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kreatives

Endstand 20:08

2008-05-24 18:30:41

  • Wien1 acht2

160 Jahre österreichische Zeitgeschichte werden in Gerhard Werdekers Inszenierung „ Oh Wien, gib 8!“ im Theater SPIELRAUM kritisch sportlich aufgearbeitet.

Lokale sind vollgesteckt mit Fußballfans. Die Tische stehen dicht beieinander, eine Reihe Bierflaschen verdeckt die Sicht auf die Leinwand. Chelsea oder Manchester United, wer wird Sieger der Champions League?

Auch das Theater SPIELRAUM ist am Premierentag von Gerhard Werdekers Inszenierung Oh Wien, gib 8! vollgesteckt. Theater und sportliche Events strahlen eine enorme Anziehungskraft aus. Man geht hin, um der Realität zu entfliehen, um einen performativen Akt zu erleben. Doch was passiert, wenn sich die Dramatik des Theaters und die Emotionen, die ein Fußballspiel weckt, miteinander vermischen? Das Theater wird zum Austragungsort eines Wettkampfes, der mehr im Sinn hat, als Tore zu schießen.

Fernab der Euro


Ein ganzes Land liegt im Fußballfieber. Ein ganzes Land? Da gibt es  einen Teil, der sich dagegen sträubt und lieber Theater macht. Doch ganz am Sport kommt Regisseur Gerhard Werdeker nicht vorbei. Das aus drei Schauspielern bestehende Ensemble muss sich vor Beginn des Wettkampfes noch aufwärmen. Da wird gedehnt und gestreckt, was das Zeug hält. Man will schließlich einen fairen Kampf bieten.

Weit zurück im Jahr 1848 beginnt die literarisch politische Szenenfolge Oh Wien, gib 8!. Die Jubiläumsjahre, jene magischen, die die Zahl acht an letzter Stelle bergen, werden in sechs Runden von drei Schauspielern gemeistert. Die Bühne wird zum Austragungsort des Wettkampfes auserkoren, die Plätze der Zuseher haben Stadioncharakter (Raum: Harald Ruppert).

Rot-weiß-rot


Schon die  Kleidung der auf der Bühne Agierenden gibt Auskunft über den Verlauf der kommenden 90 Minuten. Trikots und Sportschuhe sind in rot und weiß gehalten (Kostüme: Anna Pollack), man mag meinen, die österreichische Flagge direkt vor sich stehen zu sehen. So kann der Geschichtsaufarbeitung Österreichs nichts mehr im Wege stehen.

In sechs Szenen werden die wichtigsten Ereignisse der so genannten 8er-Jahre der österreichischen Geschichte aufgearbeitet. Gerhard Werdeker lässt den von ihm zusammengestellten Text durch Zitate aus Literatur und Politik lebendig werden. Stellenweise wird der Spagat zwischen den Jahrzehnten ein wenig zu unbeschwert geschlagen, dennoch lässt das Stück keine Fragen offen.

Das gut aufeinander eingespielte Ensemble, bestehend aus Silvia Lientschnig, Sabrina Linda Riedel und Peter Pausz, zeigt ein aktionsreiches Spiel. Schlussendlich bleibt dann doch eine Frage offen: Wozu ins Stadion gehen, wo doch das Theater viel mehr Spannung und Inhalt bietet?


Spieltage:
21. Mai bis 7. Juni, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

Theater SPIELRAUM
Kaiserstraße 46
A-1070 Wien

 

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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