Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Die schmutzigen Volkslieder

2010-01-03 15:09:05

  • of A Studenten Song sing Sex,
  • of A Sex Song sing
  • of A Sex Song sing
  • of A Sex Song sing
  • of A Sex Song sing

Die zweite DVD der Reihe japanische Meisterregisseure, Sing a Song of Sex von Oshima Nagisa, ist zwar nichts für schwache Nerven, aber vor allem für Freunde des fernöstlichen Autorenkinos ein Genuss.

Im Mittelpunkt von Sing a Song of Sex stehen die vier Studenten Hiroi, Maruyama, Nakamura und Ueda. Obwohl wir uns im Jahre 1967 befinden und die Studentenbewegung in vollem Gange ist, interessieren sich die Jungs weniger für Politik als für das weibliche Geschlecht. Ihre Zeit verbringen sie mit Tagträumereien, die sich zumeist als Ausgeburten ihrer sexuellen Frustration heraus stellen, tarantinoeskem Trashtalk und dem Singen von schmutzigen Volksliedern.

Während Truffaut aus diesem Stoff wohl eher eine leichte Komödie á la vier hedonistische Studenten lungern in Pariser Kaffeehäusern herum und pfeifen leichten Mädels hinterher inszeniert hätte, fällt Nagisas Sing a Song of Sex außergewöhnlich düster und apokalyptisch aus. Die zu Grunde liegende These des Films lautet: Nicht erfüllte Sexualität erzeugt Gewalt.

Obwohl im Mittelpunkt der Handlung ein Mordfall steht, entspinnt sich daraus keine Kriminalhandlung. Bei einem Nagisa sollte man auch keinen Naturalismus oder eine simple Küchenpsychologie im Stile Hollywoods erwarten. Nein, in Sing a Song of Sex werden für 99 Minuten Logik und Kausalität ausgeschaltet. In diesem stark ästhetisierten Film geht es weniger um Suspense oder Unterhaltung, sondern vielmehr um eine präzise und vor allem schonungslose Gesellschaftsanalyse über Sexualität, Macht und Gewalt im Japan gegen Ende der 60er Jahre.

Wer sich von diesem Satz nicht abschrecken lässt und auch mit einer metaphysische Erzählweise zurecht kommt, der sollte sich Sing a Song of Sex, den Nagisa übrigens in nur wenigen Tagen ohne Skript und fast ausschließlich mit Schauspieldebütanten gedreht hat, nicht entgehen lassen.

Die DVD ist in der Reihe japanische Meisterregisseure von polyfilm erschienen.

 

Links


Printer Icon Creative Commons by-nc-nd - Some rights reserved



AutorInnen

Fabian Kretschmer

Fabian Kretschmer

echter Berliner, Publizistikstudent, manischer Leser, Cineast, 86er

Newsfeed Icon Newsfeed von Fabian Kretschmer abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop