Mit seiner ersten amerikanischen Produktion My Blueberry Nights schafft der aus Hongkong stammende Regisseur Wong Kar-Wai ein beeindruckendes Roadmovie, das trotz seines Sujets, der Suche nach der Liebe, nie ins Kitschige abgleitet.
Warte, ich möchte ein Stück
Alles beginnt mit einem Blaubeerkuchen. Nachdem Elisabeth (Norah Jones) im Café von Jeremy (Jude Law) erfährt, dass ihr Freund sie betrügt, lässt sie dort ihre Wohnungsschlüssel zurück, in der Annahme, ihr zukünftiger ExFreund würde sie dann abholen. Allerdings muss sie mit Erstaunen erfahren, dass Jeremy bereits ein ganzes Aquarium solcher Schlüssel besitzt und ihr wenig Hoffnung macht, dass diese jemals eingefordert werden. Fortan kommt Elisabeth Nacht für Nacht ins Café, um sich über das Schicksal ihres Schlüssels zu erkundigen. So erfährt sie dann auch, dass bei Jeremy nicht nur Schlüssel, sondern regelmäßig auch der Blaubeerkuchen am Ende eines Arbeitstages übrig bleiben. Langsam scheinen sich zarte Bande zwischen dem Cafébesitzer und der unglücklichen Betrogenen zu bilden und eine Liebesgeschichte bahnt sich an. Doch eines Tages ist Elisabeth plötzlich verschwunden.
Am Ende war es gar nicht so schwer, die Straße zu überqueren
Nach dieser Anfangsverdichtung der Ereignisse auf ein kleines Café, begibt sich der Film auf eine weite Reise quer durch die USA. Auf ihrer Suche nach der Liebe und sich selbst stößt Elisabeth auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten, wie den liebeskranken Polizisten Arnie (David Strathairn), der seine Ehe durch Alkohol zerstört hat, dessen Ehefrau Sue Lynne (Rachel Weisz), die nichts weiter will, als von ihrem Ex-Mann loszukommen oder Leslie (Natalie Portman), die nicht nur Poker, sondern auch mit der Liebe ihres Vaters spielt. Diese Begegnungen führen Elisabeth nicht nur durch halb Amerika, sondern auch zu ihrem Herzen. Deshalb steht sie 300 Tage nach ihrem überstürzten Abschied wieder vor Jeremys Café, in der Erwartung eines Blaubeerkuchens.
Manches sagt sich besser im Bilde
Wong Kar-Wais Film besticht dadurch, dass es ihm gelingt, sowohl räumliche als auch emotionale Distanzen offenzulegen und diese in poetischen Bildern zu manifestieren. Es wirkt manchmal geradezu so, als ob er versuche, dem Zuschauer sein ganz persönliches Amerika näherzubringen. Dies hilft dem Film auch über die etwas fragwürdige Besetzung der Hauptrolle durch Norah Jones hinweg. In ihrem Filmdebüt schafft sie es zwar mit natürlichem Charme in der Rolle der Elisabeth zu bestehen, fällt aber gegenüber ihren Mitspielern, die nicht umsonst zur Crème de la crème des Filmschauspiels zählen, stark ab. Da hilft es auch nicht, dass ihr Wong Kar-Wai eine „natürliche Kamerapräsenz“ attestiert und Schauspielunterricht verboten hat.
Alles in allem wird My Blueberry Nights aber voraussichtlich trotzdem zu einem der herausragenden Filmen des Kinojahrs 2008 zählen, gerade weil Wong Kar-Wai eine Bildergeschichte über das Leben selbst erzählt und sich damit von den meisten seiner Kollegen in Hollywood zu distanzieren weiß. Es entsteht „ein Farbenrausch aus traumschönen Bildern, voller Sehnsucht und Melancholie“.
Fazit: 4 von 5 Blaubeerkuchen mit Vanilleeis.
KINOSTART: 8. Februar 2008
Nobody knows the trouble I've seen.
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