2008-02-21 16:32:59
Tim Burtons Meisterwek Sweeney Todd, der teuflische Barbier aus der Fleetstreet lehrt nie zu vergessen und nie zu vergeben - und was man schlussendlich davon hat.
Der junge talentierte Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp) lebt mit seiner wunderschönen Frau und seiner kleinen Tochter im London des 19. Jahrhunderts ein glückliches Leben. Aber die Schönheit seiner Angetrauten wird ihm zum Verhängnis: Der grausame Richter Turpin (Alan Rickman) verliebt sich in die junge Frau und räumt Barker aus dem Weg, in dem er ihn unschuldig zu 15 Jahren hinter Gitter verurteilt – am anderen Ende der Welt. Als Barker zurückkehrt, erfährt er vom schrecklichen Schicksal seiner Familie, nennt sich fortan Sweeney Todd und schwört bittere Rache. Unterstützt wird er dabei von seiner Komplizin, der Fleischpasteten machenden Mrs. Nellie Lovett (Helena Bonham Carter).
"May the lord have mercy on your soul."
Wer beim Thema Musical an fröhliche, tanzende und singende Menschen in großartigen farbenfrohen Umgebungen denkt, wird überrascht sein, was es alles noch sein kann. Tim Burton beweist in seinem Meisterwerk Sweeney Todd, dass ein Musical auch düster, spannend, traurig und vor allem blutig sein kann.
Wichtig ist in erster Linie der Soundtrack. Klar, dass der wirklich gut sein muss, doch in diesem Film ist er besser als gut, denn die Bilder könnten oftmals gar nicht perfekter auf die Musik abgestimmt sein. Die Lieder spiegeln in ihrer Komposition die Charakteristiken der Figuren wider. Verantwortlich für den Score ist übrigens Stephen Sondheim, der schon die Broadway Fassung des Musicals geschrieben hat.
Die Bilder des Films sind so düster gehalten, dass er fast wie ein Schwarzweißfilm wirkt. Grau ist dominierend, und ironischerweise ist die einzige Farbe, die Licht in den dunklen Streifen bringt, Blutrot. Lediglich Szenen aus der Vergangenheit, in denen Benjamin Barker noch glücklich war und Mrs. Lovetts von der Zukunft träumte, sind in knalligen Farben gehalten. Der starke Kontrast unterstreicht wunderbar, warum Sweeney Todd tut, was er tut.
"There’s a hole in the world like a great black pit that’s filled with people who are filled with shit."
In der Rolle des Sweeney Todd zeigt Johnny Depp abermals, dass er nicht nur ein schönes Gesicht auf der Leinwand ist, auch nicht nur, dass er schauspielern kann, nein, er zeigt, dass er singen kann. Seine gesangliche Performance ist sicher nicht perfekt, aber gerade das birgt einen gewissen Reiz und wirkt sehr spannend. Depp verkörpert die Verwandlung von Barker zu Todd und wieder zurück sehr glaubwürdig. Man kann den Schmerz und die Leidenschaft in seinen Augen spüren und zweifelt keinen Moment daran, dass hier etwas nicht echt sein könnte.
Die verehrungswürdige Helena Bonham Carter hat ihren eindrucksvollen ersten Auftritt mit dem wohl besten Lied des ganzen Films. Sie scheint nicht nur die perfekte Besetzung für die Rolle der Mrs. Lovett zu sein, auch kann sie mit ihrem stimmlichen Talent überzeugen. Sie wirkt ebenso liebevoll und bemutternd, wie mörderisch und kalt.
Beeindruckend besetzt wurde auch die Rolle des Handlangers Beadl durch Timothy Spall, der dem Zuschauer bei jedem Auftritt einen ekelerregenden Schauer über den Rücken zu jagen versteht.
Viel zu kurz ist leider der Auftritt von Sasha Baron Cohen (bekannt als Borat), der als Barbier-Konkurrent Pirelli, Sweeney Todds erstes Opfer mimt.
"At last my arm is complete again."
Eines kann wahrscheinlich schon jetzt behauptet werden: Sweeney Todd ist einer der besten Filme des Jahres. Ein grandioses Meisterwerk, das sogar Menschen in die Kinos locken wird, die Musicals nicht ausstehen können. Ein Stück, das das Unmögliche möglich macht und Gefühlskombinationen hervor bringt, an die man vorher kaum denken würde. An diesem Werk scheint alles perfekt zu sein und vor allem das Ende.
Filmstart: 22. Februar 2008
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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