Ein österreichischer Dokumentarfilm, auf den man stolz sein darf.
Wenn man sich auf den Untertitel „Einmal Mekka und zurück“ bezieht, könnte man denken, dass Exile Family Movie eine religiöse Dokumentation über eine islamische Pilgerfahrt ist.
Doch Exile Family Movie ist noch viel mehr als das.
Der junge, persisch-stämmige Österreicher Arash zeigt uns in seinem ersten großen Dokumentarfilm intimste Einblicke in das Leben seiner Familie und somit auch in sein eigenes.
Leben im Exil
Arashs Familie ist schon vor 20 Jahren aus dem Iran ins Exil geflüchtet. Nach Österreich. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter sind politische Flüchtlinge. Arashs Vater musste beispielsweise eine jahrelange Gefängnisstrafe im Iran absitzen, da er ein Buch gelesen hat, welches damals als verboten galt.
Das Leben im Exil ist kein einfaches. Für Arash, seine Schwester Azy und seinen Bruder Arman, die ihre im Iran verbliebenen Verwandten nie wirklich kennengelernt haben (Arash war bei der Flucht circa 2 Jahre alt), ist das Leben in Österreich leichter, als für ihre Eltern. Über Videobotschaften, Briefe und E-Mails hält man Kontakt zu den Verwandten in der Heimat. Am Schwierigsten ist es, wenn Arashs Familie vom Tod eines nahestehenden Familienmitglieds erfahren muss und nicht an der Beerdigung teilnehmen kann.
Doch nicht nur Arashs Eltern sind geflüchtet: Eine Schwester von Arashs Mutter lebt in Schweden, eine andere in Amerika. Auch sie besucht Arash um ihre Erzählungen ebenfalls auf Film aufzunehmen.
Ein geheimes Treffen in Mekka
Die Szenen die in Exile Family Movie am meisten berühren sind wohl die, wenn Familienmitglieder aufeinander treffen. Es wird geküsst, umarmt, vor Freude gesungen, erzählt und oft einfach auch nur geschwiegen vor Glück.
Nach 20 Jahren im Exil ergibt sich eine unglaubliche Chance. Die gesamte im Iran verbliebene Familie mütterlicherseits hat ein Ausreise-Visum bekommen um den islamischen Pilgerort Mekka zu besuchen. Die im Exil lebenden Mitglieder lassen sich diese Chance nicht entgehen und machen sich ebenfalls auf den Weg nach Mekka um sich dort unter größter Geheimhaltung in einem Hotel zu treffen. Arashs Vater bleibt aus Angst vor möglichen iranischen Spitzeln in Österreich.
Die Kamera zeigt auf der Reise nach Mekka die Emotionen, die über all die Jahre zurückgehalten werden mussten. Die Familie kann sich endlich wieder berühren, sich umarmen und miteinander von Angesicht zu Angesicht sprechen. Nach all den Jahren lernen Arash und seine Geschwister die meisten ihrer Verwandten erst richtig kennen. Und das, in einem kleinen Hotelzimmer in Mekka. Vollgestopft mit Onkeln, Tanten, Cousinen, Cousins, Brüdern, Schwestern und Großeltern. Es wird gelacht und geweint, und als Zuseher kann man nicht anders als mitzulachen und mitzuweinen.

Es wird diskutiert, gestritten und gelacht
Und obwohl alle aus einer Familie stammen, sind es doch die Gespräche zwischen den im Exil lebenden und persischen Verwandten, die Exile Family Movie so wertvoll machen. Das Aufeinanderprallen zweier Welten in ein und derselben Familie wurde noch nie so klar und deutlich gezeigt. Als Zuseher kann man sich in beide Welten hineinversetzen und versteht doch die Gegenaspekte der anderen. Diskussionen über den Islam, über die Notwendigkeit von Gebeten, über das Tragen eines Kopftuchs und über die politischen Umstände im Iran finden hier nicht zwischen hochrangigen Politikern, sondern zwischen Großmutter und Enkelin, Tante und Nichte, Cousin und Cousine statt. Und trotzdem mangelt es nicht an verschiedenen Perspektiven und Meinungen.
Zusammengefasst geht es in Exile Family Movie um eines der wertvollsten Dinge, wenn nicht sogar um DAS wertvollste im Leben eines Menschen: Die Familie.
Und auch wenn das für uns kitschig klingen mag, weil wir uns täglich über keppelnde Großmütter, lästige Cousins und sonstige nervende Verwandte ärgern müssen, sollten wir uns doch bewusst sein, dass es ein Privileg ist, diese Menschen um uns zu haben. Denn wie Exile Family Movie zeigt, ist das leider nicht jedem vergönnt.
Exile Family Movie hat im Rahmen der Diagonale 2006 den „Großen Diagonale-Preis“ für den besten österreichischen Dokumentarfilm erhalten.
Der Film läuft am 29.09.2006 in den heimischen Kinos an.
Auf der Website von Exile Family Movie kann man sich sogar den Titelsong „Dunya“ des in Wien aufgewachsenen, kurdisch-stämmigen Künstlers KARUAN downloaden.