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Die Politik der Liebe

2011-05-22 13:31:13

  • lustige witwe
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Die lustige Witwe von Franz Lehár feiert in der Volksoper Wien mit einem überzeugenden Ensemble, einer stimmigen Inszenierung und reichlich Erotik eine fulminante Premiere.

Die Ausgangssituation wird schon in den ersten Minuten klar. Der Kleinstaat Pontevedro benötigt dringend Geld zur Sanierung des Staatshaushalts; Geld, das die junge Witwe des Hofbankiers (Alexandra Reinprecht) besitzt. Diese begibt sich jedoch nach Paris, um, wie es scheint, nach einem neuen Mann Ausschau zu halten. Sofort erkennt der dortige pontevedrinische Gesandte Baron Zeta (naiv-majestätisch verkörpert von Kurt Schreibmayer) die Gefahr fürs Vaterland und befiehlt seinem Sekretär, dem Frauenhelden Graf Danilo (Daniel Schmutzhard), die lustige Witwe zu heiraten, um die Millionen für Pontevedro zu sichern. Dieser ist davon aber alles andere als begeistert. Schließlich hatte er in der Vergangenheit doch eine innige Liebesbeziehung mit ihr, durfte sie damals aber aufgrund des Standesunterschiedes nicht ehelichen…

Zwischen Ernst und Humor

Folgerichtig pendelt auch Marco Arturo Marellis Inszenierung ständig zwischen politischem Kalkül, persönlichen Animositäten, verletztem Stolz und prickelnder Erotik. Mit sicherer Hand findet er die richtige Mischung zwischen psychologischem Tiefgang und humorvoller Oberflächlichkeit, die das Genre der Operette an sich auszeichnet. Hierzu trägt auch seine gut durchdachte Bühnenkonstruktion bei. Durch eine fahrbare Zwischenwand kann die Szenerie schnell unterteilt, abgegrenzt oder aber neu adaptiert werden. Mehrere Schwingtüren tragen Sorge dafür, dass die Inszenierung ihr fast atemloses Tempo nie verliert.

Aktion ohne Ende

Ruhigere Momente gibt es eigentlich nur in den Szenen, in denen sich Danilo und die Witwe einander wieder annähern. Ansonsten ist auf der Bühne ständige Bewegung zu verzeichnen. Ob über sich selbst stolpernde männliche Heiratswillige oder lasziv tanzende Ehefrauen, es ist immer etwas geboten. Für Heiterkeit sorgt besonders Volksoperndirektor Robert Meyer. In der deutlich aufgewerteten Rolle des Kanzlisten Njegus glänzt er in bester Frosch-Manier mit sarkastischen Kommentaren und slapstickartigen Einlagen. Zu Recht bekommt er neben dem Ballett (Choreographie: Renato Zanella), das eine atemberaubende Grisetten-Nummer auf die Bühne zaubert, den größten Applaus.

Gelungener Abend

Doch auch ansonsten geizt das Publikum nicht mit Beifall. Für Wiener Verhältnisse muss er sogar als tosend und nicht enden wollend bezeichnet werden. Dies spricht für die Ausgewogenheit der Aufführung. Das Ensemble kann stimmlich und schauspielerisch fast gänzlich überzeugen und auch die Inszenierung lässt keine Langweile aufkommen. Einziger Wehrmutstropfen ist das Orchester (Dirigent: Henrik Nánási), das in vielen Fällen einfach zu brachial wirkt und die Sängerinnen und Sänger übertönt. Lediglich beim Duett "Lippen schweigen" nimmt es sich zurück und lässt prompt eine Gänsehautatmosphäre erstehen. Entscheidend hierfür sind aber auch Alexandra Reinprecht und Daniel Schmutzhard, die stimmlich eine echte Glanzleistung abliefern.

Die lustige Witwe von Franz Lehár
Volksoper, Währinger Straße 78, 1090 Wien
Folgeaufführungen am 24. Mai; 01., 08., 11., 13., 19. und 23. Juni

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