2007-04-02 00:10:10
FM5 traf Andreas und Carl im Posthof Linz und sprach mit ihnen über ihre Vergangenheit, ihre Musik und ihr neues Album.
FM5: Jetzt kommt bald euer neues Album und wir fragen uns natürlich wie es mit Bauchklang weitergeht, wie das neue Album klingen wird und ob es wirklich „beatlastiger“ wird?
Carl: Also, ein Ding braucht solange Zeit wie es Zeit braucht.
Andreas: Es gibt einen Pool von Songs, die in den letzten eineinhalb Jahren entstanden sind. Das Rohmaterial, wo die Richtung zwar definiert, aber noch nicht fertig gedacht und produziert ist, existiert. Auf jeden Fall wollen wir, dass die Beats fetter werden, damit die Songs dieselbe Kraft und Energie haben, wie bei unseren Live-Auftritten.
FM5: Der Groove war für euch immer wichtiger als die Texte. Ist das noch immer so oder versucht ihr in Zukunft mehr auf den Text einzugehen?
Andreas: Bei den neuen Nummern gibt es Inhalte die wir transportieren wollen, die zum Teil von mir und zum Teil von der Band kommen. Das geht von kleinen „banalen“ Gefühlen bis zu Texten, die sich mit dem Zeitgeschehen beschäftigen. Wir wollen so Botschaften aussprechen, die uns wichtig sind.
FM5: Wie entstehen eure Songs? Bei einer klassischen Band kommt zuerst die Melodie, dann das Schlagzeug, dann irgendwann die Stimme und der Sound. Wie funktioniert das bei „a capella“?
Carl: „A capella“ ist eigentlich nicht wirklich der richtige Ausdruck für das, was wir machen. Wir nennen es "Vocal Groove Project", es ist schwer zu definieren.
Andreas: Aber es stimmt. Es funktioniert nicht im klassischen Sinne. Der Groove kommt meisten zu erst, danach baut sich der Song wie ein Gerüst auf. Die Melodie hat in diesem Fall nicht Vorrang, sie kommt meist später dazu.
FM5: Also, wie können wir uns eine Probe von euch vorstellen?
Carl: Das ist eine langwierige Arbeit. Entweder es kommt jemand mit einer Melodie oder wir proben einfach darauf los, schneiden und suchen sich das Beste aus. Es kommt immer auf die Gegebenheiten an.
Andreas: Ich glaube - wie schon vorhin einmal erwähnt - dass der Groove im Vordergrund steht. Mouth Percussion und Beatbox beginnen, dann versuche ich irgendwelche Melodien zu finden. Eine Session ist bei uns daher extrem wichtig. Bis eine Nummer reift und eine Struktur bekommt dauert es. Wir müssen uns immer neu beleben um nicht im selben Schema zu bleiben. Das heißt, die Sounds weiterentwickeln und neue Beats probieren. Die Melodie kommt dann relativ spät dazu. Wir versuchen in letzter Zeit wieder die Monotonie zu verlassen, die wir eine Zeit lang bewusst gemacht haben.
FM5: Wie schafft ihr es, eure Stimmen während eines Konzertes auf so einem hohen Niveau zu halten? Gibt es bestimmte Tricks?
Andreas: Was den Energieaufwand betrifft, gibt es ein paar Unterschiede zwischen den Leuten auf der Bühne. Die Beatbox zum Beispiel ist extrem anstrengend, und es ist sogar für mich erstaunlich, wie er das durchhält. Beim Karl ist es wieder eine andere Art von Kraft, die man investieren muss, eher Konstanz, trotzdem Druck und Präzision. Es ist wohl aber auch, wenn wir es so bezeichnen wollen, ein Training. Wenn du so viel mit deinen Stimmbändern oder z.B. Kehlkopf machst, ergeben sich mit der Zeit Fähigkeiten, die Anfangs nicht in diesem Ausmaß vorhanden waren.
FM5: Was macht ihr wenn während eines Auftrittes bei jemanden die Stimme zu versagen droht, gibt es innerhalb der Gruppe irgendwelche Absprachen?
Andreas: Als wir die ersten Male in Clubs auftraten, habe ich mir die Seele aus dem Leib geschrien, war sehr euphorisch und investierte sehr viel Energie. Aber mit der Zeit akzeptierte ich, dass es gut wäre, nicht mehr Energie zu geben als notwendig, sonst hältst du irgendwann nicht mehr das gewollte Level. Wenn jemand stimmlich schlecht ist, reagieren wir, aber es gibt keine speziellen Absprachen. Wir ziehen die Show durch und wenn nötig wird eine Stimme mehr als sonst in Anspruch genommen. Zum Glück gibt es solche Vorfälle kaum bis gar nicht.
FM5: Ihr habt einmal gesagt, dass "Kruder und Dorfmeister" Vorreiter für euch sind, indem sie die Tür für die neue Musikszene in Österreich geöffnet haben, vor allem für die Elektronische. Beim Amadeus Award 2002, standet ihr dem österreichischen Musikmarkt sehr kritisch gegenüber. Jetzt gibt es goTV, der den österreichischen Musikern endlich entgegenkommt. Hat sich jetzt dadurch eure Meinung geändert?
Andreas: Durch die Achse FM4 und gotv gibt es jetzt etwas, dass Musikern vor zehn Jahren nicht zur Verfügung stand. Bei FM4 ist das Tagesprogramm zwar auch extrem kommerzig, und es gibt viele kritische Stimmen die sich wieder abwenden, aber FM4 bietet trotzdem jeder Band in Österreich eine Chance. Keiner hat mehr eine Ausrede. Ich finde diese Chance super. Gotv könnte meiner Meinung nach noch etwas mutiger sein, kleine Verbesserungen machen und einfach „ärger“ werden, denn dann könnten sie gegen VIVA oder MTV von Österreich aus einen Schritt nach vorne machen.
FM5: Können wir in Zukunft Bauchklang-Videos erwarten?
Carl: Alles zu seiner Zeit würde ich sagen. Zuerst kommt das Material, das man hört, und möglicherweise dann das Material, das man sieht.
Andreas: Wenn es so weit ist bestimmt.
FM5: Normalerweise ist es ja so, dass Bands zuerst im Ausland Erfolg haben und dann auch in Österreich anerkannt werden. Bei euch funktionierte es umgekehrt sehr gut. Welche Bedeutung hat nun für euch ein Auftritt vor österreichschem Publikum, nach all den internationalen Konzerten?
Andreas: Natürlich eine große Bedeutung. Es macht uns viel Spaß. Der Weg von Bauchklang war extrem und "leiwand". Angefangen hat alles in St.Pölten. Unsere Musik war zu Beginn anders, die Energie war aber lustigerweise gleich. Die Interaktion zwischen der Band und dem Publikum war von Anfang an da, die Energie ist immer vom Publikum zurückgekommen. Als wir im Ausland dann das Gleiche erfuhren, war das natürlich fürs Ego cool, eine Bestätigung. Für mich war schon in Wien ganz klar, dass egal wo man ist, wir etwas gefunden haben, dass es auf diese Art und Weise bis jetzt nicht gab. Ich lebe dafür, aber manchmal ist es auch nicht so leicht sechs bzw. sieben Leute zusammenzuhalten, damit jeder zufrieden ist.
FM5: Dir ist Perfektion sehr wichtig, das Publikum sieht meist nur den Spaß, aber hinter eurem Projekt steckt extrem viel Arbeit und Ernsthaftigkeit. Wie viel Spaß ist da noch?
Andreas: Es gab eine Vision, eine gewisse Ideologie. Nämlich unabhängig zu sein und nicht gleich irgendein großes Angebot anzunehmen. Manchmal wäre es besser gewesen wenn wir schon früher bei gewissen Dingen professionell gedacht hätten. Denn unser Projekt ist sehr schnell relativ groß geworden, aber da wir indie-mäßig waren, habe ich zum Beispiel die Grafik der Homepage gemacht. Vielleicht wäre es besser gewesen, dass früher abzugeben, aber es war auf jeden Fall eine coole Erfahrung. Jetzt ist es soweit, dass wir hoffentlich einen coolen Deal bekommen, wir wollen ein Video haben und mehr Leute erreichen. Es wäre super, wenn unser Album nicht nur in Österreich, Deutschland und der Schweiz, sondern in jedem Plattengeschäft stehen würde.
FM5: Gibt es Sounds die noch möglich sind oder ist das Repertoire schon ausgeschöpft?
Carl: Wir sind immer auf der Suche.
FM5: Wenn ihr Songs komponiert und auf der Bühne steht, denkt ihr euch manchmal, dieses Instrument wäre zusätzlich super?
Andreas: Bei mir ist immer die Grundsehnsucht nach einem Keybord-Sound da, anstatt einer menschlichen Stimme, es wäre abnormal wenn das nicht so wäre. Es ist hart Sounds zu finden. Ich kann mir aber Bauchklang in Verbindung mit vielen Instrumenten gar nicht vorstellen, weil sie einfach nicht dazu passen würden.
FM5: Warum gibt es bei Bauchklang keine Frauenstimme?
Andreas: Wir haben den Männerschwur unterschrieben (lacht). Nein, es hat sich so entwickelt, mit der Tonlage hat das gar nichts zu tun. Die Frage nach einer Frau hat sich einfach nie gestellt.
Am 8.1 treten Bauchklang im Kulturglashaus Baumann beim FM5 Konzert auf.
Unser letztes Interview mit Bauchklang könnt ihr unter: http://alt.fm5.at/11_03/musik/bauchklang.php3 nachlesen.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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