2007-04-02 00:11:13
Madsen, eine Band aus Deutschland, greift bei ihrem Debütalbum tief in die Schublade der Indiepop-Epigonen und vergisst dabei völlig auf ihr eigenes Gesicht.
Zurzeit stehen im deutsprachigen Raum Bands wie Silbermond, Juli - und wie auch immer sie noch alle heißen mögen - bei den dort ansässigen, auf Kommerz getrimmten Radiosendern ganz oben auf der Playlist. Dabei wirken sie allesamt wie am Reißbrett konstruierte Modelle, die für Erfolg bürgen und unsere deutschen Nachbarn aus der Musikkrise führen sollen, die meiner Meinung nach sowieso nur an den Haaren herbei gezogen ist.
Dieser musikalische Strudelteig scheint durch die unterstützende Promotion-Maschinerie voll und ganz aufzugehen: Ausweichen kann man diesen Bands nur schwer - denn auch die Videos dieser Bands rotieren auf den im Fernsehen zu sehenden Musiksendern MTV und VIVA, die sich im übrigen bei mir immer öfter und dazu noch ganz von selbst ins Abseits befördern, in einer Endlosschleife. Ach, wie schön war es doch noch zu VIVA2-Zeiten…
Der Ausverkauf des Indie-Daseins
Nun gesellt sich zu den oben erwähnten „Rettern der abendländischen Popkultur“ auch noch eine „Boygroup“ namens Madsen aus Deutschland. „Die Perfektion“ heißt die erste Single-Auskoppelung aus ihrem Erstlingswerk "Madsen", welches ab 9. Mai im Handel erhältlich sein wird. Gespielt wird dieser Song auf und ab in allen Radiostationen, was auch aus einer gewissen Sichtweise verständlich ist: Denn die Musik ist einfach gestrickt und der Text ist leicht zu merken. Im Zeitalter von Schnappi somit gerade richtig konzipiert für den Musikmarkt.
Madsen schielt mit ihren Texten dabei in Richtung allgemeiner Herz-Schmerz-Gefühlsebene.
Dargebracht werden die abgelutschten, schon alle einmal gehörten Texte von Sebastian Madsen in einer adoleszenten Lowtzow-Stimme.
Der Song "Im Dunkeln" orientiert sich beinahe eins zu eins an der Melodie von dem damaligen Tocotronic-Song „17“ aus dem Album „K.O.O.K.“.
Nun gut, es gibt wohl Schlimmeres, als mit Tocotronic verglichen zu werden. Aber, wo bleiben denn da die Eigenständigkeit, das eigene Gesicht, die Ideen und der Idealismus einer Band?!
Die Songs bruzeln im ranzigen Pop-Öl
Die restlichen Song schwimmen allesamt im abgestanden Pop-Öl von Vorgestern.
Die Brüder Madsen orientieren sich dabei ständig an Songs von Tomte, Tocotronic, Wir Sind Helden, Sporfreunde Stiller, Superpunk, usw.
Bei diesen Bands wurde brav abgeschaut und danach wohl frei nach dem Motto „Hier ein bisschen weniger, dort ein wenig mehr“ vorgegangen.
Die Musik von Madsen ist nichts anderes als eine über die Bürste des Mainstreams geföhnte Indiepop-Welle, die in mir ein Gefühl hervorruft, welches man auch als tiefste Verzweiflung/Resignation deklarieren könnte.
Nichtsdestotrotz werden viele Leute an dieser Musik gefallen finden, und somit dürfte auch die deutschsprachige Popwelt fürs Erste einmal gerettet sein! Gott sei Dank – denn was wären wir nur ohne Bands wie…ach, jetzt fällt es mir nicht mehr ein - ähhh? Na, ihr wisst schon, wen ich meine…
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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