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Die Strategie des Kults

2007-04-02 00:13:25

Es genügten drei große Filmproduktionen, bis aus einem heimatlosen und störrischen jungen Mann, eine Kultfigur wurde. 50 Jahre nach seinem Tod ist die Faszination für James Byron Dean immer noch ungebrochen und erlebt zum makaberen Jubiläum einen neuen Aufschwung.

Cholame, Kalifornien. 30. September 1955. James Byron Dean fährt mit seinem Porsche 550 Spyder auf einem Highway in Richtung Norden von Los Angeles. Auf dem Beifahrersitz ist sein Mechaniker Rolf Wütherich. Dean hat die Scheinwerfer trotz der Abenddämmerung nicht an. Als ihm auf der Gegenfahrbahn ein Ford entgegenkommt, übersieht dessen Fahrer Donald Turnupseed den Porsche von Dean, nimmt ihm die Vorfahrt und verursacht somit eine Kollision. James Dean bricht sich das Genick und ist auf der Stelle tot. Wütherich und Turnupseed überleben.

Was für ein Karrieresprung
50 Jahre ist dieser Unfall nun her, der die Geburt einer Kultfigur nach sich zog. Dass sein Status dabei den einstigen Stummfilm-Star und ebenfalls früh verstorbenen Rudolph Valentino übersteigen würde, war noch nicht absehbar. Seiner Karriere konnte dennoch nichts Besseres passieren, davon sind Filmwissenschafter überzeugt und war für den Buch- und Filmmarkt ein Segen. Wagt jemand das Wort Zynismus in den Mund zu nehmen?

Huldigungen der Musikbranche, die sich zum Teil weit ehrlicher ausnehmen als jene der Literatur und des Films, kamen dabei von so unterschiedlichen Interpreten wie „The Eagles“, David Essex in „Rock On“ oder R.E.M. in „Electrolite“. Wenn jetzt neue Bildbände und DVD-Boxen erscheinen, muss der intellektuelle Wert dieser hinterfragt werden.

Jenseits von Hollywood
1931 wurde Dean in Marion, Indiana geboren. Seine Eltern Winton, ein Zahntechniker, und Mildred zogen nach der Geburt ihres Sohnes auf die Farm von Winton Deans Schwager. In dieser ländlichen Umgebung fiel Jimmy nicht auf, verhielt sich ruhig und zurückhaltend. Dem beschaulichen Leben wurde durch den Tod seiner Mutter im Juli 1940 ein Ende gesetzt. Dem überforderten Vater lag die Erziehung seines Sohnes nicht in der Hand, weshalb James auch an die Großmutter übergeben wurde. Das Elternlose Dasein versuchte James in Theaterkursen und Sport zu kompensieren.

Er schlug sich seinen Weg durch die Ausbildung. Dem väterlichen „Rat“ nach einem Jura-Studium kam der brave Sohn James entgegen, allerdings auch nur soweit, bis ihn die Lust am Schauspiel endgültig gepackt hatte. Mit dem Wechsel an die University of California in Los Angeles (UCLA) war der letzte Bruch mit dem kaum existenten Elternhaus vollzogen. Diversen Engagements in Werbung und am Theater folgte der Umzug nach New York. Dort findet er schließlich Eintritt in das legendäre „Actors Studio“, in dem schon solch illustre Personen wie der von Dean abgöttisch verehrte Marlon Brando, Elia Kazan oder Julie Harris ihr Handwerk unter der Führung von Lee Strasberg erlernten.

Ein Gigant ohne Grund
Doch es sollte noch ein paar Jahre und persönliche Rückschläge im Berufsleben dauern, bis Dean nach einigen Kleinstauftritten in Werken wie der Dean Martin/Jerry Lewis Komödie „Sailor Beware“ oder dem Fernsehfilm „Harvest“ eine Hauptrolle in einem wirklich „großen“ Hollywood-Film erhielt. Er tritt unter der Regie von Elia Kazan seine Arbeit in „East of Eden“ an. Seine Neigung zur Improvisation und Manipulation treiben allerdings Regisseur und Darsteller beinahe an den Rand der Verzweiflung. Deans Filmvater Raymond Massey provozierte der aufstrebende Dean so lange bis dessen filmische Wut auch zur Privaten wurde.

Von der Ausstrahlung ihres neuen Jungstars überzeugt, baute das Warner Bros.-Filmstudio James Dean zur Kultfigur auf. Arrangierte „Beziehungen“ mit anderen neuen Stars des Studios, wie Pier Angeli, und in der Öffentlichkeit wurde der auf der großen Leinwand noch nicht bekannte Jimmy bereits als ein neues Sexsymbol akzeptiert. Seine Homosexualität verschwieg Dean gekonnt, bis zur Selbsttäuschung. Erst die Arbeit mit dem nicht weniger manipulativen Nicholas Ray an „Rebel Without a Cause“ gab ihm sein sexuelles Selbstvertrauen zurück. Mit seiner Rolle als jugendlicher Jim Stark konnte er seinen Status in der Industrie festigen und gleich darauf in der Großproduktion „Giant“, an der Seite von Rock Hudson und Elizabeth Taylor brillieren. Dem raschen Aufstieg folgte der plötzliche Tod.

James Dean: Wer wagt eine Analyse?
In etlichen Filmen versuchte die Industrie die ihn erschuf zu analysieren, doch bislang gelang es noch keinem Darsteller, Regisseur oder Autor das kurze Leben und vor allem den Mythos zu fassen. In den drei Hollywood-Produktionen, in denen James Dean auftrat, konnte er sein darstellerisches Talent ausbreiten und sich selbst stilisieren. Genau dieses nun auf ewig festgelegte Bild des Rebellen – egal in welcher der drei Rollen klar abzuleiten – lässt die „Figur“ James Dean so reizvoll erscheinen. Während Marlon Brando, Montgomery Clift oder Paul Newman mit dem Alter auch selbstverständlich andere Rollen annahmen und somit ein differenziertes Bild von sich als Darsteller boten, ist Dean immer derselbe.

Genau aus diesem Grund ist ein stets erneut aufflammendes Zelebrieren des Kultstatus Deans reizvoll. Zu diskutieren ist allerdings der Umstand weshalb in vielen Publikationen die unterdrückte Homosexualität ausgeblendet wird, womit ein essentieller Bestandteil seiner darstellerischen Kraft schlicht geleugnet wird. Es ist also klar zu unterscheiden zwischen konservativer Geldmache und ambitionierter Aufarbeitung eines Mythos. Auch wenn diese Aufgabe zuletzt immer dem Leser obliegt.

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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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