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Die Welt mit analogen Augen sehen

2012-01-04 12:00:22

Die digitale Fotografie bietet viele Vorteile, keine Frage. Warum aber haben analoge Fotos so einen starken Reiz, warum wirken sie oft bedachter und besser komponiert? Dies ist der Beginn einer Serie zu analoger Fotografie für Einsteiger.

Digital ist besser?

Die digitale Fotografie bietet viele Vorteile - keine Frage. Vollautomatische Kameras zu erschwinglichen Preisen verzeihen dem Fotografen/der Fotografin beinahe jeden Fehler; erkennen Gesichter und stellen diese scharf; belichten halbwegs korrekt im strahlenden Sonnenschein und in dunklen Kellern. Sollte das gewünschte Foto aus irgendwelchen Gründen mal dennoch unbrauchbar sein, löscht man's einfach und macht gleich ein neues, oder besser gleich fünf, das kann ja nicht schaden. 

Zuhause am PC geht's dann an's Aussortieren der hübschen Bildchen und nicht selten stellt der Fotograf/die Fotografin fest, dass sich viel zu viele Dateien auf der Speicherkarte befinden, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Bilder auswählen und nachbearbeiten kann so mitunter zu einer langweiligeren Abendbeschäftigung werden, als der Teleshoppingkanal.

 

Probier's doch mal analog.

Trotz neuester digitaler Technik hält sich in Wien, wie in vielen anderen Städten auch, eine ausgeprägte Community, die sich mit analoger Fotografie beschäftigt. Die Gründe, warum viele zu analogen Kameras greifen, mögen vielfältig sein. Fakt ist, dass jede Auslösung einer analogen Kamera unwiderruflich ein Negativ belichtet, von dem sich maximal 36 auf einer Filmspule befinden. Wild drauflos knipsen ist im analogen Modus also nicht nur teuer, sondern auch mühsam, da ständig der eingelegte Film gewechselt werden müsste.

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Kurzum, analoge Fotografie entschleunigt. Aufnahmen werden nicht so inflationär produziert, wie man es aus der digitalen Fotografie gewohnt ist. Selbst unter schwierigen Verhältnissen (wenig Licht bei Konzerten, rasche Bewegungen beim Sport) können geübte AnalogfotografInnen mit einem Bruchteil der Bildanzahl sehr gute Ergebnisse erzielen.

Da analoge Fotos erst entwickelt werden müssen, bevor man sie ansehen kann, schärft diese Art der Fotografie den Blick des Fotografen/der Fotografin. Wie wird mein Foto wirken? Wie ist das Licht gerade? Welchen Bildausschnitt wähle ich am besten? Wann ist der perfekte Zeitpunkt um den Verschluss auszulösen?

Besonders AnfängerInnen der analogen Fotografie können es kaum erwarten, die sorgfältig geschossenen Bilder anzusehen. Entwickelt man den Film selbst, und erhält ein paar gute Fotografien, kann einen das schon mal mit Stolz und Freude erfüllen. Immerhin hat man von der Bildkomposition bis zur Entwicklung alles selbst gemacht: ein echtes Foto!

 

Zuerst brauchst du eine Kamera.

Durch die digitale Technologie haben analoge Kameras einen Preisverfall erfahren. Gute analoge Spiegelreflexkameras können derzeit also zu verhältnismäßig günstigen Preisen erstanden werden. Für AnfängerInnen bietet sich eine Kamera mit automatischer Belichtung und Autofokus an. Gerade ältere Kameras bieten solcherlei Schnickschnack allerdings noch nicht, und laden zum Spielen mit Belichtungszeit und Blende ein.

Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht fällt auf das Negativ, das ist klar. Je heller es draußen ist, desto kürzer kann also die Belichtung sein. Bei längeren Belichtungszeiten besteht natürlich die Gefahr der Bewegungsunschärfe, wenn das Objekt nicht stillsteht.

Je höher die eingestellte Blendenzahl, desto kleiner wird die Öffnung im Objektiv, durch die Licht auf den Film fällt. Je höher die Blendenzahl, desto größer ist zwar der Schärfebereich im Bild, desto weniger Licht kommt aber auf den Film.

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Das schlimmste was passieren kann ist, dass man durch fehlerhafte Belichtung und Blendeneinstellung ein paar unorthodoxe Fotos produziert. Vielleicht sind sie ein wenig zu dunkel, oder ein wenig unscharf. Für all diese kleinen Fehler hat man nun aber sofort Erklärungsansätze und weiß, was man nächstes Mal anders machen kann. Technisch unorthodoxe Fotografien können auch Charme haben und interessant wirken. Analoge Fotografien, die man vielleicht sogar selbst entwickelt hat, sind wie kleine Kunstwerke, entstanden durch eine Kombination aus Filmmaterial, Kameraoptik, Blende und Verschlusszeit und Entwicklungsprozess.

 

Fotos entwickeln: Trau dich!

Natürlich kann man jeden belichteten Analogfilm zur Entwicklung in ein Labor bringen, doch diese Option ist kostspielig und führt oftmals nicht zu den gewünschten Ergebnissen - vom fehlenden Spaßfaktor ganz zu schweigen.

Das Entwickeln von Schwarzweiß-Filmen kann man mit ein paar wenigen Vorbereitungen auch selbst zuhause durchführen. Finanziell ist man mit ca. 100 Euro für die Erstausstattung gut aufgestellt und auch die passende Räumlichkeit lässt sich einfach selbst einrichten.

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Man benötigt eine Entwicklungsdose mit Spule, die im Dunkeln mit dem belichteten Film gefüllt wird. Für den Anfang empfiehlt sich eine Dose, in der man zwei Kleinbildfilme entwickeln kann – oder wahlweise auch einen Mittelformat-Rollfilm. Für die Schwarz/Weiß-Entwicklung braucht man einen Messbecher sowie eine Mensur und einen Trichter, die einem die Arbeit vereinfachen und zu einem geringen Preis im Haushaltswahrengeschäft zu erstehen sind. Benötigte Chemikalien sind ein Negativ-Entwickler, eventuell ein Stoppbad und ein Fixierer. Ein (Labor)Thermometer für die Kontrolle der Wassertemperatur bietet sich ebenfalls an, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Der unentwickelte Film darf auf keinem Fall mit Licht in Verbindung kommen, deshalb ist ein absolut lichtdichter Raum unabdingbar. Kreativität, Klebebänder und Handtücher bieten sich an, um alle Lichtquellen fernzuhalten. Hat man keinen absolut dunklen Raum zur Verfügung, kann man sich mit einem Entwicklungssack helfen, den es in Fotozubehörgeschäften zu kaufen gibt. Ist der Film einmal auf die Spule aufgespult und in der Entwicklungsdose lichtdicht verschlossen, kann man beginnen, die Chemikalien Schritt für Schritt einzufüllen.

 

Zuletzt wird der Film mit klarem Wasser gespült und endlich zum Trocknen ans Licht geholt. Voilà - da hängen die Kunstwerke und strahlen.

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AutorInnen

Christoph Liebentritt

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Ich bin auch nur ein Opfer.

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