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Ernster als Liebe von Peter Goldsworthy

2011-04-25 16:01:05

  • Liebe Als ernster
  • Peter goldsworthy

Ein Roman über die Zeit und alle möglichen und unmöglichen Welten und nicht zuletzt über die erste und größte Liebe.

Es ist 1967. Robert Burns ist Schüler an einer australischen Vorort-Highschool. Er schreibt leidenschaftlich Science-Fiction Geschichten. Die meisten davon spielen in der Zukunft und befassen sich damit, wie die Welt sein wird, wenn er nicht mehr ist. Als die flippige Miss Peach seine Klasse als Vorstand übernimmt, ist er fasziniert. Sie lehrt ihn die Geschichte des Ersten Weltkrieges durch Gedichte. Seine anfängliche Schwärmerei für sie wird rasch ernst.

Doch Robbie ist nicht der Einzige, der sich für die 20-Jährige interessiert. Miss Peach schart eine Anzahl von Verehrern um sich. Da ist Big Merve, der Werklehrer, der eigentlich verheiratet ist, aber dennoch nicht anders kann, als der jungen Lehrerin nachzusteigen. Auch Geoffrey Barry - ihr ehemaliger Englisch-Professor - ist ihr mit Leib und Seele verfallen. Schnell stellt Robbie fest, dass er den beiden eine Sache voraus hat. In seiner Position als harmlos wirkender Schüler von 14 Jahren wirkt er auf Miss Peach nicht wie eine Bedrohung. Mehr noch: Sie interessiert sich für seine manchmal erschütternden Geschichten und hilft ihm sie auszufeilen. Nach und nach kommen sich die beiden auf eine Art und Weise näher, die keine Konkurrenz zu fürchten braucht. Wer könnte ahnen, welche Tragödie sie damit auslösen?

Steile Geschichte


Was für eine steile Geschichte! Lovestory, alkoholkranke Dichter, Generationenkonflikt, Sex, Dystopia - alles dabei. Dazu kommt, dass der Ort des Geschehens ein australisches Vorstädtchen in den 1960ern ist. Da sagte man noch „Ja, Miss“ und „Nein, Miss“ und „Tut mir leid, Miss“, wenn man nachts im Baum vorm Fenster seiner Lehrerin saß und erwischt wurde.

Robbie Burns ist der schräge Bursche in der letzten Reihe, der lieber seinen Tagträumen nachhängt und vornüber in seine Fantasiewelt kippt, als mit Freunden auszugehen. Er sagt seltsame Dinge, aber immer war da diese Ahnung, dass der Typ mehr weiß, als er tut. In Goldsworthys Roman ist man immer nahe bei Robbie Burns. Die Ich-Erzählung vermittelt dem Leser beinahe den Eindruck eines unerwünschten Eindringens in die Privatsphäre des Protagonisten. Die ganze Zeit über ist da dieses unbestimmte Gefühl, dass man mehr weiß, als man wissen sollte und dass man Robbie Burns unrecht tut, wenn man weiterliest.

Gesellschaftsbilder


In Ernster als Liebe blicken wir auf eine Gesellschaft, in der Homosexualität noch verpönt war, Aborigines als unterentwickelt galten und alles, was ein wenig anders war, tabu war. Umso trippiger die Science-Fiction Einschübe aus Burns‘ Geschichten. Er erzählt von Fischmenschen, die unter Wasser leben müssen, weil die Kontinente im Weltmeer versunken sind und von Außerirdischen, die die Rotation der Erde anhalten, um Rohstoffe aus dem Meeresgrund zu gewinnen. Und schließlich wird seine eigene Realität zu einer einzigen Dystopie. Am Ende blickt Burns in seine Zukunft und seine größte Liebe ist nach wie vor seine erste.

Ernster als Liebe

von Peter Goldsworthy
erschienen im Deuticke Verlag, 2011
gebunden, 378 Seiten, EUR 22,60
ISBN 978-3-552-06154-5

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AutorInnen

Teresa Reiter

Teresa Reiter

Die Wiener sind ein heiterer Menschenschlag von großer Traurigkeit, ein leichtlebiges Volk von schwermütig-depressiver Grundstimmung, sie sind hochbegabt, aber die mitleidlosen Feinde ihrer Begabung, sie fühlen sich nur wohl, wenn sie sich nicht wohl fühlen.

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