2007-04-02 00:11:09
Seit nunmehr einem Jahr existiert die Musiktankstelle im Wiener MuseumsQuartier. Dort sprudeln aus den Zapfhähnen Schätze der österreichischen Popkultur. Ein Bericht direkt aus der „Electric Avenue“.
Einmal voll tanken...
Das seit 2004 existierende Projekt „Musiktankstelle MuseumsQuartier“ – kurz MTMQ – geht hinsichtlich Downloadmarkt einen anderen Weg: Es versucht „Goldschätze der österreichschen Popkultur“ gegen einen gewissen Betrag zur Verfügung zu stellen.
Betreiber des MTMQ ist das Skug Resarch Archiv, geläufig als SRA. Entstanden ist diese Idee – wie das bei vielen anderen Hirngespinsten des Lebens auch so der Fall ist – an einem Abend im Jahre ‘93 unter Einfluss von Alkohol.
Dass das Ganze keineswegs eine „Schnapsidee“ war, zeigt die seit zwölf Jahren erfolgreich verrichtete Arbeit des Teams und der beiden Innovatoren Johnny Dibon und Fadi Dorninger: rund 270.000 erfasste Datensätze, 58.000 Musiktitel, 3.500 Coverabbildungen, 7.900 Bands, usw.
...mit superguter Musik, bitte!
Die Tanks der Musiktankstelle sind derzeit mit knapp 2.700 Tracks gefüllt. Gezapft wird von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 13.00 bis 20.00 Uhr. Dabei reicht die musikalische Palette von Songs, bei denen sich meine Eltern vielleicht zum ersten Mal geküsst haben, bis hin zu den aktuellsten Remixen von heimischen Interpreten.
Genutzt wird das frei zugängliche Musikarchiv im Sommer deutlich mehr als im Winter, und bei den Benutzern handelt es sich laut Johnny Dibon um Laufkundschaft und Touristen. Aber es kommen auch Menschen gezielt in die Musiktankstelle, um ihre Lieblingstracks zu suchen.
Der Zugang zum Archiv erfolgt vor Ort mittels stationären Computern. Findet man seine musikalischen Schätze mittels Probehören im Archiv, braucht man einfach nur mehr den Tankwart zu rufen. Dieser übernimmt dann das Brennen der gewünschten CD. Nach ein paar Minuten ist der Vorgang abgeschlossen, und die CD wechselt gegen einen dementsprechenden Betrag den Besitzer: Pro Track werden 99 Cent verrechnet. Hinzu kommt noch eine einmalige Gebühr von zwei Euro für die Verpackung samt dazugehöriger Tracklist.
Auf der Straße der Innovation
Die Musiktankstelle befindet sich in der so genannten „Electric Avenue“, mitten in den barocken Hallen des quartier 21. In dieser innovativen Avenue findet man unter anderem auch den Cheap Shop, den La fábrica de la suerte Shop und das Headquarter von Monochrom. Die Lage ist somit für Johnny Dibon perfekt, aber leider kann er wegen finanziellen Gründen den guten wirtschaftlichen Standort nicht voll und ganz ausnützen. „Das Teuerste ist leider immer das Menschenmaterial – sprich Honorarnoten der Mitarbeiter – und deshalb können wir uns wegen dem knapp bemessenen jährlichen Budget einfach nicht mehr Mitarbeiter leisten“, gibt Johnny zu verstehen. Bezüglich Förderungen von Kulturprojekten ärgert sich Johnny über mica (music information center austria). „Für das Projekt European Music Navigator wurde das ganze Geld sinnlos verblasen und somit nehme ich der mica die Kompetenz nicht ab. Das ist jetzt mein Problem, das ich mit Ihnen habe. Ich glaube, dass sie das nicht können, zumindest was sie bis dato in ihrem bisherigen Dasein gezeigt haben.“ Weiters merkt er an: „Das Ganze findet in einer Geldebene statt, die unter dem Radar der Kontrollfunktionen des Bundeskanzleramtes und/oder der EU liegt.“
Die Ziele für die Zukunft der Musiktankstelle definiert J. Dibon so:
„Das Ziel der Musiktankstelle ist die Volldigitalisierung des gesamten Archiv-Bestandes – es beinhaltet mittlerweile rund 57.000 Nummern – in die bestmögliche, und zwar CD-Qualität. Es soll ein Gedächtnis, angefüllt mit österreichischer Popularmusik und den dazugehörigen Metadaten, entstehen.“
Ist Geiz geil?
Der große Vorteil – den die Musiktankstelle hat – ist, dass das angebotene musikalische Material zum Großteil weder im CD-Fachhandel noch im Internet erhältlich ist.
Der Nachteil liegt im Internet, denn gratis downgeloaded wird dort nämlich was das Zeug hält. Verlangt man aber Geld dafür, zeigt sich die Gesellschaft knauserig und viele verstehen dann die Welt nicht mehr: „Was?! Für Musik zahlen?!“
Somit haben es legale Download-Plattformen einfach schwer, sich durchzusetzen. Es sei denn, es findet in den Köpfen der Verantwortlichen ein Umdenken statt.
Zum Abschluss sei noch eines erwähnt: Bei meinem persönlichen Ranking CD vs. MP3 gewinnt immer noch die gute alte Schallplatte.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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