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Die Viennale und der weiße Felsenhund

In Anlehnung an die viele tausende Jahre alte Felsmalerei eines Hundes, entstand das heurige Viennalemotiv. Und das auf Violett.

Jeden Herbst bringt die Viennale als konstanter Fixpunkt Cineasten, Filmemacher, Produzenten und Schauspieler grenzübergreifend in Wien zusammen. Ehre, wem Ehre gebührt – aber leider bedingt es nun mal die Form der Onlineberichterstattung und natürlich auch das „Personal“ unserer Redaktion – dass wir hier nicht so ausführlich berichten können, wie wir gerne würden… Heute gibt’s mal eine kleine Übersicht über das Viennalegeschehen, das euch in den nächsten Tagen erwarten wird. Wir werden uns aber bemühen, euch über Updates auf dem Laufenden zu halten und vielleicht – schön wär’s – geht sich ja die eine oder andere Hintergrundstory aus. Vielleicht will auch einer unserer Leser über seine Viennaleimpressionen erzählen und schickt diese an film@fm5.at. Wir versprechen schnellstmögliche Veröffentlichung! Also: rein ins Getümmel.

RETROspektive

Die ersten Ausläufer der Viennale haben sich bereits so manchen Zuschauer gekrallt: Seit 1. Oktober kann man im Österreichischen Filmmuseum in der heurigen Retrospektive zur Viennale „Die Früchte des Zorns und der Zärtlichkeit“ erste Festivalluft schnuppern – sprich in Filmen von Straub/Huillet und auch John Ford eintauchen und ein wenig Kino der Vergangenheit erleben. Zu sehen ist eine vollständige Werkschau aus dem mehr als vier Jahrzehnte dauernden Schaffen von Danièle Straub und Jean-Marie Huillet, die schon seit vielen Jahren ein fixer Bestandteil des Viennaleprogramms sind. Merken: Anlässlich der Viennale werden Straub/Huillet vom 19. bis zum 22. Oktober Wien mit einem Besuch beehren.

V’04

Nun zum Kern des Ganzen. 298 Filme aus 44 Ländern werden heuer die Viennale ausmachen, die vom 15. bis zum 27. Oktober die Wiener Kinos zum großen Anziehungspunkt werden lassen. Im Hauptprogramm werden 100 abendfüllende Filme – eine Auflistung werde ich mir hier ersparen – zur Auswahl stehen, davon auch knapp die Hälfte Dokumentarfilme, die bei der Viennale auch immer einen hohen Stellenwert genießen. Um dieses Hauptprogramm scharen sich einen Haufen Specials, Tributes, Kurzfilme und andere Programmschienen, die jedes Jahr wieder erfreuliche Filme zugänglich machen – denn so manchen Film bekäme man sonst nie zu sehen. Dazu aber später noch ein wenig mehr. Erwähnenswert auch die neu entdeckte Programmschiene „Propositions“, in der 12 ausgewählte Filme des Hauptprogramms zusammengefasst werden – somit eigentlich ein Festival im Festival. Interessant. Die Viennale Zentrale findet sich auch heuer wieder im Dachgeschoß der Urania, wo zu zahlreichen Veranstaltungen geladen wird. Einladend auch, um nach dem letzten Film noch bis 4 ein Bierchen zu trinken (oder auch zwei). Die Kinos sind wohl altbekannt: Urania, Gartenbau, Metro, Stadtkino und das Filmmuseum werden für diese 13 Tage zu kleinen Zentralen der Zeitreisen. Zumindest der gedanklichen Art.

Specials, Tributes, Tod und Teufel

Wie jedes Jahr wird wieder Respekt gezollt und das auch zu Recht.

Lauren Bacall: Entdeckt von Howard Hawks, bekannt durch „To Have and Have Not“. Nicht zuletzt die Heirat mit Humphrey Bogart dürfte sie zu einem Begriff für jeden gemacht haben. Ausgewählte Filme wie eben genannter, „The Big Sleep“, „Cobweb“ oder „H.E.A.L.T.H.“ sind nur Teile des Tributes an jene großartige Schauspielerin.

Jean-Pierre Gorin: Dem französischen Filmemacher und Theoretiker ist ebenfalls ein Tribute gewidmet. Die umfassende Werkschau mit u.a. „My Crasy Life“ oder „Ein Brief an Peter“ wird ergänzt durch Werke in Koproduktion mit Jean Luc Godard, mit welchem er auch die Groupe Dziga Vertov gründete. Weiters wird Gorin drei seiner berühmten Lectures halten, welche neben „Propositions“ die zweite neue Schiene der Viennale bilden: „Working Class“. Am 20., 23. und 26. Oktober zu besuchen – Eintritt frei!

Amos Vogel: Ihm, dem Gründer des legendären Filmclubs „Cinema 16“, wird in der heurigen Viennale ein Portrait gewidmet. Ein Tribute an den Mann, der Cassavetes, Anger, Conner, u.v.a. dem breiten Publikum zugänglich machte. „L’Eclisse“ (Antonioni), „Lebenszeichen“ (Herzog) oder „Pickpocket“ (Bresson) sind nur einige Filme des umfangreichen Programms, welches auch durch viele Kurzfilme (z.B. „Cosmic Ray“ von Conner) getragen wird.

Koreeda Hirokazu: Nach Fernsehdokumentationen wandte sich Koreeda über seinem ersten Spielfilm „Maborishi no hikari“ zum narrativen Kino. Zu sehen sein werden neben eben genanntem u.a. „Wandafuru raifu/After Life“, „Distance“ oder „Kare no inai hachigatsu ga/August Without Him“.

Paul Fejos: In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmarchiv wurde ein von Elisabeth Büttner kuratiertes Special über den österreichisch-ungarischen Regisseur zusammengestellt. Ein Auszug aus dem Programm: „Lonesome“, „Fantômas“, „Broadway“ oder „Det gyldne Smil“.

Fear East: Mitternachtskino aus China , Japan , Hongkong und Co. Alte Muster und Motive mutieren zu neuen Eindrücken: „Old Boy“ (Chan-Wook Park), „Wu jian dao/Infernal Affairs“ (Andrew Lau, Alan Mak) oder „Dai Si-gien/Breaking News” (Johnnie To)

Österreichischer Film

Natürlich soll bei einem österreichischen Festival auch dem hiesigen Filmschaffen Platz geboten werden. Im Hauptprogramm übernimmt Hans Weingartner den österreichischen Part mit „Die fetten Jahre sind vorbei“. Aber auch „kleinere“ (weniger kommerziell erfolgreiche) Filme wie „6 Found Footage“ (Brehm), Die Liebenden (Hammel), „Newspaper Only“ (Dertnig) oder „In Wirklichkeit ist alles ganz anders“ (Burger) setzen immer wieder heimische Akzente in das große Programmangebot. Und durchaus mit Berechtigung.

Drumherum

Die Viennale besteht aber nicht nur aus Filmen. Die schon erwähnten Lectures von Gorin sind aber nur ein Teil des ganzen Drumherums. Während der ganzen Festivalzeit werden z.B. in der Viennalezentrale immer wieder Feste mit verschiedenen DJs gefeiert, ab und zu legen sogar auch RegisseurInnen Hand an die Turntables und geben ihre Favourites zum Besten. Auch zu Diskussionen wird geladen, cineastischer Art. Ergänzt durch Performances oder verschiedene Konzerte gibt es also auch ein umfangreiches Programm rund um die Viennale zu besuchen – und das auch meist bei freiem Eintritt!

Bonus Track

Seit letztem Jahr ein kleines Zuckerl... Wer nach den 13 Tagen Marathonfilmschauen den einen oder anderen Must-Film verpassen musste oder einfach noch Lust auf mehr hat – am 28. Oktober gibt’s einen filmischen Bonus Track. Von 6 Uhr bis zum Mitternachtsfilm werden nochmals die erfolgreichsten Filme der Viennale zum Besten gegeben. Auch wenn man es sonst nicht zur Viennale schafft – dieser Tag wäre die perfekte Zusammenfassung, um wenigstens noch ein wenig filmisch Up to Date zu bleiben. Aber eben nur ein wenig…

Tickets

Stubentor
1010 Wien, Parkring 2
täglich 10 bis 20 Uhr

Generali Center
1070 Wien, Mariahilfer Str. 77-79
Mo bis Fr 10 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 17 Uhr

Schottentor Passage
U2-Station Schottentor/Universität,
Mo bis Fr 10 bis 20 Uhr, Sa 10 bis 17 Uhr

Und nicht vergessen: Ermäßigungen für Standardabos, Ö1-Club und WienXtra; und Erstsemestrige erhalten bei Nachweis neben verbilligten Tickets sogar noch ein Poster gratis dazu – dank der ÖH.

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AutorIn(nen)

Mirjam Bromundt

Mirjam Bromundt

28 | Vorarlberg | Wien | Valencia | nach der Publizistik | Grafik | Fotografie | Kreativität | Film | umsetzen | spielen | schreiben | Musik | Patchworkarbeit | interessiert | Chancen | nachdenken | leben

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