Das Album einer rundum glücklichen Frau, die an ihrem Lebensziel angekommen zu sein scheint.
Einleitung: Die Geschichte einer verblassten (wenn auch nie ganz erloschenen) Liebe...
In diese Frau war ich jahrelang verliebt. „Verliebt“, nun ja, ihr wisst schon, was ich meine. Eine Frau, die in ihrem ersten größeren Hit frech „I want you to come, I want you to come, walk this world with me“ singt, das ließ mich seinerzeit hellhörig werden. Der Song „Walk This World“ rotierte bald darauf, samt dazugehörigem Album „Oyster“, auf Hochtouren in meinem CD-Player und lieferte den Soundtrack zu meiner damaligen Barcelona-Reise, wo ich den Silberling auch erstand.
Nun, die Jahre vergingen, das Nachfolgealbum „Siren“ setzte noch in etwa den Weg des Vorgängerwerks fort, mit einerseits wunderschön gesungenen stillen Songs, die Heather mit ihrer Akustikgitarre untermauert, dazu ein schluchzendes Cello, andererseits lässigen Rocksongs mit Drive und dem einen oder anderen schrägen Arrangement.
Ab dem nächsten Album verblasste langsam unsere Verliebtheit, die Songs wurden lauer, der Pfeffer war verschwunden, der Alltag machte sich breit. Und aus einer zerbrechlichen, aber durchaus dem frechen Indierock aufgeschlossenen Frau, wurde eine immer noch zerbrechliche Frau, der Drive und Mut zum Risiko verloren ging. Es folgten die eher lauwarmen Werke „South“ und „Storm“ (die Einsilbigkeit der Albentitel zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Werke).
Zweifellos eine der hübschesten Mütter im Popbiz: Heather Nova
Foto: (c)
Nun erschien das bereits sechste Studioalbum „Redbird“, und ich war sehr gespannt, ob sich was verändert hat im Hause Nova, den melancholisch-sehnsüchtigen Blick vom Albumcover hat sie jedenfalls immer noch drauf.
Die Eröffnungsnummer weist gleich mal den Weg: Hier ist alles nett und schön und friedlich, und so heißt uns Heather mit dem von Dido co-komponierten „Welcome“ in ihrer unbeschwerten Welt willkommen. Wenn auch stellenweise versucht wurde, etwas mehr Kantigkeit zu erzeugen, plätschern die Songs in sehr ruhigen Gewässern und verbreiten unbeschwerte sommerliche Stimmung – mit Ausnahme von „I Miss My Sky“, wo sich Heathers Stimme mit einer traurigen Violine vereint.
Ihre glasklare, glockenhelle Stimme klettert in immer lichtere Höhen und ist in etwa mit einem lieblichen Wein zu vergleichen: in kleinen Dosen genossen eine feine Sache, doch zuviel des guten verursacht Kopfschmerzen.
Natürlich gibt es auch das eine oder andere Gustostückchen, wie „A Way To Live“, eine Piano-Gospelnummer, oder „Overturned“, wo sogar ein wenig Gas gegeben wird, und auch die Melodie des vom Vienna Symphonic Orchestra unterstützten „Mesmerized“ gefällt.
Dann taucht im letzten Drittel aus dem Nichts eine Coverversion von Chris Isaak´s „Wicked Game“ auf, die klingt, als hätte Heather sich einfach Instrumentalteil des Originals geschnappt und selbst neu drüber gesungen. Ist und bleibt ein hübscher Song, aber so vollkommen ohne neue Variation stellt sich die Frage nach dem Sinn, denn gerade Isaak´s Schluchzgesang gab dem Song doch seine typische Note.
Ihre Indie-Wurzeln hat Frau Nova fast komplett glatt gebügelt. „Redbird“ist zweifelsohne ein schönes, romantisches „love, peace & harmony“-Album, zu schön auf Dauer, ein Album, das niemandem weh tut aber auch nicht großartig berührt und mitreißt. Andererseits, will man von einer frischgebackenen Mutter ein rotzig-frech rockendes oder betrübliches Herzschmerz- „Die Welt ist ungerecht und böse“-Album erwarten?