2007-04-02 00:11:03
"Some Cities" nennt sich das neue Album von den Doves. Die Musik des Trios aus Manchester zeigt sich darauf weniger episch als auf den Alben zuvor.
Eigentlich hießen die „Doves“ einmal „Sub Sub“ und eigentlich spielten sie keinen Rock, sondern Dance. Auf ihrer Mini-LP „Coast“ verbanden sie elektronischen House und Techno mit Rock-Elementen. Von dieser Strömung sind nach einem Brand Mitte der 90er bei dem nicht nur alle Aufnahmen, sondern auch das ganze Equipment vernichtet wurden, nur mehr Rock mit einer dezenten, elektronischen Note übrig geblieben. „Doves“ nannten sie sich nach dieser Katastrophe und im Jahr 2000 erschien ihr Debüt „Lost Souls“, zwei Jahre später „The Last Broadcast“ und im kalten Februar 2005 überraschte uns ihr aktuelles Album „Some Cities“, das das Leben in einer Großstadt skizziert.
Die Platte ist gegenüber ihrer Vorgänger weniger episch ausgefallen – die Songs präsentieren sich live-tauglicher, direkter und kürzer. Jimi Godwin, der Schulfreund der Zwillingsbrüder Jez und Andy Williams und Singer-Songwriter der Band, ließ sich während einer Reise durch Großbritannien von vielen englischen Städten inspirieren, deshalb handeln seine Texte auch von der urbanen Hektik und dem Schrei nach Ruhe. Besonders in der Heimatstadt der Zwillingsbrüder, Manchester, hat sich in den letzten acht Jahren vieles geändert. Laut Jimi hätten viele Monumente ihren Charakter verloren, weil diese von sterilen Neubauten quasi „verdrängt“ wurden.
Der Opener des Albums trägt den gleichen Namen wie die Platte und rockt nett dahin, gute Ansätze sind vorhanden, jedoch verfällt der Sänger Jimi oft in einen leiernden Tonfall, der trotz der Absicht so zu klingen, wie er klingt, dem Hörer schon bald auf den Nerv geht. Die interessantesten Gitarrenriffs der ganzen CD sind wohl die während der ersten Minute des Liedes „Almost Forgot Myself“, sie verströmen Wohnzimmerstimmung und ein Gefühl von Geborgenheit, leider werden sie mit dem Einsetzen von Jimis Stimme geändert und das Lied verliert seine wohltuende Gemütlichkeit. Das darauf folgende Lied, „Snowden“, hört sich wie ein warmer Nieselregen an, der aber wegen seinen niedlichen „Glöckchenklängen“ durchwegs Charme hat. Obwohl sich das Album im Großen und Ganzen mehr am Rock orientiert, findet man auf ihm genug sphärische, schauerliche und ruhige Momente, wie in „The Storm“ oder „Shadows of Salford“.
„Some Cities“ ist ein durchschnittliches Album, das zum Hinsetzen und mehrmaligen Anhören einladet, jedoch nicht überzeugt. Die „Doves“ scheinen bei ihrem letzten Album ihre eigene Linie ein wenig vergessen und sich zu viel an anderen Bands orientiert zu haben, so hören sich gewisse Gitarrenriffs des Liedes „Sky Starts Falling“ gleich - nur etwas langsamer - an als die des Lieds „I can’t win“ vom zweiten Album der Strokes („Room on fire“).
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
Newsfeed von Marco Weise abonnieren