2008-04-10 13:39:17
Verbrennt die Daunenjacken! Werft die Schals in den Kamin! Egal, dass das Thermometer morgens noch eine ganz andere Sprache spricht. Die Luft und ihr Geruch verraten, genauso wie die Sonnenstrahlen, es wird Frühling!
Und was mit dem schönen Wetter einher geht, ist ebenfalls klar. In der Sonne sitzen, allein und auch mit Freunden, dabei essen, lachen, schlafen und lesen. Mit einem Wort: picknicken.
Nun wie kommt man wohl am besten zu eben diesem Picknick? Mit dem Auto! In den Burggarten? Mit der U-Bahn! Mit vollgefülltem Korb in der Hand? Erinnert ein bisschen zu sehr an Rotkäppchen Meets Omma in se Großstadt. Mit dem Fahrrad? JA! Ganz eindeutig. Weil es draußen schön ist. Weil es den Körper stählt. Weil es gut für die Gesundheit ist. Weil es am billigsten ist.
Und in diesem Moment wird klar: Verdammt das Fahrrad vom letzten Jahr hat eindeutig ausgedient. Wöchentliche Reparaturtermine, Gastauftritte im Fahrradreparaturservice im WUK, Sechskantschlüsselaction im Gemeindebaustiegenhaus, ja so sah das Ende des letzten Sommers aus. So soll doch bitte der Neue nicht schon anfangen. Abgesehen davon war der Sitz sowieso unbequem und das Fahrrad zu klein. War es doch das von Mama. Die es sowieso nur als chices Accessoire für sonntägliche Familienausflüge nütze, als der Sprössling noch klein war.
Die Jagd beginnt
Also los gehts. Internet du guter Freund, sag mir doch, was ich kaufen soll. Auf den ersten Blick gibt’s eine Unzahl von verlockenden Angeboten, doch wer sich an die Fernsehreportagen der letzten Jahre erinnert weiß: Sind die Supermarkt Angebote im Bereich Trekkingbike zwar reizvoll, so endet jedoch meist die Freude übers neue Rad nach ein paar Metern, wenn es auseinander fällt. Sowas will man doch nicht. Doch leisten kann man sich ja auch nicht mehr.
Angebote jenseits von Gut und Böse lassen einem daraufhin das frisch erwachte Sommergefühl leicht mit Ausläufern der Winterdepression vermiesen. Die Frühjahresmüdigkeit treibt einen auch nicht sonderlich zum Preisvergleich in den verschiedensten Fahrradfachgeschäften an. Und doch. Der Wunsch ist da. Und wird immer stärker. “HACH ICH WILL EIN RAD !”. Schreit es von tief drin auf und man setzt sich wieder vor den flachen Bildschirm des Laptops und sucht weiter.
Wie groß soll es sein? Was soll es alles können? Denn die Frage nach dem Aussehen, muss bei einem Sportgerät ja egal sein. Man(n) darf nicht in ein Sportgeschäft gehen und sagen: “Ich will ein rotes Fahrrad, mit neongrünen Schutzblechen und orangem Sattel“. So sehr es auch der Wunsch wäre, man sich sogar vorm schlafen gehen noch nach eben genau diesem sehnt. Nein! Man muss fachlich bleiben und von Schaltwerken reden, von Kassetten und Lenkern. Es wird irgendwie aussehen mit irgendeinem Schriftzug drauf und vorzugsweise gar nicht dem entsprechen, was man seinem Freundes und Familienkreis als sein neuestes Objekt der Liebe und Zuneigung präsentieren möchte.
Egal. Es soll einen Gepäckträger haben, auch um heiße Mietzen abschleppen zu können, bequem sein und nicht zu teuer aussehen, sonst wird’s relativ schnell das neue Fahrrad gewesen sein. Aber auf jeden Fall soll mir des Nächtens dabei helfen, den Berg, auf welchen ich immer raufradln muss, ohne Probleme und unverschwitzt zu überstehen. Sprich, unzählige Gänge muss es sein eigen nennen. Ach ja und groß genug muss es sein. Das Letzte war ja schließlich etwas zu klein. Mama ist, wenn man es so betrachten will, ein Oompa Loompa.
Währenddessen also das nationenverbindende Informationsnetzwerk, abgesehen von China, Burma, Tibet, Nordkorea und anderen Regimen, aber da will man ja sowieso kein Fahrrad her haben, nach heißen kostengünstigen idealen Fahrradangeboten durchforstet wird, ist die Rettung eigentlich gerade am Mobiltelefon und brabbelt etwas vom Mensagewinn des letzten Jahres.
Die Erlösung sie ist doch so nahe!
Hat doch tatsächlich ein Freund in der Mensa täglich Bier getrunken und sich auf einem Mensa Stempelkärtchen eben diese alkoholischen Getränke, wie auf einer Bonuscard, abstempeln lassen. Diesen Wisch eingeschickt und dann einfach brav weiter getrunken und auf einen Gewinn gehofft. UND GEWONNEN! Der Hintergedanke war natürlich nicht, den so teuer erworbenen Bierbauch mit dem neuen Fahrrad wieder abzutrainieren. Nein! Verkaufen und in neues Bier investieren, das war und ist der Plan.
Fasziniert blicke ich auf die dazugehörigen Fotos im Internet und schließe inzwischen alle anderen Fenster die mit Fahrradherstellern und Vertreiben zu tun haben sukzessive.
Mein neues Fahrrad ist ein Hardtailbike. Passt! Glaube ich. Wie groß es ist? Keine Ahnung! Ob es einen Gepäckträger hat? Nein! Nein auch keine Kotflügerl. Licht ist auch nicht drauf. Aber! Es ist Weiß - Metalic Blau und es steht Zwettler drauf. Dankeschön, auch wenn ich es nicht trinke!
Komm sie komm sa
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