Die fünf Briten von Elbow streben mit ihrem neuen Werk die musikalische Weltherrschaft an. Oder so ähnlich...
Kindliche Freude und Neugier keimen in mir auf, wenn es darum geht, eine neue Elbow-Platte zu entdecken. Die Musik der Briten ist stets mit Überraschungen gespickt, unerwartete Wendungen mitten in den Songs, gepaart mit ungewöhnlichen Sounds, wie etwa das scheppernde, oft nach Pappkarton und Mülleimer tönende Schlagzeug, dem aber trotzdem ein wahnsinniger Groovefaktor anhaftet. Das alles gleicht einem Film, den man zum ersten Mal sieht und noch nicht weiß, was einen erwartet. Dazu die epischen Texte von Guy Garvey, die teils beklemmend, teils böse-sarkastisch ausfallen, wie etwa im Titeltrack „Leaders Of The Free World“, wo Garvey die „Bush´s“ dieser Welt mit steineschmeißenden Lausbuben vergleicht. Die lyrische Stärke des stämmigen Sängers liegt jedoch in den unglaublich berührenden, bittersüßen Balladentexten. „She brings the morning, she brings the morning sun“, singt Garvey in „An Imagined Affair“, um dann mit einem Schlag die Ernüchterung folgen zu lassen: „But all this, an imagined affair, while sitting in a bar, spilling in a bar“ – eben zu schön, um wahr zu sein.

Elbow, die selbsternannten "Leaders Of The Free World"
Speziell bei den sanften Titeln ähnelt Guy Garvey´s Stimme von Album zu Album mehr jener von Peter Gabriel, was Hauptindiz dafür ist, dass Elbow – wenn auch nur punktuell – an die kitschigen Frühwerke von Genesis erinnern. Doch selbst wenn z.B. das wunderschöne „My Very Best“ wie ein Konglomerat aus Radiohead und Seal klingt, haben Elbow mittlerweile ihren ganz einzigartigen, unverkennbaren Sound kreiert. Anders als beim letzten Album „Cast Of Thousands“, wo vieles beinahe „unfertig“, lediglich wie Songskizzen wirkte, ist das Songmaterial auf „Leaders Of The Free World” ausgefeilter, strukturierter und eingängiger, hat dadurch aber folglich auch etwas an seiner Rohheit eingebüßt.
Selten bekommt man Alben ohne wirkliche Schwachpunkte serviert. Vom einleitenden Homecoming-Song „Station Approach“ über die Mitsing-Hymne „Forget Myself“ bis zu den drei ausklingenden und sich gegenseitig übertreffenden Balladen, hier reiht sich Highlight an Highlight. Nebst dem Titeltrack „Leaders Of The Free World“, der bisher coolste und rockigste aller Elbow-Titel, spielt sich „Great Expectations“ ganz in die erste Reihe der Lieblingstracks – selten wurde das Thema Heirat, in diesem Falle eine Blitzhochzeit in einem Linienbus, derart unpeinlich inszeniert und geht dabei so sehr unter die Haut, dass man den Song, wie die letzte Urlaubsbräune, fest darin verschließen möchte.