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Schwerpunkt: Shoplifters United im FM5-Interview

Drei Räder laufen im Dreck ...

2009-05-19 16:07:45

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FM5 traf René und Thomas von der österreichischen Rockband Shoplifters United. Im ersten Teil des Interviews plauderten wir mit ihnen über das Band-Dasein in Österreich und die Digitalisierung des Musikmarktes.

Shoplifters United ist eine junge österreichische Band, bestehend aus vier Musikern aus Niederösterreich, die seit Ende 2005 mit ihrer "herkömmlichen" Rockmusik die Menschen unterhalten wollen. Politische Statements wollen sie mit ihren Songs nicht wirklich setzen, jedoch wird Persönliches, wenn auch verallgemeinert, immer wieder in die Songs hineingepackt. In Wien spielten sie bisher in fast allen angesagten Locations und am 26. Mai sind sie live im Wiener Chelsea zu sehen.
FM5
traf die beiden Gitarristen und Sänger Thomas Wechselauer und René Nesyba und sprach mit ihnen bei Kaffee, Eistee und ein Seiterl Bier über Politik, die österreichische Musikszene, den ORF und warum ein Plattenvertrag in Österreich eine Katastrophe ist.

FM5: Ihr spielt ja hauptsächlich in Wien und Niederösterreich live, oder?


René (lacht): Ja, aber sicher nicht freiwillig!

Okay, und wo würdet ihr gerne mal spielen?


René: In Österreich wären meine Locations die große Arena-Halle in Wien, das Rockhouse in Salzburg oder das Conrad Sohm in Dornbirn. Das wären meine Locations!

Thomas (lacht): In der Arena habe ich schon gespielt! Aber nicht mit Shoplifters United, das wäre sicher cooler gewesen, weil mehr Platz ist. Das Rockhouse wäre schon in Ordnung, kenn ich aber leider zu wenig. Graz wäre auch leiwand, da gibt es auch einige coole Sachen, wie das Orpheum. Der Hafen in Innsbruck wäre auch cool.

René (lacht): Da haben wir schon gespielt, aber da waren keine Leute dort!

Thomas: Ansonsten würde ich gerne rauskommen aus Österreich.

René: Ja, es wäre schön, wenn wir anfangen können in den umliegenden Ländern zu spielen. Slowenien ist immer cool. Das weiß ich von anderen Bands und weil ich selbst schon mal auf Konzerten in Slowenien war. Die italienische Szene würde ich mir auch gerne einmal ansehen. Und Deutschland ist sowieso immer ein Pflaster.

Thomas:  England dann noch im Endeffekt. Und Schweden, aber das ist noch zu groß.

René:  Schweden ist einfach cool!

Thomas: Jetzt haben wir die Festivals vergessen, die es eh auch in Österreich gibt!

René: Ja, aber auf die österreichischen Festivals steh ich nicht so. Ich bin überhaupt nicht der Festival-Typ. Ich hab lieber Locations mit maximal ein paar tausend Leuten. Das wäre mein Traum!

Naja, aber ein "paar tausend Leute"  ist ja auch schon einiges!


René: Ich mein damit so 3.000 Leute und nicht 30.000. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen und wäre sicher nicht dasselbe. Ich hätte sicher mehr Spaß beim Spielen in der Arena-Halle als im Hauptabendprogramm vom Frequency.

Also ihr wollt den Bezug zum Publikum nicht verlieren?


René: Ja, aber so denken wir nicht alle. Unser Gitarrist, der Manfred, denkt "je größer, desto besser".

Hat sich seit dem Fall des Eisernen Vorhanges und durch die fortschreitende Digitalisierung für euch als Band etwas geändert? Ist es prinzipiell einfacher geworden beispielsweise einen Gig im Ausland zu bekommen?


René (lacht): Nachdem wir noch nie im Ausland gespielt haben, können wir das nicht so genau sagen!

Thomas: Aber das kommt jetzt im Sommer!

René: Ja endlich! Ein kleines Festival!

Thomas: Das heißt New Breed Festival in Mannheim. Das ist noch relativ klein, aber die haben uns angerufen und gefragt, ob wir spielen wollen. Das ging alles über eine Online-Plattform. Die haben uns über Ragioaktiv gefunden, sind dann auf unsere MySpace-Seite gekommen und dann haben sie angerufen.

René: Na gut. … Der Eiserne Vorhang ist für mich … Ich habe Vorfahren in Tschechien und kann eigentlich nur sagen, dass meine Oma zu besuchen nach dem Fall wesentlicher leichter war (lacht). Sie ist aber vor zwei Jahren gestorben und seither war ich nicht mehr in Tschechien. Aber das sind alles meine Lieblingsländer: Ungarn, Tschechien, Slowakei.

Wegen der Mentalität der Menschen dort?

René: Ja. Ich hab in meiner Schulzeit tschechische Klassenkollegen gehabt, im Rahmen eines Austauschprogramms. Das waren alles coole Typen!

Und wie schaut es mit der Digitalisierung aus? Angefangen von der CD-Herstellung bis hin zum Distributionsverfahren wie beispielsweise die Nutzung von MySpace und ähnlichen Plattformen.

René: MySpace halte ich für eine gute Sache. Man kann super Kontakte knüpfen, aber leider ist es mittlerweile schon so überrannt, dass es schon wieder unübersichtlich ist. Im Grunde bin ich ja ein Gegner von Digitalisierung, weil ich mit MP3s und dem ganzen Aufnahmeverfahren nicht wirklich zufrieden bin. Die Musik hat sich in eine Richtung entwickelt, die letztendlich mit dem eigentlichen Sinn von Musik nicht mehr viel zu tun hat.

Also bist du eher der Vinylplatten-Typ?

René: Vinyl ist für mich eine ganz andere Qualität, ein ganz anderes Level. Mir geht es da aber mehr um den Loudness-Wahn, der eingesetzt hat. Da können die Musiker selbst größtenteils gar nichts dafür, sondern eher die Plattenindustrie. Musik wird in eine Richtung gedrängt, wo sie abstumpft. Das Komprimieren dient ja dazu, dass die Musik in allen Lautstärken und auf jedem beschissenen Radio gleich gut klingt.  Der Höhepunkt ist jetzt mit dem neuen Metallica-Album erreicht: Wenn man sich die Bandbreite ansieht, dann ist das nur noch eine Wurscht! Dadurch wird eigentlich nur erreicht, dass man sich ein Album nicht öfters oder überhaupt einmal komplett anhören kann, weil man die Konzentration nicht mehr aufbringt. Das menschliche Gehör packt das einfach nicht, da keine Dynamik mehr da ist.
Ich würde viel lieber dynamisch produzieren. Das Problem ist nur, dass man dann überhaupt keine Chance mehr hat, mit einer Eigenproduktion irgendwo zu landen. Das lässt kein Radio zu und du wirst nicht gespielt. Man hat in Österreich sowieso nur wenige Chancen es wirklich zu schaffen, aber dann halt überhaupt keine mehr.

Also MP3-Vermarktung kommt für euch nicht in Frage?

Thomas: Also ich sehe das nicht so eng wie der Rene. Ich hör gerne MP3s, wenn ich wohingehe. Wobei es dann schon noch andere Sachen gibt, wie Musik-DVDs. Ich schau die gerne und hab auch mittlerweile einige zu Hause. Ich finde das nicht so schlecht. Auch das mit der Vermarktung: Es ist sicherlich leichter geworden, da man alles überall bekommt. Ob als iTune oder sonst was. Es gibt ja auch schon Bands, die die keine CDs mehr produzieren, sondern ihre Songs nur noch zum Download anbieten. Ich selbst würde aber nicht wollen, dass alle Songs von Shoplifters United nur als MP3 verfügbar sind. Außerdem fehlt es meistens am Marketing. Man bekommt die Songs zwar überall, aber die Leute wissen nicht, dass es die Songs gibt. Insofern hat das auch wenig Sinn.

René: Solange keine Firma, kein Management oder was auch immer hinter dir steht und ein bisschen was reinsteckt …

Thomas: …hat das wahrscheinlich keinen Sinn …

René: …bist du eigentlich ein Elend und Beachtung bekommst du keine. Aber ich find es cool, dass durch das ganze System die Plattenindustrie ja extrem eingebrochen ist! Es hat sich ja erst in den letzten 50 Jahren offenbart, dass die Musiker extrem viel Geld durch die Plattenverkäufe machen können. Das hört sich nun schön langsam wieder auf.

Thomas (schmunzelt): Jetzt müssen sie wieder mehr spielen!

René: Für mich ist Musik nach wie vor live-Musik. Ich kann keinen Bands Respekt zollen, die ich nicht live gesehen habe. Wenn ich eine CD von ihnen höre, dann kann ich sie schon cool finden, aber richtig geil können sie erst sein, wenn ich sie live gesehen habe und sie dann noch cool sind.

Was würdet ihr für einen Plattenvertrag machen? Wo wäre eure persönliche Grenze?

René: Ich würde sagen, ein Plattenvertrag in Österreich ist eine echte Katastrophe! Man bekommt hier keinen ordentlichen Vertrag. Du wirst komplett eingeschränkt. Ich hab das auch schon von anderen Bands gehört. Selbst die großen Plattenfirmen wie Sony BMG und Kohorten haben – weil ja budgetmäßig alles zurückgegangen ist – wenig Geld zur Verfügung, weshalb ich es mittlerweile eher verstehe, dass sie lieber Geld in irgendwelche internationalen Stars reinstecken als zehn Cent in irgendeine österreichische. Sie sehen nicht, dass man auch mit österreichischen Bands Kohle machen kann und auf was beruht das? Dass es in Österreich kein Radio gibt, das österreichische Bands dementsprechend spielt!



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