2007-04-02 00:15:55
Mit Toni Morrisons Debütroman „Sehr blaue Augen“ aus dem Jahr 1970 geht die Gratis-Aktion „Eine Stadt. Ein Buch.“ in die 5. Runde.
Einmal im Jahr werden 100.000 Exemplare eines Buches zur freien Entnahme in Büchereien, Schulen und anderen öffentlichen Plätzen ausgelegt. Diese Gratis-Aktion in Wien heißt „Eine Stadt. Ein Buch.“ und fand vom 14.-19. November 2006 zum 5. Mal statt.
Die Idee
Angelehnt ist die Idee an die Aktion „One Book, One Chicago“ aus den USA, wo ein Buch ausgewählt und öffentlich diskutiert wird. Der Unterschied zur Wiener Aktion besteht darin, dass das Buch bei uns gratis ausgeteilt wird.
Nach der Premiere im Jahr 2002 mit Frederic Mortons „Ewigkeitsgasse“ folgten Imre Kertész mit „Roman eines Schicksallosen“, Johannes Mario Simmel mit „Das geheime Brot“ und John Irvings erster Roman „Lasst die Bären los“, dessen Handlung sich größtenteils in Wien abspielt. 2006 wurde nun Toni Morrisons Debütroman „Sehr blaue Augen“ (OT: „The Bluest Eye“) aus dem Jahr 1970 verteilt.
Das Buch
Der Roman handelt von einem schwarzen Mädchen namens Pecola, das im Amerika der 40er Jahre lebt. In dieser von Rassismus und Armut geplagten Zeit, wünscht sich Pecola blaue Augen. Denn sie denkt, dass jeder sie lieben und ihr vor allem Beachtung schenken würde, hätte sie ebenso blaue Augen wie all die Mädchen, die hübsch sind wie Puppen, blonde Löckchen und blaue Augen haben und von allen geliebt und verhätschelt werden. Solche Mädchen stammen aus privilegierten Familien, haben genug zu essen und ein schönes Zuhause.
Pecola hingegen lebt in einer kleinen verfallenen Ein-Zimmer-Wohnung über einem alten Geschäft, zusammen mit ihrem Bruder, dem immer betrunkenen Vater und ihrer gefühllosen Mutter. Sie fühlt sich hässlich und unsichtbar. Sie wird niemals beachtet und von niemandem geliebt. Dass sie schwarz ist, macht alles noch schlimmer. Schwarze können sich nicht aussuchen in welchen Park sie gehen möchten, wo sie einkaufen oder wie sie ihr Geld verdienen. Schwarze sind in der Gesellschaft nicht gern gesehen. Sie werden schlecht behandelt oder ignoriert.
Die Haupthandlung wird in der Ich-Form von einem Mädchen namens Claudia erzählt. Sie beobachtet das Geschehen aus ihrer kindlichen Perspektive und beschreibt die Erwachsenen um sie herum.
Unterbrochen wird diese Handlung durch Berichte über das Leben der Hauptcharaktere. Das Leben von Pecolas Mutter wird ebenso beschrieben wie das Leben ihres Vaters. Das Buch erzählt, wie das Leben dieser Personen von Geburt an verlief, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten und wie sie zu dem wurden, was sie sind.
Ebenso wird auch das Leben einiger anderer Figuren im Buch beschrieben, wodurch der Leser ihr Handeln besser verstehen kann. Die Schilderungen der Lebensgeschichten helfen dabei, sich besser in die Figuren einzuleben, ihre Gefühle und Taten zu erfassen.
Auf diese Weise thematisiert Toni Morrison das Problem Rassismus mit viel Tiefgang. Sie zeigt auf, welche Auswirkungen rassistisches Verhalten auf den Betroffenen, in diesem Fall ein kleines unschuldiges Mädchen, hat.
Die Geschichte enthält einige tragische Augenblicke und ist bekümmernd und schwermütig. Trotzdem schildert die Autorin das Leben der Menschen in dieser Zeit mit viel Feingefühl, erwähnt auch positive Aspekte und ruft ein Gefühl der Nostalgie hervor. Nicht selten kann sich der Leser mit Claudias kindlicher Meinung identifizieren und erinnert sich dabei an die eigene Kindheit zurück.
Immer noch aktuell
Das Buch bietet einen interessanten Einblick in das Leben der Afroamerikaner im Amerika der 40er Jahre, beschränkt sich aber in der Problematisierung der Rassismusfrage nicht nur auf diese Gesellschaftsschicht. So ist das Buch auch im Hier und Heute noch aktuell.
Einzig die Sprache, die von der Autorin benutzt wird, ist problematisch, da sie auf Deutsch leider nicht zu übersetzen ist. Die Figuren sprechen untereinander in einem typischen Slang, weshalb das Buch am besten auf Englisch gelesen werden sollte.
Unfähig sich selbst zu beschreiben...
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