vollbringen werde und das Schöne ist, ich bin nicht allein damit. Wir alle werden andere und uns selbst ständig und fortwährend mit unseren guten und schlechten Taten, Exzessen, Erfolgen, Schicksalen und Skandalen verblüffen. Klingt, als könnte man gespannt sein, was unsereine/r noch so alles tun wird.
Gerne was tun, würd' ich ja mit Adam Green.
On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.
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