Kante aus Hamburg und Mono aus Tokyo haben am Sonntag das Donaufestival 05 in der Korneuburger Werft beeindruckend ausklingen lassen.
Die Musik von Mono entspricht am ehesten einer Explosion in Ultra Slow Motion oder einem sanft dahinplätschernden Gebirgsbächlein, das in einem reißenden Strom endet.
Die Band Mono kommt aus Japan, bestehend aus zwei Gitarristen, die beim Konzert deren Gesichter hinter ihren Frisuren verstecken, einem Schlagzeuger mit Wollmütze und einer Bassistin, die mit Kleidchen und Stöckelschuhen die Bühne betritt. Auf Gesang wird ebenso verzichtet, wie auf Augenkontakt mit dem Publikum, Mono beginnen und beenden ihren Auftritt in der Korneuburger Werft wortlos und mit ernster Miene.
Alle an dem Abend gespielten Musikstücke folgen demselben Grundmuster, beginnen flüsterleise und schwellen im Zeitlupentempo zur finalen Eruption an – ohne, dass das gemächliche Spieltempo erhöht wird. Die anfangs wunderschöne und fragile Gitarrenmusik wäre die ideale zum Hineinkippen - wäre da nicht, nach Anhäufung zahlreicher, sich überlagernder Gitarreneffekte, der Tritt auf´s „Brachial-Verzerrerpedal“, der alles melodische in einer krachenden, unglaublich lauten „wall-of-sound“ auflöst. Dies lässt selbst hart gesottene Konzertbesucher nicht kalt und zu den am Eingangsbereich ausgeteilten Ohrstöpseln greifen. Keine uninteressante, aber auch keine leichte Kost, die die vier Japaner hier präsentierten.
Mono bedeutet auf Japanisch übrigens nicht das Gegenteil von Stereo, sondern „Sache“, wie ein freundlich von der Bühne lächelnder Peter Thiessen von Kante erklärt. Wie es der Zufall so will, hatten die Hamburger vergangene Woche einen Gig in Tokyo, allerdings ohne Mono (mehr dazu im Interview mit Peter Thiessen).
Kante wirken nach der düsteren und aufwühlenden Performance von Mono wie die aufgehende Sonne. Die Band bedient sich zwar auch recht gerne (und eindrucksvoll) dem dramaturgischen Element der Steigerung, jedoch ohne die brachialen Explosionen Mono´s. Ausgedehnte Stücke wie „Ituri“ oder „Schwaches Gift“ sind ebenso Bestandteil des Sets wie der äußerst druckvoll und kantig performte Hit „Die Summe Der Einzelnen Teile“. Häufige Instrumentenwechsel der fünf Multiinstrumentalisten plus zwei zusätzliche Musiker an Bläsern & Percussion schaffen Abwechslung und Power.
In der Halbzeit gibt es einen ulkigen Showblock der Performancegruppe Showcase Beat Le Mot, die während des ganzen Konzertes mit bunten Kostümen und Overheadprojektoren im Hintergrund tanzen und hantieren. Dies verleiht so manchem melancholischen Kante-Song einen kontrastierenden humoristischen Touch.
Mit ihrem Mix aus Pop-, Rock-, Jazz- und Elektronikelementen spielen Kante ein facettenreiches, mehr als zweistündiges Set der Extraklasse und finalisieren mit ihrem Auftritt das nicht minder vielfältige Donaufestival 2005.