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musik

Die cellistische Apokalypse

2010-09-10 15:43:15

  • cover Apocalyptica symphony
  • live Apocalyptica
  • band Apocalyptica

Apocalyptica sind zurück – ohne weg gewesen zu sein. Aber ihr 7th Symphony beschreitet neue Wege, neue Härte und neue Klangexperimente. Freunden alter Werke sei also ans Herz gelegt: Leise anfangen!

Das Cello noch einmal verzerrt und ab geht die Post. "At the Gates of Manala" ist der optimale Einstieg, wie "Rage of Poseidon" das passende Stück zum Ausklingen ist. Denn wo lässt sich besser in eine abgrundtief dunkle und böse Stimmung einsteigen, als an den Toren der Unterwelt? Und womit lässt man besser wieder los, als mit dem Zorn des Poseidon? Gleichzeitig reflektiert sich in diesen beiden Liedern der neue Mut im Songwriting der Finnen, zu dem vor allem Mikko Sirén zu ungewohnter Vielschichtigkeit heranwächst. Das wiederum bringt mich zum Höhepunkt der Platte.

Apocalyptica
und Godzilla


Joseph Duplantier dürfte für einen großen Teil der Apocalyptica-Fans absolutes Neuland sein. Er ist seines Zeichens Frontmann der französischen Progressive-Death-Metal-Band Gojira (japanischer Name von Godzilla). Für Joseph-Duplantier-Fans dürfte dieses Lied ebenfalls ungewohnt klingen, denn der Sänger variiert seine Stimme mit dem schnellen Gefiedel der drei finnischen Streicher zu einem wuchtigen Konstrukt. Dabei nimmt die Band neue Facetten in ihre Präferenzen auf: die Tugend wunderschönen und gepflegten Death-Metals; Tennisarm inklusive.

Apocalyptica
und der Schlächter-Fantomas


Wie schon auf ihrem Werk Reflections erhält Dave Lombardo, Drummer der Metal-Götter Slayer sowie der Film-Freaks Fantomas (u.a. mit Mike Patton), ein wenig Raum. "2010" ist ein bunter Mix aus Apocalyptica mit Slayer-Nuancen, sei es schlagtechnisch oder streichtechnisch. Gegen Ende des Liedes erwartet den Hörer ein Drum-Gewitter der Sonderklasse, das jedes Herz höher schlagen lässt – und vor allem schneller.

Apocalyptica
und Gavin Rossdale


Bush
gilt als Manifest guten Rocks. Gavin Rossdale Solo gilt als Manifest schnulziger Ö3-Balladen mit daraus entstehendem Vomitus. Apocalyptica und Gavin Rossdale sind eher zweiteres: Der Tiefpunkt der Platte –  obwohl das Lied gut beginnt. Aber leider tendieren Eicca Toppinen, Pavvo Lötjönen und Perttu Kivilaakso dazu, ihre singenden Gastmusiker in Singleauskopplungen mit vollkommen seichter Musik zu begleiten – leider passend zu den Texten.

Apocalyptica
und Shinedown


Im Grunde genommen dieselbe Problematik wie bei Gavin Rossdale: Schnulzig, ein bisschen seicht und ein bisschen zu viel Shinedown-Atmosphäre. Deshalb sei Fans geraten, Konzerte zu besuchen, denn wenn die Singstimme gefiedelt wird, werden diese Lieder erst zu Klassikern. Außerdem muss ich festhalten, dass die drei Lieder mit Brent Smith (Shinedown), Gavin Rossdale und Lacey von Flyleaf zu den besseren Liedern mit Gastsänger gehören. Freilich, an die Klassiker, bei denen Sandra Nasic und Matthias Sayer bombastische Lieder charismatisch begleiteten, kommen sie nicht einmal annähernd heran. Aber Ville Valo, Corey Taylor und Adam Gontier hängen sie ab – locker leicht.

Apocalyptica
und die ruhigen Momente


Wie jede Platte der vier Finnen hat auch 7th Symphony ruhige Momente. "Beautiful" wächst aus einer traurigen Stimmung heraus. "On the rooftop with Quasimodo" zerrt am Beginn ein wenig an den Zahnwurzeln, wird dann aber zu einem soliden und interessanten Progressiv-Stückchen, das durchaus erfrischend ist, weil es ein Song ist, den Drummer Mikko Sirén geschrieben hat. Und nach dem Death-Metal kommt "Sacra" gerade recht, weil es die traditionelle Komponente in die Platte bringt – ruhig und geladen.

Apocalyptica
und Die siebte Symphonie


Das siebte Werk der vier Finnen bringt traditionelle Küche mit mythologischem Einschlag und neuen Nuancen und Facetten, die die Musik abwechslungsreicher und interessanter gestalten. Grundsätzlich sind sie einmal lauter geworden, voluminöser, gewaltiger. Die technisch hochwertig gespielten, verzerrten Cellos, die variantenreicheren Drum-Lines und interessante Gäste formen die Platte zu einem Meisterwerk, das mit jeder Sekunde wächst, um uns mit dem Groll und dem Zorn Poseidons zu entlassen – obwohl die Ohren noch von Dave Lombardo dröhnen.

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AutorInnen

Mike Oberbichler

Mike Oberbichler

Nie-Ruhig-Sitzer mit Faible für extensives Double-Bass-Mitschunkeln und Drang zur Überbetonung künstlerischer Aspekte in B-Movies. Oh yeah, that's my fault!

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