Tony Gatlif erzählt in seinem Film TranSylvania die Geschichte einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrer großen Liebe ein Land findet, das sie nicht so schnell wieder loslässt.
Transsilvanien ist den meisten Menschen eher als Heimatort des berüchtigten Graf Dracula bekannt. Doch Jenseits von Blutsaugern und Särgen hat dieser Landfleck auch anderes zu bieten. Eine interessante Geschichte nämlich, widersprüchliche Einwohner und eine atemberaubende Landschaft. Diese Eigenschaften verpackt der Regisseur Tony Gatlif in einer filmischen Odysee.
Die junge Französin Zingaria (Asia Argento) begibt sich auf die Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Dieser ist aus Frankreich abgeschoben worden, zurück in seine Heimat Transsilvanien. Mit ihrer Freundin Marie (Amira Casar) und der Landeskennerin Luminitsa (Alexandra Beaujard) fährt die Frau durchs Land und findet den Geliebten schließlich. Da dieser sich wieder entliebt hat und nichts mehr von der kurzweiligen französischen Liebe wissen möchte, beschließt Zingaria ihre Reise fortzusetzen. Eine ziellose Reise beginnt.
Ein Leben als Zigeunerin
Zingaria tauscht ihre edle Couture gegen einfache Kleidung, die sie schichtartig und in Farben, die nicht zusammenpassen, trägt. Tchagalo ein Heimatloser gespielt von Birol Ünel wird ihr Wegbegleiter. Im Laufe der Zeit verändert sich Zingarias Verhältnis zu dem Mann, der sich vom Wegbegleiter zum Liebhaber bis zum Vater für ihr Kind wandelt.
Die langsame Annäherung zweier Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit noch unterschiedlicheren Zielen wird von Regisseur Tony Gatlif sehr behutsam dargestellt. Im Film dominieren lange Autofahrten, bei denen minutenlange Sequenzen mit Landschaftsbildern vorherrschen. Gesprochen wird in TranSylvania nur das nötigste. Und wenn doch, dann ist es eine Mischung aus Englisch, Französisch, Deutsch und einheimischen Dialekten.
Trotz der kaum vorhandenen Dialoge schafft es Gatlif die Beziehung zwischen Zingaria und Tchagalo realistisch darzustellen. Obwohl der Regisseur sehr wenig von seinen Figuren zeigt, ist das Ende, das das Entstehen einer Familie einläutet, doch sehr rührend.
Klischees und Authentizität
Tony Gatlif bringt viele Klischees, die über Rumänien vorherrschen. Das Land ist arm, das Volk ist lebenslustig. Musik bestimmt den Alltag der Menschen. Das Erbe der Großmutter wird an dubiose Nomaden verhökert.
Der Versuch mit verbildlichten Klischees eine gewisse Authentizität zu erzeugen, ist sehr einfach zu durchschauen. Auch das Drehbuch hält sich nicht an die sonst vorherrschende lineare Dramaturgie. Die beiden Frauen, die Zingarina am Anfang des Films begleiten, verschwinden ohne weitere Beachtung. Tchagalo taucht wiederum aus dem Nichts in Zingarinas Leben auf.
Dennoch ist TranSylvania ein Film für all jene, die gerne einen Roadmovie abseits der Route 66 sehen wollen. Der Film ist ein Portrait Transsilvaniens ohne Graf Dracula, voll gespickt mit hübschen Landschaftsaufnahmen. Obwohl die Charaktere ein wenig zu oberflächlich angesiedelt sind, lernt man doch ein fremdes Stück Transsilvanien kennen.
Filmstart in Österreich: 27. Dezember 2007
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
Newsfeed von Lena Fürnkranz abonnieren