2007-04-02 00:11:28
Das aus New York stammende Quintett TV On The Radio veröffentlicht an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kommerz ihr zweites Studioalbum "Return To Cookie Mountain". Ein Schritt in die bessere Zukunft.
David Bowie hatte in musikalischen Angelegenheiten schon immer eine gute Nase. Auf diese hat er sich nicht nur all die Jahre beinahe blind verlassen, sondern er weiß auch heute noch, wie der Hase läuft. Immer wieder wird er mit diversen Bands in Verbindung gebracht, ist auf deren Konzerten präsent, schaut dann auch mal im Studio vorbei und verleiht bei Gelegenheit auch kurzum seine Stimme. Die Bands könnten damit rein promo-technisch durchaus Kapital schlagen, denn ein Bowie ist ja nicht gerade ein Exote in der Szene.
Nun hat der Pop-Opa auch bei dem New Yorker Quintett TV On The Radio zugeschlagen und haucht im Song „Province“ eher unauffällig ins Mikro. Ein überdimensional größeres Kapital wird daraus mit Sicherheit keines geschlagen, denn die darin verwendeten Sounds sind nicht für Mainstream-Ohren konzipiert. Mitnichten! Damit knüpfen die New Yorker nahtlos an dem von Kritikern umjubelten Debüt Desperate Youth, Blood Thirsty Babes des Jahres 2004 an und gehen noch einen Schritt weiter: Return To Cookie Mountain klingt reifer, ausgeklügelter und zwingender. Entstanden ist dieses Werk in einer einjährigen Entwicklungsphase, in der die Band in ihrem eigenen Studio intensiv an den Arrangements gebastelt hat.
Wut und das daraus resultierende Ergebnis
Eröffnet wird das Album mit der in teils surreale Anti-Kriegs-Lyrik gekleideten Nummer „I Was A Lover“ und damit wird gleich einmal für die richtige Grundstimmung gesorgt:
We´re busy tempting. Like fates´s on the nod.
Running on empty, bourbon and god.
It´s been a while since we knew the way.
And it´s been even longer since our plastic priest class.
Had a Goddamned thing to say.
I was a lover before this war.
Diese vernichtende Anklage gegen die Bush-Administration und all jene, die nichts dagegen unternehmen, wird inbrünstig von Kyp Malone und Tunde Adebimpe mit hoffnungsloser Stimme verkündet. Begleitet werden sie dabei von völlig verunreinigten Soundsamples, milden Noise-Attacken, Wirrwarr-Synthesizer-Flächen und sporadisch auftauchenden Melodien, die kurz darauf wieder völlig von der Rhythmusabteilung zerhackt werden.
Die aus der anhaltenden Verzweiflung resultierende Wut zieht sich dann subtil durch die restlichen Songs. Mit „Wolf Like Me“ verzeichnen sie letztendlich einen – nun ja – Charts verdächtigen Höhepunkt. Dieser Verdacht ergibt sich daraus, dass der Song gegenüber den anderen nicht ganz so schwerfällig und düster wirkt, sondern mit seinen kontrolliert angerissenen Gitarren und klar angelegten Parts zeigt, welches Hit-Potential in den Jungs schlummert.

TV On The Radio Foto: Neil Gavin
TV On The Radio veröffentlichen mit Return To Cookie Mountain ein tolles Stück Musik, welches zurzeit als Aushängeschild der sich schön langsam wieder zur Brutstätte für neue, innovative Musik entwickelnden New Yorker-Szene – wie das bereits in den 80er Jahren (Stichwort: Sonic Youth) der Fall war – gedeutet werden kann.
Damit kann man sie ohne schlechtes Gewissen als eine der Vorreiter bezeichnen, die den anderen Künstlern den Weg weisen und gleichzeitig auch ebnen. Dass das in einer Zeit passiert, in der nur mehr Einheitsbrei den potentiellen Musikmarkt regiert und es nicht gerade leicht und vor allem nicht zukunftssichernd im Sinne von einem ansprechenden Kontostand ist, muss ihnen hoch angerechnet werden. TV On The Radio hätten es sich auch leichter machen können, indem sie mit dem zweiten Album ein in Richtung Pop tendierendes Werk auf den Markt geknallt hätten – haben sie aber nicht! Dieser bewusst gesetzte Schritt in Richtung Kunst ist ihnen ebenfalls hoch anzurechnen. Denn sich selbst treu geblieben zu sein, können nur wenige von sich behaupten.
Live: TV On The Radio werden gemeinsam mit den befreundeten Yeah Yeah Yeahs am 29. August in der Arena Wien zu sehen sein.
[Return To Cookie Mountain von TV On The Radio wurde bereits via Edel veröffentlicht]
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