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Ein Großer Brauner mit Suzie Kerstgens.

  • klee Suzie Kerstgens
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Heiße 34°C brennen auf den Straßenbelag. Mindestens genauso viel wenn nicht sogar mehr strahlt der Asphalt böswillig zurück und dennoch wird sich gern aufs gegrillte Rad geschwungen. Die Belohnung für die Marter ist es wert.

Sie ist blond, hat strahlende Augen und ist die Sängern von der deutschen Band Klee. Beschimpft manchmal Blumen als fette Hennen, täuscht gerne vor Kellnerin zu sein, findet, dass Texte schreiben nicht therapeutisch ist und hat die Definition für “britisch sein” parat. Britisch sein, das wirft man nämlich Klee gerne vor, nur was das genau bedeutet, das kann man sich dann selbst aus den Fingern saugen. Ist Britisch sein erstrebenswert, und wieso ist eine deutschsprachige Band aus Köln eigentlich so?

“Eigentlich ist es ein Kompliment!”


Schießt es aus Suzie. “Großbritannien mitsamt dem restlichen angelsächsischen Bereich ist Mutter und Vater des heutigen Pop. Musik hat in Deutschland eine Sonderstellung. Es ist immer noch ganz klar aufgeteilt und wie ein Zwang, dass Leute,  die - wenn sie eingewisses Alter erreicht haben -, das und das hören müssen und dann noch später darf man sich gar nicht mehr für neue, jüngere Musik interessieren, sonst ist man ja sowieso plemplem oder ein Exot. Das gibt’s halt glaube ich in England nicht.” Und während sie ihr Wasser trinkt, erzählt sie von Sechsjährigern, welche Oasis Songs oder auch The Beatles genauso wie ein Achtzigjähriger hören. "Oma und Enkel tanzen dort dazu um den Wohnzimmertisch und können mitsingen. In Deutschland gibt es noch dieses Nischendenken.” Bekrittelt sie die Gesellschaft und führt weiters aus, dass sie mit englischsprachiger Musik aus den 80er Jahren groß geworden sind und dadurch einen internationalen klaren, auf den Punkt getroffenen Sound ihr eigen nennen dürfen.

Mittlerweile sollte der große Braune eigentlich kalt sein , doch der kleine Alutisch hat ihn brav warm gehalten. Innerlich kommt mir ein kleines Juhu aus und ich beginne den fast köchelnden Kaffee mit Zucker zu veredeln. Das Album von Klee ist sehr Herzschmerz lastig. Sind die guten Drei die diese Texte schreiben wirklich so traurig und breiten vor uns Hörern einfach so Intimstes aus, oder leiern sie ewig gleiches runter weil das Publikum nach solchem verlangt. Giert die Meute nach verletztem Stolz und Liebesgesäusle und will gar nichts anderes mehr hören? Und wieso eigentlich lassen die Klee Leute plötzlich einen anderen ans Mischpult. Hat doch Andreas Herzig nun auch die Klee Regler bedient, fernab vom Lindenberg Udo Mischer.


“Andreas Herzig is halt ne coole Haut”


So die Sängern. “Das ham wir ja auch zum ersten Mal gemacht. Die Jungs, Tom und Sten, haben das Album schon alleine produziert” erklärt mir Suzie und erzählt des weiteren von einem ereignisschweren Abend in Köln, an welchem sie sich einmal kennen gelernt haben und gemerkt haben dass er verrückt und ernsthaft genug ist und genau versteht worauf die Frontfrau, Sten und Tom eigentlich hinauswollen.
“Wir haben uns dann entschieden, für ein paar Songs mit ihm zusammen zu arbeiten. Das hat einerseits mit Geld zu tun, andererseits aber damit, dass wir es auch selber können und auch selber machen wollten. Wir wollten auch nicht alles aus der Hand geben. So war es richtig.” Emotionen, die können sie beim Schreiben nicht vortäuschen. Das hat keiner der drei gelernt. “Solche Texte zu schreiben macht natürlich verletzbarer nach außen hin aber gleichzeitig auch stärken sie, weil du zwar angreifbar bist, aber du dich nicht verbiegst und nicht unehrlich bist. Somit bleibt man aufrecht! Im normalen Leben ist es ja auch so, dass, sobald man Geschichten von andren Leuten erzählt und sie zu seinen eigenen macht, man ein komisches Gefühl hast, oder?”

Gar nicht enden soll der schöne Nachmittag und die saunaähnlichen Temperaturen sind schon fast vergessen, wäre da nicht das Wasser zum Kaffee welches offensichtlich gerade dabei ist, zu verdampfen. Innerlich gare ich vor mich hin und stelle mir einen Urlaubstag im Süden vor. Passend ist die Assoziation mit der Türkei, und so kommen wir auf Istanbul zu sprechen.


“Wir waren alle vorher noch nie da und man hast schon so gespürt, dass sich dort zwei Kontinente küssen.”


“Irgendwie ist es schon Ende oder Anfang von Europa und Ende oder Anfang von Asien. Die Leute sind unglaublich neugierig und da und offen und lebendig. Eben diese Neugierde strahlt eine Energie aus. Es war unglaublich! Und dann ist da die Fremde, dieses Spannende, für uns ganz Neue. Wenn man in diese Stadt kommt, wirken dieses Lebendige, diese anderen Gerüche und die bunten Farben einfach auf einen ein.” Schwärmt sie feurig und ihre Augen funkeln durch die Sonnenbrille. “Wir sind eingeladen worden, um in einem Club zu spielen und unsere Musik zu zeigen. All das wirkte so in den Abend mit ein. Es war unglaublich spannungsvoll und energiegeladen. Danach sind wir von Leuten, die da waren, eingeladen worden. Wo man auch echt so dachte „Naja nee kenn wa jetzt nicht. Ich geh ja jetzt nicht mit denen auf so 'ne Dachterasse bei denen zu Hause und so. Nachher is der irgendwie böse, oder so. Und null!“ Wo man sich dann im nachhinein denkt: “Eh was biste eigentlich für eine blöde Kuh, dass du dieses Denken mit dahin nimmst!” Es war ein fantastische Abend!” Schnauft sie begeistert und redet immer schneller. “Wir waren bis morgens um sechs dort. Ich musste vom Hotelmanager, unserem Tourmanager und unsrem Gitarristen mit dem Hauptschlüssel aus meinem Hotelzimmer heraus geholt werden, damit wir das Flugzeug nicht verpassen. Ich wollte nicht schlafen. Ich wollte keine Sekunde verpassen, von dieser Stadt, von dieser Atmosphäre. Ich wollte das alles mitnehmen. Es war der Hammer!”
“Ja, ich hab auch noch Geld über und das tausch ich auch nicht um. Ich denke mir immer ich komm sowieso zurück. Ich brauch das gar nicht umtauschen."

"Und jetzt gab es da 17 Tote."

 

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