Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

kreatives

Dufus im Interview.

2007-11-07 13:13:03

  • interview dufus seth
  • interview dufus seth
  • interview dufus seth
  • interview dufus seth
  • interview dufus seth
  • interview dufus seth

Dufus. Eine Band. Ein Künstlerkollektiv. Eine Familie. Alexandra Augustin und Christian Pausch haben den Mastermind Seth Faergolzia und drei seiner Kumpanen vor ihrem Konzert im Chelsea zum Interview getroffen.

Seit 10 Jahren gibt es sie nun schon. Und nun waren sie zum ersten Mal in Österreich. Dufus. Eine Band, in die man sich sofort verliebt. Oder irgendwann später. Wir haben mit Seth, Brian, Alex und Gigolina gesprochen und unglaublich viel gelacht.

FM5: Ihr kommt gerade aus dem Restaurant und da wir wissen, dass du Sauerkraut sehr gerne magst, wollten wir fragen, ob ihr denn auch welches gegessen habt?

Seth: (lacht) Nein, wir hatten leider kein Sauerkraut, aber woher wisst ihr, dass ich Sauerkraut mag?

Wir wissen alles über dich. - Unsere nächste unglaublich wichtige Frage: Was ist mit deinen Haaren passiert? Es war ja fast unmöglich, dich wieder zu erkennen.

Seth: Erm... was soll ich sagen? Alex und ich waren auf dem Weg zu einer Show nach Boston und ich hab zu ihm gesagt: „Gib mir deine Schere!“, denn meine Haare sind mir die ganze Zeit ins Gesicht geflogen, da wir die Fenster offen hatten. Und so hab ich sie alle abgeschnitten. Meine Haare, meinen Bart, meine Juden-Locken, das hat sich sehr seltsam angefühlt. Und alles was am Ende übrig blieb, ist das, was ihr jetzt sehen könnt.

Dufus
hat ja keine fixe Mitgliederzahl, deshalb ist es natürlich interessant zu wissen, wie viele heute im Chelsea auf der Bühne stehen werden? Manchmal sollen es ja schon über 20 Leute gewesen sein.

Seth: Ja, aber heute sind wir leider nur zu fünft.

Aber jeder einzelne ist doch eingeladen, bei Dufus mitzumachen.

Seth: Ja, das stimmt, wir haben heute schon ein Radio-Interview gegeben und alle Leute eingeladen, ins Chelsea zum Soundcheck zu kommen und mit uns zu spielen, aber niemand ist aufgetaucht. Vielleicht waren die alle verängstigt.

Aber wir waren dort! Wir könnten mit euch gemeinsam spielen.

Seth: Okay, das machen wir!

Auf eurer Website haben wir viele lustige Beschreibungen von Dufus rausgefunden, die Presse nennt euch 'ein außergewöhnliches Rock-Puzzle' oder bezeichnet euch als eine 'Marschmusikkappelle die aus Akkustik-Gitarren und Monstern aus der Puppet-Show' besteht. Wie aber würdest du selbst deine Band und dein Schaffen beschreiben?

Seth: (zu sich selbst) Ist es überhaupt eine Band? Es ist eine Band. Ja, klar haben wir eine Band.

Alex: Ich bin in einer Baaaand.

Seth: Wir sind alle in einer Baaaand.

Alex: Ich bin in einer Baaaand, es ist eine wirklich coole Baaaand. (die beiden lachen)

Seth: Ach, er macht sich lustig über einen Traum, den ich erst kürzlich hatte.

Oh, erzähl uns davon.

Seth: Nun, ich war in einer Highschool Cafeteria und da waren ganz viele Leute oben auf so einer Treppe und... was ist dann passiert?

Alex: Sie haben deine Halsbänder angefasst!

Seth: Nein, nein die haben meine Halsbänder nicht angefasst, die hatten Paintball Gewehre! Und die sagten: „Komm zu uns rüber!“, und ich wusste sofort, dass die mir was böses antun wollten, aber ich bin trotzdem hingegangen und dann haben die mit ihren Paintballs auf mich geschossen und einer von denen hat mich genau auf meine Halsbänder getroffen. Und ein Typ neben mir hat gesagt: „Boah, die haben deine Halsbänder getroffen!“ Und da bin ich aufgestanden und hab zu all den anwesenden Kindern gesagt: „Kommt mit! Kommt mit!“, und die sind mir alle gefolgt und wir sind die Stiegen raufgelaufen, den bösen Paintball-Leuten hinterher und als wir oben angekommen waren, bemerkte ich, dass diese bösen Kinder eine Band haben. Und die standen da alle mit ihren Instrumenten, also bin ich hingegangen und hab durch ihr Mikrofon geschrieen: „Ich bin auch in einer Band! Es ist die coolste Band auf der ganzen Welt! Und wir werden euch besiegen! Und wir heißen...“, erm...

Alex: A monstrous Attitude!

Seth: Ja genau, ich hab gesagt, meine Band heißt A monstrous Attitude! (alle lachen) Jetzt bringen wir wahrscheinlich ein Album raus, das so heißen wird. In ein paar Monaten vielleicht schon. Vielleicht sollten wir das Album mit dieser Traumszene beginnen...

Alex: Du hast ja auch schon Songs aufgrund von Träumen geschrieben, nicht?

Seth: Ja, ich habe manche Songs wirklich aufgrund von Träumen oder auch in Träumen geschrieben.

Du schreibst Songs in deinen Träumen?

Seth: Manchmal ja. (grinst)

Viele von euren Albentiteln haben etwas mit "Familie" zu tun. Ist sich die Band so nahe und schon eine Familie für dich? Ihr nennt euch ja manchmal auch Dufamily.

Seth: Dufamily nennen wir uns, wenn wir die Leute einladen, bei uns mitzuspielen, dann sind wir alle die Dufamily. Wir hatten ja erst die Show zu unserem 10.Jahrestag. Und da waren 22 Menschen auf der Bühne und viele andere, die am Bühnenrand Performances mit Puppen und solchen Sachen gemacht haben. Das war eine Menge Dufamily an einem Abend! (lacht)

Wir haben von einem deiner neuen Projekte gehört. – Du schreibst eine Rock-Oper die mit Puppen aufgeführt werden soll. Sind Puppen die besseren Menschen? Bist du so enttäuscht von den übrigen Bandmitgliedern dass du nur noch mit Puppen arbeiten möchtest?

Seth: Wisst ihr, alle Mitglieder von Dufus sind unglaublich hässlich, also dachte ich, es ist klüger mit Puppen zu arbeiten. (lacht) Diese Rock-Oper besteht einfach aus einem einzigen Bewusstseinsstrom und sie wiederholt sich nicht selbst. Sie bewegt sich immer weiter vorwärts und vorwärts. Es ist also nicht so, dass ein Song aus einem Vers und einem Refrain besteht und das dann immer wieder wiederholt wird. Es gibt drei Akte und jeder Akt dauert circa eine halbe bis dreiviertel Stunde. Es ist also ein sehr langes Stück Musik.

Und hast du alles alleine gemacht, oder waren die anderen Mitglieder auch beteiligt?

Seth: Ich bin ja noch dabei, diese Oper zu schreiben. Die Basis-Sachen habe ich schon alle selbst geschrieben, aber da kommt ja noch viel Arbeit auf uns alle zu. Es ist ein Langzeit-Projekt. Hoffentlich können wir im Winter schon die Musik aufnehmen und danach würde ich gerne einen Film mit Puppen drehen und damit dann vielleicht auch Filmfestivals bespielen und so.

Kannst du uns beschreiben wie die Puppen aussehen werden?

Seth: Ja, ein paar habe ich schon. Eine davon ist ein Business-Man, der in zwei Hälften gespalten ist. Und dann gibt es noch ein Mädchen mit einem riesigen Halbmond-Gesicht. Und einen Hummer. Und einen Werwolf. (muss selbst lachen)

Na, da sind wir aber schon gespannt! Ihr müsst damit aber auch nach Österreich kommen!

Seth: Ja, Birgit, unser Booking Agent, hat schon darüber gesprochen, dass sie versuchen wird, uns für Festivals nach Wien zu bringen.

Großartig. Aber jetzt seit ihr ja zum allerersten Mal in Wien, warum hat das so lange gedauert? Immerhin existiert Dufus nun schon seit 10 Jahren und wir haben auf euch gewartet.

Seth: Ja, es ist unser erstes Mal hier und wir haben auch darauf gewartet, endlich mal hierher kommen zu können. Wir haben auch immer versucht, Shows in Österreich zu bekommen, aber es hat erst jetzt geklappt. Dank an Birgit! Ich selbst habe es leider nie geschafft uns einen Gig zu verschaffen, obwohl ich mich wirklich darum bemüht habe. (schaut bemitleidenswert drein)

Ja, natürlich. Das kannst du jetzt leicht behaupten.

Seth: Nein wirklich! Ich habe eine riesige Liste von Clubs in Wien bearbeitet und kein einziger hat auf meine Anfragen geantwortet. Kein einziger!

Naja, jetzt seit ihr ja da. Was passiert denn eigentlich auf der Bühne, wenn Dufus ein Konzert geben?

Seth: Das ist von Show zu Show verschieden. Es kommt darauf an, wie inspirierend das Publikum ist und natürlich auch wie wir uns selbst inspirieren. Manchmal spielen wir unsere Songs einfach runter, ein anderes Mal improvisieren wir wieder sehr viel. Letzte Nacht habe ich Brian zum Beispiel auf der Bühne getreten.

Brian: Ja, er hat mich 4 Meter durch den ganzen Raum gekickt.

Oh je, warum denn das?

Brian: Weil’s lustig war. (alle zerkugeln sich.)

Seth: Das ist übrigens Brian, er hat eine eigene Band, die Gaybot heißt. Seltsam, nicht?

Brian: Gaybot ist dem Dufus sein Tod.

(alle lachen)

Was war denn das Verrückteste, was je auf der Bühne passiert ist?

Seth: Naja die verrückteste Zeit war, als wir meine Rock-Oper Fun wearing Underwear aufgeführt haben.

Da haben doch auch die Moldy Peaches mitgewirkt, nicht wahr?

Seth: Ja, Kimya war dabei und Adam Green hat auch viel dazu beigetragen. Und es wurde irgendwann einfach zum Kult. Wir hatten zwar ein Skript, aber es wurde jede Woche umgeschrieben, während wir schon damit auf Tour waren. Und weil das dann alle verwirrt hat, haben wir nur noch improvisiert, wo viele dann vergaßen, was passiert ist und es war absolutes Chaos auf der Bühne. Und ich weiß noch, einmal haben sich alle auf der Bühne gleichzeitig hingekniet und es war absolut nicht abgesprochen oder geplant gewesen, es war eine sehr verrückte Sache. Und wir haben damit aufgehört.

Wir haben Bilder von Dufus-Shows gesehen, wo Wolle im Publikum rumgeschossen wurde, war das die selbe Performance?

Seth: Nein, das hat ein Freund von uns gemacht, er hat einen riesigen Wollknäuel ins Publikum geworfen und die Leute haben dann damit gespielt. Bei unserer 10-Jahresfeier hatten wir ein riesiges Leintuch, dass wir ins Publikum geschmissen haben, welches aus verschiedenen Shirts und Armlöchern und Kopflöchern und Hosenbeinen bestand, wo dann alle Zuseher durch irgendein Loch krabbeln konnten oder hineinschlüpfen. Es war wie ein einziger riesiger Pullover. Das war unglaublich witzig. Wir werden eh eine DVD dieser Show rausbringen, war nämlich wirklich ein unglaublich tolles Event.

Du machst ja auch deine eigene Kleidung teilweise selbst?

Seth: Ja, das mache ich hin und wieder, seit dem Jahr 2000, denke ich. Aber da ist noch nicht allzu viel zu Stande gekommen.

Wir haben gehört, dass du früher mal in einer Heavy Metal Band warst. Möchtest du uns etwas über deine musikalische Vergangenheit erzählen?

Seth: Oh mein Gott, woher wisst ihr solche Dinge? Ich versuche so was doch privat zu halten! Okay, also meine allererste Band hat tatsächlich Dark Circle geheißen, das war eine schreckliche Punk-Band und die Band danach hieß Nocturnal Fear. (alle lachen) Danach kamen Bands wie Goat und Cleveland Funk Tribe, dann kam Rufus, das war die frühe Form von unser jetzigen Band. Ich plane zur Zeit auch alte Sachen von Rufus wieder rauszubringen, weil sie mir noch immer sehr gefallen. Irgendwann habe ich dann jedenfalls rausgefunden, dass es auch noch eine andere Band namens Rufus gibt, also habe ich einen Buchstaben verändert.

Aber Dufus bedeutet doch Idiot.

Seth: Ja! (alle lachen) Das hat aber irgendwie besser zu unserer Musik gepasst.

Schreibst du die Musik ganz alleine oder ist die Band in den Schreibprozess involviert?

Seth: Wir improvisieren viel im Proberaum und nehmen dann manchmal auch improvisierte Tracks sofort auf. Aber wir sind halt alle sehr verstreut in den verschiedensten Städten. Ich würde gerne mehr mit der Band zusammenarbeiten, aber das geht oft nicht. Lange war ich da immer ganz alleine.

Du lebst in New York City, nicht?

Seth: Nein, in New York State, die Hälfte der Band lebt aber tatsächlich direkt in New York City, ich bin nach Attica gezogen, dort lebt auch Alex. Brian lebt in Rochester. Und Gigolina kommt aus der Bronx, zieht aber viel rum. Wir reisen aber alle sehr viel.

Wie ist es zur Zeit für euch, in New York zu arbeiten? Wir wissen, dass viele Künstler dort im Moment Geldsorgen haben, weil es immer teurer wird.

Seth: Ja, viele von unseren Bandmitgliedern arbeiten sehr hart, um in New York zu überleben. Wir haben aber trotzdem eine großartige Zeit jedes Mal, wenn wir dort auftreten. Die Menschen kommen aber immer wieder zu unseren Shows und das ist das Schöne an New York.

 

Ob wir zu späterer Stunde wirklich gemeinsam mit Dufus auf einer Bühne gestanden sind, wird den LeserInnen dieses Artikels leider vorenthalten.
Man hätte eben dabei sein müssen.

 

FOTOS: Alexandra Augustin 

Links


Printer Icon



AutorInnen

Christian Pausch

Christian Pausch

...und ich wär' hier so gerne zu hause,

denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.

Newsfeed Icon Newsfeed von Christian Pausch abonnieren

Alexandra Augustin

Alexandra Augustin

Fremdpositionen, Randpositionen, Oppositionen - ach sei doch mal locker Darling!

Newsfeed Icon Newsfeed von Alexandra Augustin abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop