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Durch den Tod zum Leben

2011-09-25 12:02:38

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Mit dem Oscar wird es wohl nichts werden, doch beachtenswert ist Karl Markovics Regiedebüt Atmen allemal.

 

Vor ihm liegt eine nackte tote Frau. Der gesamte Oberkörper aufgeschnitten und wieder zugenäht. Wahrscheinlich war die Frau Organspenderin oder sie musste obduziert werden. Aber das interessiert den Freigänger Roman Kogler (Thomas Schubert) in diesem Moment wenig. Vielmehr ist er von ihrem Namen elektrisiert: Christine Kogler. Nach seinem Dienst bei der Bestattung Wien kehrt er aufgekratzt ins Gefängnis zurück. Kurz vor der Bettruhe entschließt er sich zu telefonieren. Mit wem er spricht wird nicht ganz klar, aber was er wissen will schon: Wie heißt meine Mutter?

Ein Leben lang gefangen

Roman Kogler hatte bislang kein leichtes Leben. Schon als Baby wurde er von seiner Mutter ins Heim gegeben, wo er 14 Jahre verbrachte. Dann erschlägt er seinen Zimmergenossen. Über die Hintergründe erzählt der Film wenig. Er kommt in den Jugendstrafvollzug. Fünf Jahre sind vergangen und Roman muss nun eine Entscheidung treffen. Um seine Chance auf Bewährung zu verbessern, soll er sich einen Job in der richtigen Welt suchen. Eine Welt, die er bisher noch überhaupt nicht kennen gelernt hat. Der schüchterne und zurückhaltende Roman entscheidet sich für die Bestattung Wien.

Ins Leben

Anfangs scheint es nicht gut für Roman zu laufen. Von den Kollegen wird er gegängelt und von seinen Gefängnisgenossen fortan gemieden. Der Hauch des Todes haftet an ihm. Die tote Christine Kogler sorgt dann aber für einen Wendepunkt. Roman nimmt Kontakt mit seiner leiblichen Mutter Margit (Karin Lischka) auf und entwickelt freundschaftliche Beziehungen im Bestattungsunternehmen. Doch Rückschläge bleiben nicht aus.

Karl Markovics, der sich für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, erzählt eine berührende Geschichte, die er aber seltsam objektiv inszeniert. Fast dokumentarisch wirken etwa die Szenen in der Jugendstrafvollzugsanstalt. Jedes Mal muss sich Roman nach seiner Rückkehr von der Arbeit vor zwei Polizisten nackt ausziehen, damit diese überprüfen können, ob er auch nichts einschmuggelt. Selbst der Anus bleibt nicht ohne Kontrolle. Auch die Begebenheiten, die Roman während seiner Zeit bei dem Bestattungsunternehmen widerfahren, wirken sehr real und greifbar.

Große Leistung

Zu dieser Authentizität trägt auch Thomas Schubert bei. Der damals 18-jährige AHS-Schüler spielt seine Rolle sehr distanziert und zurückhaltend. Wie ein frisch geschlüpftes Kücken, das mit großen Augen, aber auch einer gehörigen Portion Angst in die fremde Welt hinausstolpert. Es mutet schon fast komisch an, wenn er im Zug auf ein etwa gleichaltriges Mädchen trifft, schüchtern mit ihr anbandelt und dadurch fast seinen Ausstieg verpasst. Mit seinen kurzen aggressiven Ausbrüchen nimmt man ihm aber auch den Totschlag ab, der zu seiner Haftstrafe geführt hat.

Fazit

Großes Kino ist Atmen trotz alldem nicht, auch wenn er von der Austrian Film Commission für den Oscar vorgeschlagen wurde. Besonders die Emotionen, die der Handlung eigentlich anhaften, werden filmisch nicht überzeugend umgesetzt. Markovics Inszenierung erreicht nie die Zuspitzung, die es erfordert, um den Zuschauer wirklich zu berühren. Die Geschichte plätschert beständig vor sich hin, ohne einen dramaturgischen Höhepunkt zu erreichen. Zugleich besitzen auch die Bilder nur selten kinematographische Strahlkraft. Vielleicht mag dies gewollt sein, um die rein innerliche Wandlung des Außenseiters Roman Kogler auch filmisch zu untermauern. Letztlich bleibt aber trotzdem ein fader Beigeschmack, den Atmen eigentlich nicht nötig gehabt hätte.

FILMSTART: 30. September 2011

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