2007-04-02 00:12:21
The Lemonheads feiern nach 10 Jahren ihre Auferstehung und rocken das Wiener Flex.
Exakt 10 Jahre sind seit der Veröffentlichung des (vormals) letzten Lemonheads-Album vergangen. Dazwischen hat Evan Dando, Kopf der Truppe, intensiv den Drogen gefrönt, diesen wieder abgeschworen, ein Model geheiratet und vor einigen Jahren ein nicht uncharmantes Soloalbum veröffentlicht, um 2006 tatsächlich die Lemonheads wieder zu formieren. Ein Comeback, mit dem wohl niemand gerechnet hätte. Das kürzlich erschienene, schlicht „The Lemonheads“ betitelte Album zeigt die Band um Dando, der auch das einzige Überbleibsel der alten Besetzung(en) ist, in spielerischer Bestform.

Und das spiegelte sich auch bei ihrem Auftritt im Wiener Flex wider. Das war Spielfreude pur. Speziell der ständig ein Lächeln im Gesicht tragende und ganz exzellent spielende farbige Drummer Devon Ashley unterstrich diesen Eindruck. Mit Bassist Vess Ruhtenberg (beide von der Band The Pieces) bildete er ein fantastisches Rhythmus- und Backgroundchor-Gespann, das laufend auf mimische Anweisungen von Meister Dando reagierte.

Denn, obwohl es eine fixe Songliste gab, wirkte es immer wieder so, als stimme der Ober-Lemonhead das Lied an, welches ihm gerade in den Sinn kam, oder er flötete spontan ein Solo oder eine Feedbackattacke. Auch ihm machte es offensichtlich großen Spaß, wieder in Gestalt der Lemonheads auf der Bühne zu stehen, und mit Jeans, T-Shirt und seinen ständig ins Gesicht hängenden Haaren wirkte er kaum einen Deut älter als vor der Bandauflösung.

Auch an der Songauswahl gab´s nichts zu meckern. Die alten Indiehits „Down About It”, “Great Big No”, “It´s A Shame About Ray” vermischt mit Titeln des neuen Werks wie “Black Gown”, “Become The Enemy”, oder “No Backbone” ergaben ein perfektes Bild, das schließlich durch Dando´s Soloperformance gekrönt wurde. Hier kam die samtene Stimme des Frontman, die im lauten Zerrgitarren-Getöse oft unterging, erst richtig zur Geltung. Ganz in sich versunken schrummelte Dando dazu seine abgenudelte, von Fotos und Stickern übersäte Akustikklampfe, bis er bei „Favorite T“, der letzten seiner 4 Soloakustiknummern, irritiert eine knapp bei der Bühne stehende Truppe fixierte und diese mit einem angewiderten „Maybe you should go...“ strafte. Vermutlich hatte ihn deren lautes Gequatsche und Gekichere während der Darbietung seiner traurigsten und intimsten Songs etwas aus der Fassung gebracht.

Naja, sei´s drum, wieder in Komplettbesetzung und den Lautstärkenreglern in Richtung Anschlag gedreht, donnerte uns die Band noch ein, zwei letzte Nummern um die mittlerweile halbtauben Ohren und ließen das ganze mit einer Feedbackorgie ausklingen. Also lieber Evan Dando, bleibt nur mehr zu hoffen, dass Du den (harten) Drogen wirklich abgeschworen hast und Wien mit Deinen Lemonheads bald mal wieder beehrst!

Fotos: (c) Stephan Brueckler