Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

kreatives

Einsam und doch nicht allein

2007-11-02 18:25:28

  • Einsamkeit Ulf Poschardt
  • Einsamkeit Ulf Poschardt

Der renommierte Münchner Piper Verlag hat das im letzten Jahr bereits erschienene Buch „Einsamkeit“ von Ulf Poschardt in einer ungekürzten Taschenbuchausgabe wiederveröffentlicht. Darin wird der Bedeutung dieses Lebensgefühls nachgegangen.

Ist man einsam, wenn man Freitagabend ohne Anwesenheit einer zweiten Person eingesperrt zuhause sitzt, während die Kumpanen tanzbereit dem Hedonismus in der nächsten Disco frönen? Oder doch allein?

Ulf Poschardt, Jahrgang 1967, weiß zwischen beiden Eigenschaftswörtern klar zu unterscheiden: „Alleine ist man, wenn man sein Leben auf andere Menschen ausgerichtet verbringt, diese aber gerade nicht zuhanden sind, wie Heidegger es nennen würde.“ Einsam hingegen sei man, so Poschardt, „wenn man diese Ausrichtung auf andere eben nicht besitzt, weil sie einem genommen wurde oder man sie sich selbst genommen hat.“ Ist es jetzt wichtig, über diese Definitionsunterschiede Bescheid zu wissen? Sei`s drum.

Poschardt, von der Berliner Tageszeitung taz als „Personifizierung des Supersingles“ gebrandmarkt , muss sich mit jener singulären Lebensführung auskennen: Seit Jahren beschäftigt er sich schon mit klassischen, immer ein wenig im BoBo-Bereich angesiedelten Themen – so müssen seine zwei bekanntesten Werke, Cool und DJ Culture, heute noch als Quelle für jene Musikjournalisten herhalten, die glauben, die Wahrheit mit dem poppigsten aller Löffel gegessen zu haben. Man hängt dem Mann also nicht umsonst ein Etikett um, das besagt, dass es sich im Endeffekt um einen recht fad und spröde agierenden Journalisten handelt.

Und auch seine Biografie unterstreicht diese These so halbwegs: Poschardt, in Nürnberg geboren, war Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung, Creative Director der Welt am Sonntag und ist zurzeit Chefredakteur der im Februar dieses Jahres gegründeten deutschen Ausgabe von Vanity Fair. In seinem aktuellen, vom Münchner Piper Verlag vor kurzem in einer Taschenbuchausgabe wiederveröffentlichten Buch Einsamkeit – Die Entdeckung eines Lebensgefühls deutet er unter anderem auf einen fatalen Irrtum hin: Dass Einsame nicht (auch) glücklich sein können.

„Wer Einsamkeit aushält, kann lieben“

Es gibt Menschen, die hängen einer total romantischen Version der Einsamkeit nach. Andere wiederum halten Einsamkeit für den Teufel. Beide haben Recht. Und auch nicht. Denn, so erklärt es zumindest Poschardt in seinem Buch, es gibt zwei Seiten: Glückliche, ja lustvolle sowie stark depressive Einsame. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass bewusst gewählte, aber auch unfreiwillige Einsamkeit existiert. All das vermengt der Autor zu dem Rat, man solle doch möglichst glücklich sein.

Er weist auf den schlechten Ruf der Einsamkeit hin, beschreibt diesen jedoch als unbegründet: „Ich genieße Einsamkeit, weil sie immer endlich ist. Weil sie ein Freund und keine Krankheit ist. Und weil ich gelernt habe, mit ihr zu leben. Sie ist ein Kraftfeld von Ruhe, Schönheit und Konzentration und sie ist ein Motor.“

Schön und gut. Am Ende der Lektüre stellt sich trotzdem nur eine nüchterne Erkenntnis heraus: „Nur wer Einsamkeit aushält“, so Poschardt, „kann lieben.“ Oder vielleicht doch zwei? „Jeder ist einsam.“

Das Buch Einsamkeit – Die Entdeckung eines Lebensgefühls ist vor kurzem im Piper Verlag erschienen.

Links


Printer Icon



AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

Newsfeed Icon Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop