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Down in Albion

  • of 11 12 Coach Number
  • Wohnzimmer Robert Rotifer

Wer eine Geschichte zu erzählen hat, soll diese niederschreiben. Robert Rotifer, seines Zeichens Musikjournalist, lebt in England und tut dies wieder mal. Mit seinem neuen Album „Coach Number 12 of 11“.

„Robert writes in his second language better than I think in my first.“ Diese Sentenz stammt von Darren Hayman, Frontman und Songwriter der englischen Band Hefner und beschreibt die qualitativ hochwertigen englischen Sprachkenntnisse des Musikers und Journalisten Robert Rotifer. Man darf es also durchaus als ein Kompliment auffassen, wenn ein Engländer einem Österreicher ein besseres englisches Sprachgefühl unterstellt. Grund dieses getätigten Satzes ist das neue, dieser Tage erscheinende Album von Rotifer, Coach Number 12 of 11. Robert Rotifer, im Brotberuf Musikjournalist, hobbymäßig Sänger und Gitarrist, aus Wien, ist vor 11 Jahren nach London gezogen. Später übersiedelte er nach Canterbury, jener Stadt, die bereits in den 70ern des 20. Jahrhunderts mit Protagonisten wie Fred Frith für musikalische Aufruhr sorgte. Dort lebt er jetzt mit Frau und Kindern in einem Haus. Was sich unaufgeregt lesen mag, grenzt beinahe an Wahnsinn.

Ein Leben für den Pop

Wenn man eine Figur für die Erörterung des Wortes Multi-Tasking braucht, kann man hierzu getrost Herrn Rotifer heranziehen. Nicht nur, dass er ständig Texte produziert, eine zweiwöchentliche Radiosendung (Heartbeat) aufstellt, schafft er es auch noch – beinahe nebenbei – alle zwei Jahre ein gelungenes Album herauszubringen; und natürlich ebenfalls das Cover selbst zu malen. In diesem Fall Coach Number 12 of 11, das er wieder mit seiner Stammbesetzung, darunter unter anderem der bereits erwähnte Musiker Darren Hayman, der den Moog bedient, einspielte. Auch das Studio, in dem das Werk aufgenommen wurde, hat sich nicht geändert. So wurde dafür das Londoner Studio von Brian O` Shaughnessy, der bereits mit Bands wie Primal Scream und The Clientele kooperierte, gewählt. Und auch der Inhalt dieses Album zeugt nur von dem britophilen Genie des Pop-Liebhabers Rotifer.

Lieder vom Moloch Londonia


Die Kraft seiner im wahrsten Sinn des Wortes Pop-Songs schöpft sich aus den individuellen Akkorden, der Stimme und dem gesamten Arrangement. Alles in allem ergibt es eine liebliche, introspektiv gehaltene Singer-Songwriter-Stimmung, die permanent von einem (Grund-)Thema erzählt: Das Leben als Exilant im Moloch London – auch wenn man seit geraumer Zeit nicht mehr dort wohnhaft ist. Selbst Coach Number 12 of 11 funktioniert nach jenem Muster, das so passabel erscheint: Spannende Erfahrungen, Abenteuer und Anekdoten, die einem alles popkulturell Relevante absorbierendem Österreicher im Angelsächsischen passieren einfach und unverblümt als Song wiederzugeben. Dadurch entwickelt sich, vielleicht sogar unbewusst, ein hohes suggestives Moment, das die Pop-Musik ausmacht. Weil gerade durch Reflexion des Alltäglichen, manchmal auch Banalen, entstehen die wundervollsten Lieder. Der Song Plane & Motorway verdeutlicht dieses magische Konzept: „… I booked a flight on that day across the stormy sea... All for a talk with a singer who did not want to speak...” Auch wenn diese Zeilen nicht unbedingt die Maxime an Spannung herauszuholen vermögen, so ist der Umstand, dass uns hier jemand wunderschöne Passagen von der britischen Insel nahebringen möchte, authentisch und kraftvoll. Stories, die einem vom Stau geplagten Journalisten wie selbstverständlich von der Hand gehen. Wenn dann auch noch das Horn, gespielt von Thomas Allard, dieses Emotionen rührende Instrument, als Untermalung dient, droht beinahe eine gehörige Gefühlsregung. Schlimm ist dieser Effekt, dieser Affekt, auch hier nicht, denn: Schließlich hört  man doch die aktuellste und vor allem gelungenste britische Popmusik.

Das Album „Coach Number 12 of 11“ ist am Freitag, den 18. Jänner 2008, auf Wohnzimmer Records erschienen.

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AutorIn(nen)

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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