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Die verlorene Jugend?

2007-04-02 00:10:57

Einige Zitate, die für sich sprechen, sowie darauf folgende Anmerkungen.

Wenn man krank ist, sich auf weicher Unterlage (Bett) befindet, für das Leben noch keinen gesunden Kopf hat, gibt es nur eine Zwangslösung: Nachdenken. Über alte Zeiten, aktuelle Themen und die Zukunft. Dieser Zustand ist nicht nur physisch so etwas wie der Tod, sondern eben auch psychisch: Der Lebensfilm vor dem geistigen Auge wird zurückgespult. Man denkt also nach. Bis der Kopf dann natürlich auch wieder wehtut. Wenn jedenfalls das Bett als Ort der Genesung, oder Faulheit, endlich verlassen werden kann, stürzt man sich auf die in den letzten zwei Tagen verschlafenen Meldungen diverser Politiker zu aktuellen wichtigen Themen und liest, zum Beispiel, erstaunliche Wortspenden über einen (angeblichen) Sozialdemokraten, die man jedem turbokapitalistischen Firmenchef ebenfalls entnehmen könnte. So meinte der designierte SPÖ-Bundeskanzler Dr.Alfred Gusenbauer in einem „Profil“-Interview (aktuelle Ausgabe, Nr. 3, 38. Jg., 15. Jänner 2007), als er auf den (Streit-)Punkt „Sozialdienst für Studenten aus sozial schwachen Familien“ angesprochen wurde: „Kein Sozialdienst. Aber es bringt doch im gesellschaftlichen Zusammenhang etwas, wenn sich Studentinnen und Studenten mit jungen Menschen beschäftigen, die beim Lernen Unterstützung brauchen. Da geht es nicht um eine professionelle Tätigkeit. Es geht darum, dass man sich mit jemandem hinsetzt und mit dem das Lesen übt oder das Rechnen. Es ist manchmal schon etwas getan, wenn man mit dem redet oder mit ihm ins Kino geht oder in eine Bibliothek. Es geht also nicht um Arbeit im eigentlichen Sinn, sondern um Engagement und Solidarität. Verantwortungsvolle Politik muss in einer Zeit von Globalisierung, Profitstreben und überzogenen Egoismus einfach wieder Inseln der Solidarität schaffen.“ Profil: „Ein romantischer Gedanke. Aber am freien Markt bekommen die Studenten für Nachhilfe das Doppelte jener sechs Euro pro Stunde, die man ihnen an Studiengebühren erlässt.“ Gusenbauer: „Hier geht es nicht um Lohnarbeit, sondern darum, dass man sich in einem gewissen Ausmaß für andere engagiert. Mag schon sein, dass das ein romantischer Gedanke ist, dass das für viele zu visionär ist. Aber alles, was wir im Bereich der Studiengebühren anbieten, ist in jedem Fall eine Verbesserung. Es wird für niemanden etwas schlechter.“


Bitte, kann jemand diesem Mann bei seiner nächsten Lohnauszahlung mit der Aussage „Hier geht es nicht um Lohnarbeit…“ begegnen? Würde allzu gerne seine (böse?) Miene im (guten?) Spiel sehen…

 

Die andere, sogar einen Kranken auf 180 bringende Aussage stammt von dem „Schriftsteller der „Aula““, Mag. Martin Pfeiffer, persönlich. In seiner Kolumne „Querschläger“ (zu finden in der selbstverständlich natürlich total extrem lesenswerten „Zur Zeit“, Ausgabe Nr. 1-2 /2007, 12. -18. Jänner 2007, 11.Jahrgang) kommentiert er die Streitfrage „Wählen mit 16?“ folgendermaßen: „Betrachtet man sich die jungen Menschen, dann kommen einem schon Zweifel, ob solch ein Schritt sinnvoll ist, ist ein Großteil von diesen doch uninteressiert an Politik oder aufgrund geringer Bildung anfällig für billige Polemik und „falsche“ Lösungen.“


Hallo? Schon mal einen Erwachsenen befragt, wozu in Wien ein Parlament steht, was Demokratie oder gar Opposition bedeutet? Im Ernst: Bei solch einer unqualifizierten, nicht darüber nachgedachten Wortwahl kann man nur hoffen, dass dem „Schriftleiter“ – Achtung, auf den Buchstaben dieses Wortes befinden sich Spinnweben und jede Menge Staubpartikel! – im Alter von 16 Jahren klügere Kommentare zu dieser Debatte ingefallen sind. Obwohl: Ein damals 16-Jähriger wäre heute ja (zumindest geistig) ein 12-Jähriger…

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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