Bloc Party, eine der meist gehypten britischen Bands 2005, melden sich mit ihrem heiss ersehnten zweitem Album „A Weekend In The City“ zurück.
Eines gleich vorweg: Der Grundstil der Band hat sich nicht weltbewegend verändert, trotzdem gibt es so einige feine Neuerungen, die das Zweitwerk noch interessanter und vielschichtiger machen als das explosive Debüt „Silent Alarm“.
Matt Tong, Gordon Moakes, Kele Okereke, Russell Lissack (v.l.)
Foto: (c) fmservice.at
Mit dem sperrig und leicht unkoordiniert wirkenden Opener macht es einem die Band zunächst nicht gerade einfach, sich im heiß ersehnten 2. Album einzufinden. Was aber gleich auffällt, ist Kele Okerekes Stimme bzw. dessen Stimmenvielfalt, denn hier werden vielschichtige Chöre aufeinander getürmt und die Hauptstimme klettert aus dem Bassbereich bis in höchste Falsettlagen. So facettenreich und ausgefeilt hat man im britischen Gitarrenrock schon lange keine Vokalarrangements mehr gehört. Und Kele Okereke zählt damit einmal mehr zu einem der gegenwärtig stärksten Sänger in dieser Sparte. Auch textlich wagt sich der farbige Sänger/Gitarrist/Songschreiber weit heraus und singt sehr direkt und persönlich über Drogenerfahrungen, Gewalt auf den Strassen Londons, Rassismus oder die Suche nach Liebe.
Ähnlich facettenreich tönen auch die einzelnen Nummern – ohne, dass das Album inhomogen wirkt. So trifft etwa das düsterste Stück des Albums „Where Is Home?“, das mit perkussiven Maschinenpistolen-Salven eine unheimlich-aufwühlende Stimmung erzeugt, auf die wohl bisher schönste Bloc Party-Nummer „Kreuzberg“, die von vermeintlich gefundener und wieder verlorener Liebe (angesiedelt in Berlin) erzählt. Die gedämpfte Stimmung und Moll-Elegie des Albums wird einzig durch das sehr euphorisch heraus stechende Stück „I Still Remember“ kurz unterbrochen.
I
I have decided
At twenty-five
That something must change
…
After sex
The bitter taste
Been fooled again
The search continues
(Kreuzberg)
Es ist genau diese Mischung aus schwer verdaulichen, von hektischen Beats und schreienden Gitarren angetriebenen Stücken einerseits und gefühlvollen Popsongs auf der anderen Seite, was Bloc Party ausmacht. „Partyband“ sind sie nach wie vor keine, dazu sind die Akkorde zu düster, die Texte zu ernst. Das einzige, was immer noch in Richtung Dancefloor abzielt, sind Matt Tong´s genial treibende Breakbeat-Drums – neben Okereke´s eindringlicher Stimme wohl das Markenzeichen der Band.
Insgesamt fällt „A Weekend In The City“ melodischer und sanfter aus, als das Erstlingswerk, sei es die hübsche Glockenspiel-Melodie in „Waiting For The 7.18“ oder das gemächlich anwachsende Streicherensemble in „On“. Und auch die vier letzten Stücke des Albums schwimmen mehr auf der Welle des melancholisch-melodischen Gitarrenpop Marke U2 oder Coldplay – die zukünftige Marschrichtung von Bloc Party? Egal wohin es geht, „A Weekend In The City“ zählt für mich schon jetzt zu den besten Alben des Jahres 2007!
Konzerttipp: wer sich das ganze live nicht entgehen lassen will, sei die Österreichische Livepremiere des Quartetts am 5. Mai im Wiener Gasometer wärmstens empfohlen!