2010-07-26 17:13:06
Die Loveparade als Vorbote der Apokalypse. 20 Tote als Gottes gerechte Strafe. Eva Hermans Beitrag zur Tragödie von Duisburg offenbart eine beängstigende Weltanschauung.
20 Tote und über 500 Verletzte (Stand vom 27. Juli) werfen
Fragen auf. War diese Katastrophe vermeidbar? Und wenn ja, wer sind die
Schuldigen? In den meisten Medien ist von einem Versagen des
Sicherheitskonzepts, von Planungsfehlern und Genehmigungspannen die Rede.
Verantwortlich sollen die Organisatoren, die Stadt Duisburg aber auch Polizei
und Security sein. Doch es gibt auch noch ganz andere Meinungen zu diesem
Thema. Eine davon hält Eva Herman für die Öffentlichkeit bereit.
Eva Herman und der
Eklat
Bekannt geworden ist Eva Herman vor allem durch ihre
Tätigkeit als Nachrichtensprecherin der ARD, die sie von 1989 bis 2006 ausübte.
Doch auch als Moderatorin konnte sie unter anderem mit Herman und Titjen, einer Talkshow des NDR, einige Erfolge
verzeichnen. Im Jahr 2007 kam es jedoch zu einem Eklat: Im Zuge der Vorstellung
ihres Buches Das Prinzip Arche Noah soll sie sich vor etwa 30 Journalisten positiv gegenüber der nationalsozialistischen Familienpolitik geäußert haben. Die Wellen schlugen hoch, Herman wurde vom
NDR von allen Aufgaben entbunden. Kulminationspunkt dieses skurrilen Skandals
war schließlich ihr medienwirksamer Rauswurf bei der Talkshow Kerner.
Sodom und Gomorrha
Seitdem ist Herman vor allem als Autorin tätig. Zuletzt
erschien ihr Buch Die Wahrheit und ihr
Preis – Meinung, Macht und Medien. Und auch auf der Website des Verlags Kopp äußerte sie sich in der Vergangenheit immer wieder zu unterschiedlichsten Themen, wie
zuletzt über einen möglichen Politskandal beim NDR, zu neuen Regeln der EU zur Darstellung
von Mann und Frau in den Medien und über den Rücktritt des Bürgermeisters von Hamburg
Ole von Beust. Auch die Vorfälle rund um die Loveparade des Jahres 2010 sollten
– wohl aufgrund des großen Medienechos – nicht unberücksichtigt bleiben. In
ihrem Beitrag Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und
Gomorrha in Duisburg schreibt sie, was ihrer Meinung
nach die tatsächlichen Gründe für die Katastrophe waren.
Drogen, Alkohol und
Sex
Schuld seien zum einen die Stadt Duisburg und das Bundesland
Nordrhein-Westfalen, die diese "Drogen-, Alkohol und Sexorgie geplant,
genehmigt und zum Teil finanziert" hätten. So weit, so fragwürdig. Zum anderen gehört laut Herman aber auch eine ganze Generation für die fatalen Folgen am 24.
Juli zur Verantwortung gezogen. Die Rede ist von den 68ern.
Schließlich, schreibt Herman, konnte erst die Befreiung des Individuums von "allen
Zwängen und Regeln", wie sie von den Protagonisten dieser Zeit umgesetzt wurde,
so etwas wie die Loveparade mit ihren "dunkle[n] Wolken der Enthemmung und
Entfesselung" hervorbringen.
Zucht und Ordnung
Allerdings vergisst Herman in ihrer Wut über die
68er - die sich übrigens nahezu durch ihre gesamten Veröffentlichungen zieht -, dass Zwänge
und Regeln sicherlich nicht der richtige Weg zu einer besseren Gesellschaft sind.
Zur Verdeutlichung muss nicht einmal das Thema des Nationalsozialismus herhalten,
das gerade in Bezug auf Herman immer wieder gerne Anwendung findet. Ein
viel besseres Beispiel hierfür bietet Michael Hanekes vor knapp einem Jahr erschienene
Film Das weiße Band. In ihm wird die
negative Entwicklung einer Gesellschaft gezeigt, die sich ausschließlich über
repressive Werte und Normen definiert, die wiederum in einstmals guter Absicht
der Bibel entnommen worden waren.
Gott hat es so gewollt
Auch Herman bezieht sich in ihren Veröffentlichungen immer
wieder auf die Religion und findet in ihr auch im konkreten Fall eine Antwort für
die Klärung der Schuldfrage. Sie glaubt, beim Anblick der Loveparade in einer "Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben
werden". Und tatsächlich könnte man im Stile fundamentaler Christen
argumentieren, dass hierbei einem Götzen – dem "ohrenbetäubende[n],
stereotype[n] Rave-Gehämmere" – gehuldigt wird. Doch dass Herman die Toten und
Verletzten in weiterer Folge implizit als gerechte Opfer der Strafe Gottes darstellt,
indem sie darüber mutmaßt, ob hier "ganz andere Mächte mit eingegriffen" haben, um dem "schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzten", schießt
eindeutig über das Ziel einer Kritik an der Veranstaltung Loveparade hinaus.
Einen Tag später
Dies hat die ehemalige Moderatorin mittlerweile wohl auch selbst erkannt,
denn schon einen Tag nach der Veröffentlichung erschien aufgrund der "großen
Resonanz" eine persönliche Richtigstellung ihrer vermeintlich falsch
verstandenen Thesen. Darin stellt sie klar, dass sie keineswegs die Menschen,
die bei dem Unglück in Duisburg ums Leben kamen, durch ihre Worte diskriminieren
wollte. Allerdings bekräftigt sie erneut und ausdrücklich ihre Haltung. In Anbetracht einer solchen Katastrophe erscheint es
aber unangebracht, eine Generalkritik an der Veranstaltung Loveparade, der 68er-Generation sowie der Jugend an sich lancieren zu wollen.
Herman schreibt selbst, dass "man mit Schuldzuweisungen jeglicher Art – gerade
in dieser ersten Phase nach dem Unglück besonders vorsichtig sein" muss. Hätte
sie sich doch besser daran gehalten.
Nobody knows the trouble I've seen.
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Auch der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat sich mittlerweile zu diesem Thema geäußert:
"Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erscheinungsbild, auch mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott!"
Nachzulesen auf www.kath.net
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