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Die Sterne leuchten noch immer

Die Sterne sind eine Band, die es nunmehr seit 13 Jahren gibt. Ob sie sich deshalb als Vorreiter für andere deutschprachige Bands sehen, und was sich in der Musikbranche in den Jahren verändert hat, könnt ihr hier nachlesen.

Diesmal möchte ich euch an dieser Stelle eine ausführende Auflistung der Sterne-Diskographie ersparen, denn diese mit Studioalben und EPs bestückte Liste würde den Rahmen sprengen. Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Was fällt einem spontan zu einer Band wie den Sternen ein? Diese Frage sei hier mit zwei Wörtern beantwortet: qualitative Kontinuität!

Das trifft es dann auch ganz genau, denn es ist beachtlich, was die Band rund um ihren Sänger Frank Spilker in den bisherigen Jahren an hochwertigen (vor allem im textlichen Bereich) Material vorgelegt hat. Welche andere Band kann das von sich behaupten? Und damit spreche ich nicht nur den deutsprachigen Raum an.

Zurzeit sind die Sterne wieder auf großer Festival-Tour. Das führte sie auch nach Österreich, genauer gesagt auf die FM4-Planet Music-Bühne am Wiener Donauinselfest. Zuvor musste die Band aber – nach einem vortägigen Auftritt in Deutschland – noch die ganze Nacht durchgefahren, um es rechtzeitig am Samstag nach Wien zu schaffen.

Als meine Kollegin Daniela und ich Frank im Wohnwagenlager des Backstagebereichs auffanden, saß dieser lethargisch auf einer Bierbank und versuchte mit einem Buch, welches sich später als „Fleisch ist mein Gemüse“ (Heinz Strunk) herausstellen sollte, den Tourstress für kurze Zeit zu vergessen. Dass der Schlaf bei einer ausgedehnten Tour auf ein Minimum reduziert wird, ist klar. Somit ist es auch nicht groß verwunderlich, dass sich mit den Tagen das Weiß in den Augen in ein stechendes Rot verwandelt. Eine Art Berufskrankheit. Das ist aber kein Grund für schlechte Laune – schon gar nicht bei den Sternen.


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FM5: Inwiefern sind deine Texte autobiografisch?

Frank: Sofern ich das will. Man kann seine Persönlichkeit und seine Biografie nicht so einfach ausblenden. Ich will mich aber selbst nicht darstellen, sondern oft nur die Idee, die mit mir zu tun hat.

FM5: Jetzt konfrontieren wir dich mit ein paar Textzeilen. „Was hat mich bloß so ruiniert“. Was könnte die Sterne ruinieren?

Frank: Alles mögliche … persönliche Differenzen, Personalmüdigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, die durch MP3s verursacht werden. Aber zum Glück können wir auf eine gute Fanbasis verweisen und spielen auch sehr oft live.

FM5: „Sex in den Trümmern und träumten“.

Frank: Das ist sehr abstrakt gedacht. Was daran autobiografisch ist, ist vielleicht ein Aufwachsen in Idyllen, von denen man schon ahnt, dass sie nicht stimmen und es vielmehr erträgt.
Man feiert sozusagen den Spaß daran, etwas zu entdecken, niederzureißen und was Neues aufzubauen, was für einen selbst stimmt.

FM5: Was hast du niedergerissen?

Frank: Gedankengebäude und Wertevorstellungen. Ich bin ja kein alter 68er Jahrgang, der demonstrieren gegangen ist und „Mollis“ [Molotowcocktails] gebaut und geschmissen hat. Das wäre mir auch zu banal. Vielmehr geht es mir dabei um die Theorie, dass man nicht einfach Wertegebäude übernimmt, sondern sich die Mühe macht, selber welche aufzubauen.

FM5: Die deutschsprachige Musik erlebt seit kurzem wieder einen nennenswerten Aufschwung. Seht ihr euch persönlich in einer Art Vorreiterrolle?

Frank: Für Bands wie Juli, Silbermond oder Wir sind Helden sehen wir uns nicht in einer Vorreiterrolle. Ich fühle mich für vieles, was im deutschsprachigen Raum erscheint, keineswegs verantwortlich. Ich weiß auch nicht, ob sich Juli oder Silbermond auf die Sterne beziehen. Als Band ist es doch viel wichtiger, sich an Szenen oder musikalischen Punkten zu orientieren – und nicht an der Sprache. Mir ist es zum Beispiel scheißegal in welcher Sprache was gesungen wird. Mich persönlich interessiert es, ob es gute Musik ist.
Ich zum Beispiel fühle mich Pete Doherty und den Libertines viel näher als Juli oder Silbermond.

FM5: Bleiben wir bei Juli und Silbermond. Diese beiden Bands werden zurzeit von diversen Medien gepusht. Läuft im Moment in der Musikbranche im Gegensatz zu vor ein paar Jahren – irgendetwas anders?

Frank: Es ist schwer, etwas pauschal zu sagen. Vor allem über die Bands, denn die ticken noch anders als die Plattenfirmen. Das ganze Phänomen muss man eher den Plattenfirmen in die Schuhe schieben – und darüber hinaus, können nicht einmal die etwas dafür, wenn es eine eindeutige Stimmung bei MTV und VIVA gibt. Dann ist es für eine Plattenfirma auch klar, wenn ich das produziere, wird es auch gespielt. Es gibt dafür Schlüsselfiguren, die solche Dinge entscheiden. Schließlich wird was modisch – dieses Modische ist natürlich ganz dumm. Denn dann wird gezielt gesucht. Zum Beispiel: Sängerin singt auf Deutsch, spielt Rockmusik. Das Resultat sind dann eben fünf ähnliche Platten, die zur selben Zeit veröffentlicht und auch gekauft werden. Das funktioniert ja auch. Nur können ja die Bands nichts dafür, die da gesigned werden.


Frank Spilker bei seiner Predigt in Wien.

FM5: Ihr habt ja sehr viel Erfahrung mit Plattenfirmen, da ihr sie schon mehrmals gewechselt habt. Wo habt ihr euch bislang am wohlsten gefühlt?

Frank: Du kannst die ganze Plattenfirmen-Landschaft von 1995 nicht mit 2006 vergleichen. In den Jahren ist alles komplett zusammen geschrumpft. Deswegen mussten wir auch oft unsere Plattenfirma wechseln. [Derzeit sind auf V2 Records]. Wir hatten eine sehr gute Beziehung zu L'Age D'Or – die auch unsere Hamburger Clique ist. Nur haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass man das Geschäftliche vom Freundschaftlichen trennen sollte. Wir sind noch immer mit ihnen verlagsmäßig verbunden. Wir sind aber auch froh, dass wir nun ein Management haben, das unabhängig von L'Age D'Or ist. Nun können wir Angebote von Plattenfirmen gleichwertig in Erwägung ziehen.
Zurzeit sind wir ganz zufrieden, denn der große Hype, bei dem wir große Hoffnungen in eine explosionsartige Ausbreitung unseres Publikums gesetzt haben, ist vorbei. Wir haben jetzt ein Level erreicht, auf dem wir fast genau vorhersagen können, wie viele Platten wir verkaufen werden. Wir sind deshalb auch nicht mehr so einem großen Druck ausgesetzt und das erleichtert das Produzieren enorm.

FM5: Wann werden die Sterne wieder ein neues Album produzieren?

Frank: Wir sind gerade mittendrin. Der Prozess dauert mindestens ein dreiviertel Jahr, bis man davon etwas hören kann. Aber voraussichtlich sind schon bei den kommenden Konzerten neue Stücke zu hören.

FM5: Ist es in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich, mit Musik in der Welt etwas zu verändern, Menschen zu verbinden, wie es zum Beispiel in den 60er Jahren der Fall war?

Im Grunde genommen, weiß doch jeder, der erwachsen geworden ist, wie wichtig für jeden jungen Menschen die Orientierung ist. Egal, ob es sich dabei um ein Buch, einen Film oder Musik handelt. Musik ist jedoch im Gegensatz zum Film noch immer ganz leicht zu produzieren.

Es muss aber nicht immer gleich eine Jugendbewegung oder irgendetwas politisch Konkretes oder gesellschaftlich Verwertbares sein. Musik war und ist immer noch ein Medium, welches ganz wichtige Funktionen in der Gesellschaft hat.

Interview und Fotos: Daniela Derntl und Marco Weise
Text: Marco Weise

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